Wildegg
Ansturm auf Duftschloss: Geruch von schwitzenden Soldaten und «Dienstmägdeduft»

Ungewohnte Dufterlebnisse bietet noch bis zum Sonntag das Schloss Wildegg mit dem Festival der Düfte. Die sinnlichen Expeditionen ins Reich der Düfte sind schweizweit einzigartig. Entsprechend gross ist der Ansturm der Besucher auf das Duftschloss.

Jörg Meier
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Festival der Düfte
19 Bilder
Festival der Düfte Konkreter Einstieg in die Welt der Düfte: Gewürze aus aller Welt, wie sie die Besucher wohl damals auf die Wildegg gebracht haben.
Festival der Düfte «Bücherschmöcker» unter sich. In der Bibliothek lesen die Besucher keine Bücher, sondern sie riechen sich von Band zu Band.
Festival der Düfte Das «Festival der Düfte» bietet einen Schlossbesuch der ungewohnten Art: Für einmal ist die Nase wichtiger als die Augen; eine Umstellung, die herausfordert.
Festival der Düfte Im Schloss Wildegg präsentiert das Museum Aargau gemeinsam mit dem Verein SCENT das "Festival der Düfte". 15 Räume des Schlosses wurden durch Parfumeure und Aromateure mit eigens entwickelten Gerüchen beduftet. Besuch der ersten Führung am 19. Oktober.
Festival der Düfte Im Schloss Wildegg präsentiert das Museum Aargau gemeinsam mit dem Verein SCENT das "Festival der Düfte". 15 Räume des Schlosses wurden durch Parfumeure und Aromateure mit eigens entwickelten Gerüchen beduftet. Besuch der ersten Führung am 19. Oktober.
Festival der Düfte Im Schloss Wildegg präsentiert das Museum Aargau gemeinsam mit dem Verein SCENT das "Festival der Düfte". 15 Räume des Schlosses wurden durch Parfumeure und Aromateure mit eigens entwickelten Gerüchen beduftet. Besuch der ersten Führung am 19. Oktober.
Festival der Düfte Im Schloss Wildegg präsentiert das Museum Aargau gemeinsam mit dem Verein SCENT das "Festival der Düfte". 15 Räume des Schlosses wurden durch Parfumeure und Aromateure mit eigens entwickelten Gerüchen beduftet. Besuch der ersten Führung am 19. Oktober.
Festival der Düfte Im Schloss Wildegg präsentiert das Museum Aargau gemeinsam mit dem Verein SCENT das "Festival der Düfte". 15 Räume des Schlosses wurden durch Parfumeure und Aromateure mit eigens entwickelten Gerüchen beduftet. Besuch der ersten Führung am 19. Oktober.
Festival der Düfte Im Schloss Wildegg präsentiert das Museum Aargau gemeinsam mit dem Verein SCENT das "Festival der Düfte". 15 Räume des Schlosses wurden durch Parfumeure und Aromateure mit eigens entwickelten Gerüchen beduftet. Besuch der ersten Führung am 19. Oktober.
Festival der Düfte Im Schloss Wildegg präsentiert das Museum Aargau gemeinsam mit dem Verein SCENT das "Festival der Düfte". 15 Räume des Schlosses wurden durch Parfumeure und Aromateure mit eigens entwickelten Gerüchen beduftet. Besuch der ersten Führung am 19. Oktober.
Festival der Düfte Im Schloss Wildegg präsentiert das Museum Aargau gemeinsam mit dem Verein SCENT das "Festival der Düfte". 15 Räume des Schlosses wurden durch Parfumeure und Aromateure mit eigens entwickelten Gerüchen beduftet. Besuch der ersten Führung am 19. Oktober.
Festival der Düfte Im Schloss Wildegg präsentiert das Museum Aargau gemeinsam mit dem Verein SCENT das "Festival der Düfte". 15 Räume des Schlosses wurden durch Parfumeure und Aromatologe mit eigens entwickelten Gerüchen beduftet. Besuch der ersten Führung am 19. Oktober. Im Bild: Der Aromatologe Jean-Claude Richard
Festival der Düfte Im Schloss Wildegg präsentiert das Museum Aargau gemeinsam mit dem Verein SCENT das "Festival der Düfte". 15 Räume des Schlosses wurden durch Parfumeure und Aromateure mit eigens entwickelten Gerüchen beduftet. Besuch der ersten Führung am 19. Oktober.
Festival der Düfte Im Schloss Wildegg präsentiert das Museum Aargau gemeinsam mit dem Verein SCENT das "Festival der Düfte". 15 Räume des Schlosses wurden durch Parfumeure und Aromateure mit eigens entwickelten Gerüchen beduftet. Besuch der ersten Führung am 19. Oktober. Im Bild: Die Kuratorin des Museum Aargau Lea Sieback.
Festival der Düfte Im Schloss Wildegg präsentiert das Museum Aargau gemeinsam mit dem Verein SCENT das "Festival der Düfte". 15 Räume des Schlosses wurden durch Parfumeure und Aromateure mit eigens entwickelten Gerüchen beduftet. Besuch der ersten Führung am 19. Oktober.
Festival der Düfte Im Schloss Wildegg präsentiert das Museum Aargau gemeinsam mit dem Verein SCENT das "Festival der Düfte". 15 Räume des Schlosses wurden durch Parfumeure und Aromateure mit eigens entwickelten Gerüchen beduftet. Besuch der ersten Führung am 19. Oktober.
Festival der Düfte Im Schloss Wildegg präsentiert das Museum Aargau gemeinsam mit dem Verein SCENT das "Festival der Düfte". 15 Räume des Schlosses wurden durch Parfumeure und Aromateure mit eigens entwickelten Gerüchen beduftet. Besuch der ersten Führung am 19. Oktober.
Festival der Düfte Im Schloss Wildegg präsentiert das Museum Aargau gemeinsam mit dem Verein SCENT das "Festival der Düfte". 15 Räume des Schlosses wurden durch Parfumeure und Aromateure mit eigens entwickelten Gerüchen beduftet. Besuch der ersten Führung am 19. Oktober.

