Vierfachmord Rupperswil
Amtliches Siegel entfernt: Was geschieht nun mit dem Mordhaus?

Am Haus, in dem der Vierfachmord von Rupperswil geschah, ist das amtliche Siegel entfernt worden. Die Ermittlungen dauern aber nach wie vor an.

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Das Haus im Rupperswiler Spitzbirrli-Quartier, in dem das grauenhafte Verbrechen geschah.

Das Haus im Rupperswiler Spitzbirrli-Quartier, in dem das grauenhafte Verbrechen geschah.

Mario Heller

Mitte Mai nahmen die Ermittler den mutmasslichen und geständigen Täter Thomas N. (33) fest. Nun ist am Haus, in dem er im Dezember 2015 vier Menschen ermordete, das amtliche Siegel entfernt worden. Auch am Haus, in dem der Täter wohnte, ist das Siegel verschwunden, wie «Blick» berichtet.

Das bedeutet: Besitzer respektive Mieter dürfen die Häuser wieder betreten. Zudem zeigt dies, dass die Ermittler nicht mehr beabsichtigen, den Tatort nochmals unter die Lupe zu nehmen. Die Ermittlungen in den beiden Liegenschaften sind damit beendet.

Vierfachmord Rupperswil – von der Tat bis heute 21. Dezember 2015: an diesem Tag kommt es zum Vierfachmord: Kurz vor Mittag geht bei der Feuerwehr Rupperswil-Auenstein ein Notruf über einen Brand in einem Einfamilienhaus in Rupperswil ein.
29 Bilder
Beim Einsatz finden Feuerwehrleute vier verkohlte Leichen im Haus.
Schnell ist klar: Es handelt sich um ein Verbrechen. Die Opfer waren gefesselt und wiesen Stich- und Schnittverletzungen auf.
Eine Forensikerin auf dem Weg zum Tatort im Rupperswiler Spitzbirrli-Quartier.
Die Ermittler sichern Spuren im und um das Haus.
Kapo-Medienchef Roland Pfister informiert die Medien über die vier gefundenen Leichen im Wohnhaus.
23. Dezember 2015: Zwei Tage nach der Bluttat sind die Opfer identifiziert: Es handelt sich um Carla Schauer (†48), ihre beiden Söhne Davin (†13) und Dion (†19) sowie dessen Freundin Simona (†21).
Mit Flugblättern sucht die Polizei bald in Rupperswil nach Personen, die Auskunft zur Bluttat mit den vier Personen machen können.
Auf dem Flugblatt ist auch das Bild von Carla Schauer (†48) zu sehen, wie sie am Tag wenige Stunden vor ihrem Tod an einem Geldautomaten in Rupperswil 1000 Euro abhebt.
Später taucht auch dieses Bild einer Überwachungskamera auf: Carla Schauer hebt knapp 20 Minuten nach dem Bancomat-Bezug weiteres Geld an einem Bankschalter in Wildegg ab. Es sind zirka 9000 Franken.
Trauerbekundungen beim Haus im Rupperswiler Spitzbirrli-Quartier, wo die vier getöteten Personen gefunden wurden.
Die Ermittlungsarbeiten zum Tötungsdelikt in Rupperswil reissen auch über die Feiertage nicht ab.
Für die Ermittler bedeutet der Fall Knochenarbeit: Ein Polizist leuchtet in einen Schacht.
8. Januar 2016: In Rupperswil findet ein Gedenk-Gottesdienst für die Opfer statt.
Rund 500 Personen wohnten dem Trauer-Gottesdienst bei. Wegen des grossen Andrangs mussten rund 200 Gäste den Gottesdienst vom Saal des Kirchgemeindehauses aus verfolgen.
Der Schock über die schreckliche Tat sitzt tief: Trauernde geben sich Halt
21. Januar 2016: Die Aargauer Staatsanwaltschaft gelangt an die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY – ungelöst". Im April wird der Mordfall von Rupperswil in München aufgezeichnet.
18. Februar 2016: Polizei und Staatsanwaltschaft informieren erstmals ausführlich über die Geschehnisse in Rupperswil an einer Pressekonferenz.
An dieser Pressekonferenz setzen die Behörden eine Belohnung von bis zu 100'000 Franken für Hinweise auf die Täterschaft aus.
Aus der Bevölkerung gehen hunderte Hinweise ein – keiner führt die Polizei auf die richtige Spur. Um den Vierfachmord von Rupperswil aufzuklären, haben die Aargauer Untersuchungsbehörden einen Aufwand betrieben wie noch nie zuvor.
13. Mai 2016: Fast fünf Monate nach dem Tötungsdelikt laden Polizei und Staatsanwaltschaft kurzfristig zu einer zweiten grossen Pressekonferenz ein.
Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht enthüllt: Der Täter ist gefasst! Es handelt sich um einen 33-Jährigen aus Rupperswil, der nicht vorbestraft ist.
Der mutmassliche Mörder von Rupperswil: Thomas N. war jahrelang Fussball-Trainer und betreute C-Junioren.
Seine Fussballkollegen beschreiben ihn als Einzelgänger und guten Trainer.
In diesem Haus in Rupperswil – nur wenige Meter vom Haus der Familie Schauer entfernt – wohnte Thomas N.
Vierfachmord Rupperswil (All in one)
Die Haustür des Gebäudes wurde von der Polizei – nach einer Hausdurchsuchung – amtlich versiegelt.
Wenige Tage nach der Ergreifung des Täters wird bekannt: Die Rechtsanwältin Renate Senn wird den Mörder von Rupperswil vor Gericht vertreten.
Ein Jahr nach der Tat wird es in Rupperswil keine Gedenkfeier geben. Ammann: Ruedi Hediger: «Die Wunden «sind am Verheilen.»

Vierfachmord Rupperswil – von der Tat bis heute 21. Dezember 2015: an diesem Tag kommt es zum Vierfachmord: Kurz vor Mittag geht bei der Feuerwehr Rupperswil-Auenstein ein Notruf über einen Brand in einem Einfamilienhaus in Rupperswil ein.

Keystone/PATRICK B. KRAEMER

Das Strafverfahren ist dagegen keineswegs abgeschlossen. Wann der Prozess vor dem Bezirksgericht Lenzburg stattfinden wird, ist noch unklar. Die Staatsanwaltschaft hat ein psychiatrisches Gutachten über Thomas N. in Auftrag gegeben. Erfahrungsgemäss dauert es seine Zeit, bis ein solches Gutachten vorliegt. Die Staatsanwaltschaft beantwortet zurzeit keine Fragen zum Vierfachmord Rupperswil.

Was mit dem Mordhaus geschieht, steht noch nicht fest. Thomas N. ermordete erst Carla Schauer (†48), dann ihre Söhne Davin (†13) und Dion (†19) sowie dessen Freundin Simona (†21). Deshalb dürfte der Ex-Mann Anspruch auf das Erbe und damit das Haus haben. Ob er es annimmt, ist nicht bekannt. Die Eltern und der Bruder von Carla Schauer hatten es ausgeschlagen, noch bevor es zur Festnahme von Thomas N. kam.

Wie das Mordhaus steht nun auch das benachbarte Reihenhaus, das mit jenem eine Hauswand teilt, leer. Die 61⁄2-Zimmer-Liegenschaft, Baujahr 1999, wird auf einer Immobilien-Plattform für 890'000 Franken zum Kauf und für 2900 Franken monatlich zur Miete angepriesen. (pz)