Niederlenz
Anonyme Korruptions-Vorwürfe gegen Gemeinderat beschäftigen die Justiz

Wer hinter den Korruptionsvorwürfen gegen den Niederlenzer Gemeinderat vom Sommer 2012 steckt, ist immer noch unklar. Die Ermittlungen laufen. In einem Nebenschauplatz hat die Staatsanwaltschaft zudem ein Verfahren gegen die Dorfzeitung eröffnet.

Pascal Meier
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«Wer könnte dahinterstecken?»

«Wer könnte dahinterstecken?»

Pascal Meier

Die Vorwürfe sind happig, um nicht zu sagen unglaublich: Im Juni 2012 beschuldigte eine anonyme Gruppe in einem Brief Gemeinderat, Verwaltung und Kommissionsmitglieder der Korruption. Belegt waren die Vorwürfe nicht und das Schreiben glich viel mehr einem feigen Rundumschlag gegen die Behörden und Angestellten der Gemeinde Niederlenz.

Der Gemeinderat wollte das nicht auf sich sitzen lassen. An der Sommergmeind machte Ammann Maurice Humard die Vorwürfe publik und rief die Urheber auf, sich zu melden und Fakten auf den Tisch zu legen. Nichts geschah. Der Gemeinderat erstattete darauf wegen Ehrverletzung Anzeige gegen unbekannt.

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau hat inzwischen ein Verfahren eröffnet. «Die Untersuchungen laufen noch», sagt Elisabeth Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Die Korruptionsvorwürfe beschäftigen die Staatsanwaltschaft auch in einem anderen Fall: Auf dem Tisch liegt ein Strafantrag wegen mutmasslicher Verleumdung und Ehrverletzung, begangen von der Dorfzeitung «Dorfgeist».

Unter dem Titel «Attacke tief unter der Gürtellinie» hatte Redaktor Peter Schmid in der September-Ausgabe gemutmasst, wer hinter den anonymen Vorwürfen gegen den Gemeinderat stecken könnte: «Der Verdacht liegt nahe, dass der Schreiberling aus den Reihen des Referendumskomitees ‹Oberer Steinler› stammen könnte», schrieb Peter Schmid.

Denn dieses habe schon vor der Abstimmung Gemeindeammann Maurice Humard Irreführung der Stimmbürger vorgeworfen. Weiter hielt Schmid im Artikel fest: «Das Referendumskomitee hat zwar energisch dementiert, doch ist das glaubhaft?»

Strafantrag gestellt

Das liess das Referendumskomitee nicht auf sich sitzen. Dessen Vertreter Peter Erdin stellte am 31. Oktober 2012 Strafantrag. Die Staatsanwaltschaft hat nun vor kurzem ein Verfahren eröffnet, da die Vergleichsverhandlungen zwischen Peter Erdin und Peter Schmid gescheitert sind. Dies teilt die Staatsanwaltschaft auf Anfrage mit.

Peter Erdin verlangt von Peter Schmid eine öffentliche Entschuldigung, wie er auf Anfrage der az erklärt. Peter Schmid sieht dazu keinen Anlass und versteht die Aufregung nicht: «Ich habe Herr Erdin nicht namentlich beschuldigt, sondern nur geschrieben, aus welchen Kreisen die anonymen Vorwürfe kommen könnten», sagt Peter Schmid.

«Neben dem Referendumskomitee nannte ich auch Kreise, die jegliche Überbauungen im ‹Oberen Steinler› verhindern wollen.» Peter Schmid blickt deshalb der Untersuchung gelassen entgegen.

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