Niederlenz

Architekturbüro sucht Verbündete für Referendum gegen Bauland-Verkauf

Die Parzelle soll gemäss Beschluss der Gemeindeversammlung an die J. Realini AG verkauft werden. Ein Architekturbüro, dessen Offerte nicht berücksichtigt wurde, will das Referendum dagegen ergreifen.

Gemeindeland «oberer Steinler»:

Die Parzelle soll gemäss Beschluss der Gemeindeversammlung an die J. Realini AG verkauft werden. Ein Architekturbüro, dessen Offerte nicht berücksichtigt wurde, will das Referendum dagegen ergreifen.

Der Verkauf des Gemeindelandes «oberer Steinler» in Niederlenz droht sich zu verzögern. Ein auswärtiges Architekturbüro betreibt Lobbying für ein Referendum gegen den Verkauf der Parzelle an die J. Realini AG, wie es die Gmeind beschlossen hatte.

«An der Gmeind ist alles schiefgelaufen, was schief laufen kann», kritisiert Peter Erdin, freier Mitarbeiter des Architekturbüros aus der Region Brugg, das selber nicht in Erscheinung treten will. Erdin wirft Gemeindeammann Maurice Humard vor, mit «ziemlich fahrlässigen Aussagen» und «nicht transparenter Information» die Bürger beeinflusst zu haben.

Plötzlich kamen neue Angebote

Was ist passiert? An der ausserordentlichen Gmeind vom 24. Februar 2012 sagte eine Mehrheit der 87 Anwesenden (von 2465) Ja zum Verkauf der 4671 Quadratmeter grossen Parzelle am Dorfrand zu Möriken. Anschliessend wurden der Versammlung zwei laut Gemeinderat gleichwertige Kaufangebote vorgelegt: Den Zuschlag erhielt die J. Realini AG aus Schinznach-Dorf, die eine Überbauung mit Ein- und Mehrfamilienhäusern plant. Den Kürzeren zog die Oltner HIG Immobilien Anlage Stiftung. Diese hatte wie Realini 250 Franken pro Quadratmeter offeriert. Der Verkauf spült damit 1,167 Millionen Franken in die Gemeindekasse.

Trotz klarer Zustimmung ging das Geschäft nicht reibungslos über die Bühne. Denn kurzfristig waren drei weitere Offerten mit bis zu 40 Franken höherem Quadratmeterpreis eingegangen. Gemeindeammann Maurice Humard liess sich an der Gmeind erst auf Nachfrage entlocken, wie viel diese Firmen bieten und verteidigte die Offerten von Realini und HIG vehement. «Diese haben sich lange mit den Kauf befasst und die Konzepte überzeugen», sagte Humard – und liess durchblicken, dass die anderen Projekte nicht genügten.

Diese Aussagen haben Peter Erdin und die Mitarbeiter des Architekturbüros in seinem Rücken auf die Palme gebracht. «Maurice Humard drängte auf das Realini-Angebot und erwähnte weitere Anbieter nur nebenbei.» Es sei zwar möglich, dass die später eingereichten Projekte aus Zeitgründen weniger konkret seien als die vom Gemeinderat bevorzugten Angebote. «Doch unsere Offerte mit Mietwohnungen und Einfamilienhäusern entspricht den Vorstellungen des Gemeinderates – und wir hätten 35 Franken mehr pro Quadratmeter bezahlt!» Für Erdin ist es unverständlich, dass der Gemeinderat ein finanziell schlechteres Angebot favorisiert und damit auf über 160000 Franken verzichtet.

Wer sammelt Unterschriften?

Gemeindeammann Maurice Humard weist diese Kritik zurück. «Die neuen Offerten kamen zu spät, um diese zu traktandieren.» Man habe deshalb an der Gmeind mündlich darüber informiert. Humard sagt jedoch klipp und klar: «Wir hatten kein gutes Gefühl bei diesen Angeboten und wollten den Landverkauf endlich zum Abschluss bringen.»

Die Mehrheit an der Gmeind war gleicher Meinung: Als Humard zur Sicherheit am Schluss noch einmal darüber abstimmen liess, ob der Gemeinderat die Parzelle wie beschlossen an Realini verkaufen oder doch die neuen Offerten prüfen soll, schüttelten viele Niederlenzer den Kopf und bestätigten den Verkauf.

Wenig Zeit für 246 Unterschriften

Peter Erdin und das verschwiegene Architekturbüro wollen trotzdem das Referendum ergreifen und an der Urne über den Landverkauf abstimmen lassen. Dazu braucht es bis zum 2. April 246 gültige Unterschriften. «Das Referendum gegen den unbürgerlichen Entscheid hat gute Chancen», ist Erdin überzeugt. «Wir sind aber unter Zeitdruck und brauchen Unterstützung.» Diese ortet Peter Erdin bei den Ortsparteien von FDP und SP, deren Spitzen Interesse am Referendum signalisiert hätten. Nur: Sowohl FDP-Präsident Thomas Randon als auch SP-Präsident Willi Rusterholz kritisierten auf Anfrage der az zwar die «ungenügende Information» beim Landverkauf an der Gmeind. Ein Referendum sei aber derzeit «kein Thema».

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