Festival der Düfte

Sandra Ardizzone

Kurz nach zehn Uhr ist an diesem leicht nebligen Herbstmorgen der Parkplatz unterhalb der Schlossdomäne Wildegg bereits voll belegt. Im Schlosshof versammeln sich die angemeldeten Teilnehmer der ersten Führung. Museumsfreiwillige helfen diskret, ordnen die Besucherströme und weisen den Einzelbesuchern den Weg. Staus im Schloss sollen möglichst vermieden werden.

Mittendrin steht Projektleiterin Angela Wettstein. Sie gab den Anstoss zum Festival der Düfte, das vom Verein «Scent» in Zusammenarbeit mit dem Museum Aargau realisiert werden konnte: Fünf renommierte Parfümeure und drei Kreativteams nahmen die Wildegg in Besitz und verwandelten sie in ein Duftschloss, indem sie insgesamt 15 Räume olfaktorisch bespielen. Das Schloss riecht und duftet; fremd und vertraut – und immer wieder anders. Alle Düfte sind von den Duftkünstlern für die Wildegg komponiert worden. Sie erinnern an konkrete Ereignisse und Menschen aus der langen Geschichte der Effinger; die Rezepturen bleiben selbstverständlich das Geheimnis der Parfümeure und Aromatologen.

Der Geruch eines Reisenden

Sie habe im Vorfeld einige schlaflose Nächte durchlitten, erzählt Projektleiterin Wettstein. Denn bisher habe noch nie jemand ein Schloss in dieser Weise beduftet. Deshalb sei auch nicht klar gewesen, ob das funktionieren könne. «Unser Projekt hat ganz klar experimentellen Charakter», sagt Wettstein.

Ist das Experiment auch gelungen? «Die Leute sind sehr interessiert», erklärt Wettstein und zeigt auf die Wartenden im Schlosshof. «Die Nachfrage nach Führungen war so gross, dass wir das Angebot kurzfristig verdoppelt haben.» Auch die Zusatzveranstaltungen des Festivals sind alle ausgebucht. Unter der Woche kamen pro Tag gut 500 Besucher, am Wochenende werden es wohl doppelt so viele sein.

Einer, der mitgeholfen hat, das Schloss zu beduften, ist der Aromato-loge Jean-Claude Richard. Er amtet an diesem Morgen auch als Führer durch das Labyrinth der Düfte; wer nicht schon grundsätzlich über eine feine Nase verfügt, ist dankbar für Richards Erklärungen und Tipps. So führt er ins Gästezimmer mit herrlicher Aussicht und edlem Himmelbett. Hier riecht es, wie wenn ein älterer Reisender soeben im Gästezimmer angekommen wäre und die Geschenke für die Gastgeber bereitlegt: erlesene Gewürze und Tee, Kräuter und Blüten sowie andere Kostbarkeiten.

Mit den Worten von Richard verbindet sich hier süssliche Vanille mit balsamischem Patchouli, fruchtig strahlenden Zitrusnoten, gebranntem Kaffee, grün-krautigem Koriander, Zimt und Kardamom. Während er erzählt und ringsum alle intensiv schnüffeln; ja, da lassen sich diese Ingredienzen tatsächlich zumindest erahnen; und wer jetzt auch noch die Augen schliesst, kann sich durchaus vorstellen, im 18. Jahrhundert angelangt zu sein, im Gästezimmer, zusammen mit einem älteren Reisenden.

