Der silbrige Audi hat kaum den Fussgängerstreifen passiert – und schon drückt der Fahrer aufs Gaspedal. Der Auspuff knallt, die Fussgänger auf dem Trottoir entlang der Murackerstrasse in Lenzburg erschrecken. Keine fünf Minuten später beschleunigt ein anderer Fahrer an der gleichen Stelle derart, dass der Motor laut aufheult.

Das ist keine Seltenheit, klagen Anwohner. Deshalb haben die direkt betroffenen Peter Vogt, Rosalia und Marco Rielle, Ernst Urech, Beat Leuenberger und Marcel Spörri (EVP-Einwohnerrat) zusammen mit den SP-Einwohnerrätinnen Anja Voegeli Knapp und Beatrice Taubert sowie dem erfolgreichen Tempo-30-Petitionär Rolf Glückler ein Komitee gegründet. Ihre Forderung: Die gefährlichen und lärmigen Rasereien und Autorennen sollen mit baulichen Massnahmen und/oder Temporeduktion verhindert werden. Dafür sammeln sie zurzeit Unterschriften.

Das ist es, was Peter Vogt stört: röhrende Sportmotoren und übersetzte Geschwindigkeiten auf der Murackerstrasse in Lenzburg

Das ist es, was Peter Vogt stört: röhrende Sportmotoren und übersetzte Geschwindigkeiten auf der Murackerstrasse in Lenzburg

Zwei Videos aus dem Jahr 2013, aufgenommen von Peter Vogt, laut seiner Aussage um 2 Uhr morgens.

Die Anwohner leiden vor allem nach Feierabend und am Wochenende unter den Rasern und dem Motorenlärm. «Dann wird die Murackerstrasse zu einer Rennbahn», sagt Peter Vogt. «Die Autofahrer müssen zeigen, welche Motorenleistung ihre getunten Fahrzeuge haben.» Die einen würden ihre Motoren aufheulen lassen, andere richtige Rennen veranstalten. Die knapp 500 Meter lange und schnurgerade Strecke zwischen Bahnhof und Ringstrasse lade Raser geradezu ein, zu beschleunigen, sagt SP-Einwohnerätin Anja Voegeli Knapp. Und Rosalia Rielle ergänzt: «Ich habe schon beobachtet, wie zwei Autos vom Bahnhof her kommend nebeneinander gefahren sind.» Dabei sei eines der Autos auf der linken Fahrbahn an der Mittelinsel des Fussgängerstreifens vorbeigefahren. «Stellen Sie sich vor, einer verliert die Kontrolle!», echauffiert sich Vogt. Das sei vor drei Jahren schon mal passiert. «Das Auto geriet ins Schlittern und fuhr in einen Holzzaun.» Glücklicherweise habe es keine Verletzte gegeben.

«Nicht gravierender als anderswo»

Der Regionalpolizei Lenzburg ist diese Situation bekannt. «Es melden sich vor allem in den Sommermonaten vereinzelt Anwohner, die sich über die Lärmbelastung durch getunte Autos oder Autofahrer beschweren, die schnell beschleunigen», sagt Repol-Chef Ferdinand Bürgi. «Der nahe Bahnhof ist ein Hotspot. Dort trifft man sich, kauft etwas am Kiosk – und es geht um sehen und gesehen zu werden.» Das wirke sich auch auf die Murackerstrasse aus, die durch ihre Nähe zum Bahnhof stärker befahren sei als andere Verbindungsstrassen. Doch: «Die Verhältnisse sind nicht gravierender als an anderen Orten in unserem Einzugsgebiet. An der Bahnhofstrasse in Aarau beispielsweise dürfte die Situation in etwa gleich sein», sagt Bürgi.

Die Repol führt immer wieder Geschwindigkeitskontrollen an der Murackerstrasse durch. Auch mit Laserpistolen, bei denen die Polizisten besser versteckt seien als ein mobiler Blitzer. Dabei würden zwar Übertretungen festgestellt, was aber durchaus in der Norm läge. Doch vor allem Kontrollen mit Blitzer würden bei Autofahren, die mit ihren getunten Fahrzeugen durch die Quartierstrasse rasen, ohnehin kaum etwas bringen. Denn wenn sie diesen sähen, würden sie diese Strasse meiden. Auch präventiv geht die Repol gegen Raser vor. Mit dem sogenannten «Speedy», der mit einem lächelnden oder traurigen Smiley anzeigt, ob man die Geschwindigkeit einhält.

Zudem würden die Polizei-Patrouillen, die täglich den Bahnhof überprüfen, dort auch des Öfteren Tuningkontrollen durchführen. «Doch oft sind die Autos ab Werk. Das heisst, sie sind nicht illegal, können aber trotzdem beim Beschleunigen Lärm verursachen», sagt Bürgi und ergänzt: «Wir können nicht während 24 Stunden die Murackerstrasse auf mögliche Raser und getunte Autos überprüfen.»

SP will Vorstoss einreichen

Dem ist sich auch das Komitee bewusst. Mit ihrer Forderung nach einer Temporeduktion oder baulichen Massnahmen wie Schwellen wollen sie deshalb eine langfristige Lösung erwirken. «Sogar Anwohner auf der anderen Seite des Bahnhofes fühlen sich vom Lärm gestört und unterstützen uns», sagt Vogt. Vom Stadtrat erwartet das Komitee konkrete Vorschläge und Massnahmen.

Vor der nächsten Einwohnerratssitzung will das Komitee die gesammelten Unterschriften dem Stadtrat übergeben. Gleichzeitig plant die SP, bei der nächsten oder übernächsten Parlamentssitzung einen Vorstoss einzureichen. «So wollen wir den Druck auf den Stadtrat erhöhen», sagt Voegeli Knapp. Wie auch schon bei der Petition von Rolf Glückler (siehe Box).