Möriken-Wildegg
Auch die Städter machen sich gern die Finger im Beet dreckig

Am Setzlingsmarkt von ProSpecieRara auf Schloss Wildegg mausert sich die Stadttomate zum Verkaufsschlager. Das Urban Gardening, das Gärtnern unter städtischen Bedingungen, findet immer mehr begeisterte Anhänger.

Markus Christen
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Der Blick von oben auf Besucher- und Salatköpfe im Schlossgarten Wildegg.

Der Blick von oben auf Besucher- und Salatköpfe im Schlossgarten Wildegg.

Markus Christen

Als das Schloss Wildegg am Samstagmorgen um 9 Uhr seine gusseisernen Tore öffnete, strömten die Besucher bereits in Scharen auf den Schlosshof, um sich auf dem Setzlingsmarkt von ProSpecieRara umzusehen und das gewünschte Gemüse für den heimischen Garten zu besorgen.

Kurz darauf säumten Autos aus der ganzen Schweiz die Haupt- und Nebenstrassen von Möriken. Was den Buschauffeuren für die nächsten Stunden einiges Geschick abverlangen würde, ist den stöbernden Gartenfreunden ein Freudenfest. Über 500 traditionelle Gemüsesorten standen bei rund 20 Anbietern, davon viele aus der Region, zum Verkauf.

Rund 12000 Besucher zählte ProSpecieRara im vergangenen Jahr während des Setzlingsmarkts auf Schloss Wildegg
12 Bilder
Über 500 Gemüsesorten stehen am Setzlingsmarkt im Angebot
Nicole Egloff, Medienverantwortliche bei ProSpecieRara, berät die Besucherinnen
Mit wachen Augen begutachten die Besucher schon am frühen Morgen die Setzlinge
Karin Müller ist Helferin bei ProSpecieRara und betreut den Stand mit den Stadttomaten
Joël Ruesch aus Kirchdorf ist mit seiner Freundin am Setzlingsmarkt
Der Crêpe-Stand von ProSpecieRara ermöglicht einen kulinarischen Zwischenstopp
Die Waldwerkstatt von Johannes Langer aus Necker sorgt mit seinen Pizzas für den kulinarischen Genuss
Der Biohof aus Küttingen präsentiert sein Angebot
Bereits zum dritten Mal findet der Setzlingsmarkt auch ausserhalb der Schlossmauern statt
Bereits zum dritten Mal findet der Setzlingsmarkt auch ausserhalb der Schlossmauern statt (2)
Anna Paerson (rechts) mit ihrer Schwester Catherine aus Zürich

Rund 12000 Besucher zählte ProSpecieRara im vergangenen Jahr während des Setzlingsmarkts auf Schloss Wildegg

Markus Christen

ProSpecieRara, die Schweizerische Stiftung für die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren, will mit dem Setzlingsmarkt den Zugang zu seltenen und sogenannt samenfesten Gemüsesorten ermöglichen, sagt Nicole Egloff, Verantwortliche für die Medienarbeit. Das Angebot erfreut sich wachsender Beliebtheit, wie die Besucherzahlen auf Schloss Wildegg belegen. «Im letzten Jahr durften wir 12 000 Besucher begrüssen. Wir stellen fest, dass es immer mehr Menschen gibt, die vom Gärtnern begeistert sind», so Egloff.

Gartenarbeit als Ausgleich

Dass die Gartenarbeit und der bewusste Anbau spezifischer Sorten keineswegs nur ein ländliches Publikum anspricht, wird im Gespräch mit den Besuchern des Setzlingsmarkts schnell deutlich. Anna Pearson, die mit ihrer Schwester einen Schrebergarten bewirtschaftet, ist aus Zürich nach Wildegg gereist. Pearson ist in der Bewegung Slow Food Youth aktiv. Sie sagt, das Kochen mit Lebensmitteln, die selbst angebaut wurden, sei für sie Teil einer ganzheitlichen Lebenseinstellung. «Dazu gehört es, das Essen wieder als Genuss zu betrachten, aber auch ein nachhaltiges Lebensmittelsystem zu fördern.»

Die Stadttomate ist der Renner

Grosses Interesse besteht am Setzlingsmarkt auch an den Stadttomaten, die seit zwei Jahren an einem eigenen Stand präsentiert werden. Das Urban Gardening, also das Gärtnern unter städtischen Bedingungen, finde immer mehr begeisterte Anhänger, sagt Karin Müller, eine Helferin von ProSpecieRara.

Selbstredend ist unter den Besuchern auf Schloss Wildegg auch anzutreffen, was gemeinhin als traditioneller Gärtner bezeichnet werden könnte. Joël Ruesch aus Kirchdorf ist in abgelegener Lage mit einem grossen Garten aufgewachsen. «Dieser Umstand hat mich geprägt und mir eine Wertschätzung für die Natur mit auf den Weg gegeben.» Der Gemüseanbau bedeutet ihm einen Ausgleich zur harten Arbeit auf dem Bau.

In einem Punkt allerdings unterscheiden sich die Besucher auf Schloss Wildegg nicht, ob sie nun aus der Stadt oder vom Land angereist sind. Sie geniessen den spannenden Rundgang durch das vielfältige Angebot am Setzlingsmarkt, das stets auch einige Überraschungen bereithält.