Beinwil am See
Arsenik, Cognac, und Tabak: Das "Gift-Buch" zeigt, was man früher in der Apotheke kaufte

Vor 130 Jahren wurden nicht nur gesundheitsfördernde Mittel in der Apotheke verkauft.

Ann-Kathrin Amstutz
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130 Jahre Apotheke in Beinwil am See und Reinach: Der "Dampf-Inhalations-Apparat" hatte den grossen Vorteil, dass bei richtiger Anwendung "Kleider und Gesicht nicht befeuchtet wurden". 130 Jahre Apotheke in Beinwil am See und Reinach: Der "Dampf-Inhalations-Apparat" hatte den grossen Vorteil, dass bei richtiger Anwendung "Kleider und Gesicht nicht befeuchtet wurden".
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130 Jahre Apotheke in Beinwil am See und Reinach: "Feinster Lenzburger Augen-Tabak zur Stärkung der Sehkraft". 130 Jahre Apotheke in Beinwil am See und Reinach: "Feinster Lenzburger Augen-Tabak zur Stärkung der Sehkraft".
die 130-jährige Geschichte der drei Apotheken in Beinwil am See und Reinach.
130 Jahre Apotheke in Beinwil am See und Reinach: Ein Foto von der "Alten Post", wo die erste Beinwiler Apotheke 1888-1892 ihren Sitz hatte. 130 Jahre Apotheke in Beinwil am See und Reinach: Ein Foto von der "Alten Post", wo die erste Beinwiler Apotheke 1888-1892 ihren Sitz hatte.
130 Jahre Apotheke in Beinwil am See und Reinach: Ausstellungsmacher Fritz Springer mit dem "Gift-Buch" der Hofstetter-Apotheke. 130 Jahre Apotheke in Beinwil am See und Reinach: Ausstellungsmacher Fritz Springer mit dem "Gift-Buch" der Hofstetter-Apotheke.
130 Jahre Apotheke in Beinwil am See und Reinach: Mineralwasser-Flaschen, teils handgeblasen. Das Mineralwasser soll gegen allerlei Gebrechen wie Rheuma oder Gicht geholfen haben. 130 Jahre Apotheke in Beinwil am See und Reinach: Mineralwasser-Flaschen, teils handgeblasen. Das Mineralwasser soll gegen allerlei Gebrechen wie Rheuma oder Gicht geholfen haben.
130 Jahre Apotheke in Beinwil am See und Reinach: Solche "Frässzätteli" gab die besorgte Mutter den Kindern mit, wenn sie etwas in der Apotheke holen mussten. 130 Jahre Apotheke in Beinwil am See und Reinach: Solche "Frässzätteli" gab die besorgte Mutter den Kindern mit, wenn sie etwas in der Apotheke holen mussten.

130 Jahre Apotheke in Beinwil am See und Reinach: Der "Dampf-Inhalations-Apparat" hatte den grossen Vorteil, dass bei richtiger Anwendung "Kleider und Gesicht nicht befeuchtet wurden". 130 Jahre Apotheke in Beinwil am See und Reinach: Der "Dampf-Inhalations-Apparat" hatte den grossen Vorteil, dass bei richtiger Anwendung "Kleider und Gesicht nicht befeuchtet wurden".

Ann-Kathrin Amstutz

Arsenik, Cognac, Mineralwasser und Tabak – wer heute mit einem solchen Wunsch in die Apotheke kommt, würde wohl ziemlich schräg angeschaut. Dabei gehörten diese Produkte vor 130 Jahren zum Kerngeschäft der Apotheker. Wie vieles sich verändert hat, zeigt die Ausstellung im alten Opal-Gebäude an der Aarauerstrasse 12 in Beinwil am See. Thema: die 130-jährige Geschichte der drei Apotheken in Beinwil am See und Reinach.

Man schrieb das Jahr 1888, als der Lenzburger Karl Wilhelm Escherich in der alten Post die erste Böjuer Apotheke eröffnete. Dank der Zigarrenindustrie wuchs das Bauerndorf und auch dank der Eröffnung der Seetalbahn 1883 war Böju gross genug für eine Apotheke. Schon 1892 zügelte Escherichs Apotheke in einen Neubau, nur wenige Meter vom Standort der heutigen Apotheke entfernt. 1926 verkaufte Escherich die Apotheke an Hans Hofstetter, dessen Familie das Geschäft bis ins Jahr 2000 weiterführte.

Das Nachbardorf Reinach hat seit 1829 eine Apotheke. 1885 kam sie in den Besitz der Familie Kesselring. Heute wird die Central-Apotheke von Franz Kesselring in sechster Generation geführt. Auch die Löwen-Apotheke hat eine lange Geschichte: Sie reicht zurück ins Jahr 1855.

Süssholz und Tabak

Organisiert wurde die Ausstellung von Fritz Springer, der direkt hinter der Böjuer Apotheke aufgewachsen ist: «Wir gingen immer in die Apotheke, um ein Stück Süssholz zu bekommen.» Seit den 80er-Jahren sammelt Springer Fotos vom alten Böju und seit Jahren trägt er Apotheken-Material zusammen.

Eine echte Trouvaille ist das «Gift-Buch» der Hofstetter-Apotheke: Darin wurde akribisch notiert, wer wann und wie viel Gift in der Apotheke gekauft hatte. «Am beliebtesten war Arsenik, das vor allem gegen Ratten und Mäuse gebraucht wurde», erklärt Fritz Springer. Ein weiteres aussergewöhnliches Stück ist der «Feinste Lenzburger Augen-Tabak» – zur «Stärkung der Sehkraft». Oder die Mineralwasser-Flaschen, teils noch handgeblasen, deren Inhalt gegen allerlei Gebrechen wie Gicht und Rheuma helfen sollte. Die Ausstellung geht noch bis 22. April.