Für ungeübte Spürnasen ist Richards Tipp allerdings nicht ganz einfach umzusetzen: «Nehmen Sie sich Zeit. Versuchen Sie, Duft für Duft in der Nase zu speichern.» Richard beantwortet geduldig die Fragen des vorwiegend weiblichen Publikums: «Ein Aromatologe beschäftigt sich mit der Wirkung von Duftstoffen, dem Parfümeur geht es um das Wohlbefinden der Nase», erklärt er den Unterschied zwischen den beiden verwandten Berufen.

Ein Aromatologe verfüge über rund 400 natürliche Duftstoffe; ein Parfümeur hingegen könne auf bis zu 10'000 synthetische Aromen zurückgreifen. Männer seien übrigens zuverlässiger und konstanter in der Wahrnehmung von Parfüms als Frauen, sagt Richard. Denn es sei erwiesen, dass die Wirkung eines Parfüms auf Frauen oft zyklusabhängig sei.

Der Duft der Bücher

Einen Stock höher hat sich Master-Parfümeur Ralf Schweiger die Bibliothek vorgenommen. Leserinnen und Leser wissen, dass Bücher einen eigenen Geruch haben. Doch wie genau riechen Bücher? Ralf Schweiger zerlegt den charakteristischen Geruch von Papier, Leim und Druckerschwärze in seine einzelnen Duftaspekte. Plötzlich findet man unverhofft süsses Vanille, holzige Elemente und leicht fettige Noten, die satt und dicht sind, genauso wie die Bücher, die durch Hunderte von Händen gegangen sind.

Natürlich erkennt der Besucher mit der ungeübten Nase all diese Düfte nicht auf Anhieb. Erst wenn ihm der Profi sagt, was er da riecht, kann er die einzelnen Düfte auch einordnen. In der Mitte des Raumes liegen Bücher aus verschiedenen Jahrhunderten. Und jedem hat Schweiger einen eigenen Geruch verpasst.

Und da passiert es: Man erkennt einen Geruch: So – und zwar ganz genau so haben die Karl-May-Taschenbücher der Kindheit gerochen. Wie sagte doch Parfümeur Andreas Wilhelm, der die Schlossküche auf der Wildegg bearbeitet hat: «Düfte sind immer auch Erinnerungen.» Wer die Schlossküche betritt, riecht nichts Besonderes. Die Irritation weicht erst, wenn die drei Schalen auf dem Tisch bemerkt werden.

Sie enthalten drei Sorten Kaugummi in drei Farben, daneben steht der Spucknapf. In der Küche erzeugt Andreas Wilhelm keine Düfte – die Nasen der Besucher bleiben diesmal unbehelligt. Wilhelm wählt eine intimere Form der Geschmacksvermittlung: den Kaugummi. Jede der drei Kaugummisorten enthält dabei ein anderes Aroma: den Geschmack eines deftigen Eintopfs, den Geruch der jungen Schlossherrin Julia Effinger, den Geschmack – oder vielmehr – den Gestank schwitzender Soldaten. Wer einen Geschmack nicht länger erträgt, spuckt den Kaugummi in den bereitstehenden Napf; der Nachgeschmack verschwindet rasch beim Verlassen der Küche.

Die Nase voll

Die belgische Parfümeurin Laurence Fanuel hat schon die Kathedrale von Grasse in Südfrankreich beduftet. Auf der Wildegg kümmert sie sich unter anderem um die Kammer der Dienstmägde. Wer die enge Kammer betritt, der riecht den warmen Geruch von Haut, man wähnt sich in einem Raum, der von Frauen bewohnt wird, die jeden Moment zurückkommen können. Oder wie es Fachmann Richard erklärt: «Das Balsamische und Muskatartige verbindet sich mit hellen, zimtartigen Anklängen, die einen Zitrushauch erkennen lassen.» Mit dem «Dienstmägdeduft» erweist Laurence Fanuel den Dienstboten auf Schloss Wildegg ihre Reverenz, die in mühsamer Handarbeit für die Herrschaften praktisch ohne Freizeit zur Verfügung standen.

15 Räume gilt es olfaktorisch zu entschlüsseln, eine faszinierende, aber auch anspruchsvolle Aufgabe. Da ist man für gelegentliche Eindeutigkeit geradezu dankbar. Auch wenn sie nicht besonders wohlriechend daherkommt. So etwa im früheren Pferdestall, wo ein Kreativteam der Mibelle-Gruppe gleich vier berühmte animalische Parfümkomponenten präsentiert: Die tierischen Drüsensekrete von Moschus, Amber (Pottwal), Zibet (afrikanische Zibetkatze) und Castoreum (Bibergeil), die im Originalzustand heftig stinken. Olfaktorisch verfeinert und in Kombination mit anderen Duftstoffen hingegen, riechen die vier Sekrete nicht nur äusserst angenehm, sie wirken auch aphrodisierend.

Wer nach der Expedition in die Welt der Düfte das Schloss Wildegg verlässt und wieder ins Tal hinuntersteigt, hat die Nase ziemlich voll und ist trotzdem begeistert.