Lenzburg

Anwohner wehren sich gegen geplantes 24-Stunden-Puff

EVP-Einwohnerrat Marcel Spörri zeigt, wo das Bordell entstehen soll. Heller

EVP-Einwohnerrat Marcel Spörri zeigt, wo das Bordell entstehen soll. Heller

In Lenzburg regt sich Widerstand gegen ein geplantes Erotikstudio im Lenzburger Westquartier. Eine Gruppe von Anwohnern sammelt Unterschriften.

Ein Rotlichtbetrieb sorgt in Lenzburg für rote Köpfe: An der Industriestrasse soll aus einer Wohnung ein Bordell werden. Das Baugesuch lag bereits auf. Geplant ist ein 24-Stunden-Betrieb mit vier bis fünf Prostituierten. «Wir verzichten bewusst auf Rotlicht und arbeiten auf diskreter Basis», schreiben die Verantwortlichen im Gesuch.

Acht Einsprachen sind dennoch eingegangen; gegen die Pläne regt sich Widerstand. Eine Gruppe von Anwohnern sammelt Unterschriften. Ihr Ziel: das Bordell von ihrem Quartier fernhalten. Auch ein offener Brief an den Lenzburger Stadtrat ist bereits geschrieben. Sobald genügend Unterschriften zusammen sind, werden sie diesen einreichen.

Darin listen die Gegner all das auf, was sie verhindern wollen: ein Rotlichtmilieu, Tag und Nacht Verkehr durch Freier, besetzte Parkplätze in Wohnquartieren – und «dass unsere Kinder auf dem Schulweg der Prostitution begegnen». Der Brief endet mit der Aufforderung an den Stadtrat, «die Verantwortung für ein lebenswertes Lenzburg wahrzunehmen und das 24-Stunden-Bordell abzulehnen – unserer Stadt und ihren Bewohnerinnen und Bewohnern zuliebe».

Der EVP-Einwohnerrat und Westquartier-Anwohner Marcel Spörri ist einer der Gegner. Er fürchtet um die Lebensqualität in der Lenzburger Gegend, die er als Kerngebiet für die weitere Entwicklung der Stadt bezeichnet. Spörri warnt vor einer Kettenreaktion, Strassenprostitution hält er für möglich. Der Standort sei «denkbar schlecht gelegen» – neben einer Spielgruppe, am Schulweg vieler Kinder.

Auch Philipp Gut, Anwohner und stellvertretender «Weltwoche»-Chefredaktor, kämpft gegen das Projekt. Er warnt vor einer Gettoisierung im Westquartier, das ohnehin stiefmütterlich behandelt werde. «Die Stadt verspricht im Leitbild ein Ort mit hoher ‹Lebensqualität›. Doch ein 24-Stunden-Bordell ist nicht unbedingt das, was wir Lenzburger uns unter dieser Lebensqualität vorstellen.» Damit werde das Quartier ab- statt aufgewertet.

Juristisch hält der EVP-Politiker den Kampf gegen das Bordell für relativ chancenlos – «da bin ich realistisch». Spörri hofft stattdessen auf die anstehende Revision von Bauordnung und Zonenplan der Stadt Lenzburg. Eine «Erotikklausel» möchte Spörri dort festlegen, die das Rotlichtgewerbe in Lenzburg verbieten würde. Einen Antrag dazu könnte er als Mitglied des Einwohnerrats stellen.

Bei der Stadt mag man zur Kontroverse um das geplante Erotikstudio keine Stellung nehmen. Stadtrat Martin Steinmann sagt lediglich, er wolle sich zu einem laufenden Verfahren nicht äussern. Die Betreiber des 24-Stunden-Bordells waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Im Baugesuch ist die Rede von 2 bis 3 Kunden pro Tag und Prostituierte – das wären insgesamt maximal 15 Freier täglich. Daran glauben die Gegner nicht. «Würde dies stimmen, ginge die Rechnung nicht auf. Ein Betrieb rund um die Uhr mit so wenig Kunden ist ein Widerspruch in sich», sagt Spörri.

Ein Streitpunkt sind auch die Parkplätze. Die Betreiber rechnen vor, dass das vorhandene Angebot ausreicht. Vier seien nötig, sieben vorhanden. Auf dem Grundstück wie in der näheren Umgebung hat es genügend Parkplätze. Die Gegner widersprechen: Es sei absehbar, dass die meisten Freier ohnehin nicht direkt vor dem Bordell parkieren würden, um anonym zu bleiben. Also wichen sie in nahegelegene Wohnzonen aus.

Die Antwort der Gegenseite auf die Einsprachen liegt vor: Sämtliche Einwendungen seien abzuweisen. Die Bordell-Gegner stören sich am Tonfall des Schreibens. Darin heisst es unter anderem: «Erstaunlich ist, mit welcher Kenntnis sich die Einwenderin für die Prostituierten einsetzt.» Das sei ein hämischer Spruch auf Kosten einer älteren und couragierten Dame, die sich ebenfalls gegen das geplante Bordell wehre, sagt Philipp Gut.

Im Oktober steht als nächster Schritt eine gemeinsame Begehung der Örtlichkeiten mit Vertretern beider Parteien statt. Bereits diese Woche war die Entwicklung von Lenzburg West Thema an der Einwohnerratssitzung: EVP- und CVP-Fraktion reichten neben einer Anfrage auch ein Postulat ein. Eines ihrer Hauptanliegen: «Das Westquartier soll als attraktiver Wohn- und Arbeitsort erhalten und weiterentwickelt werden.»

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