Seon

Amoklauf als Bühnenstück: Oberstufen-Schüler auf der Spur des Unbegreiflichen

Die Theatergruppe der Oberstufe Seon thematisiert im Stück «I don’t like mondays» den Amoklauf an einer Schule. Im Vorfeld wurde intensiv recherchiert und auch mit dem Forensiker Josef Sachs gesprochen.

Es ist ein bedrückendes, verstörendes Thema, dessen sich das Schultheater aus Seon für das Stück «I don’t like mondays» angenommen hat. Geschildert wird darin aus 14 unterschiedlichen Perspektiven der fiktive Amoklauf eines Schülers an einer amerikanischen High School. Gezeigt wird, wie sich der dahinplätschernde Alltag in einer Minute in panikerfüllten Terror verkehrt – und wie eine Minute zur Ewigkeit gefriert.

Heikles Thema: Schüler bringen Amoklauf auf die Bühne

Heikles Thema: Schüler bringen Amoklauf auf die Bühne

In Seon spielen die Teenager einen Amoklauf nach. Dabei werden Mitschüler auf der Bühne getötet. Gehen die Jugendlichen damit zu weit?

Das ist schwere Kost. Theaterleiter Manfred Stenz hat sich gründlich überlegt, ob er diesen düsteren Stoff, der von den 14- und 15-jährigen Schülerinnen des Freifachs «Darstellendes Spiel» zur Bearbeitung vorgeschlagen wurde, für die Bühne umsetzen soll. «Ich bin angespannt, wenn ich an die bevorstehenden Aufführungen denke, denn wir haben uns einen sehr intensiven Stoff vorgenommen», sagt Stenz. «Aber ich finde, es ist richtig und wichtig, dass wir das machen.» Die Pubertät sei eine Zeit, in der Jugendliche ihre Grenzen austesten wollen. «Mit diesem Theaterstück haben die Schülerinnen die Möglichkeit, an ihre Grenzen zu gehen. Gleichzeitig konnten und mussten sie lernen, dass ein solcher Grenzgang mit viel Arbeit und dem Anhäufen von Wissen verbunden ist», erklärt der Theaterleiter. So bestand die Vorbereitung zum Stück «I don’t like mondays» nicht allein aus Theaterproben. Die Theatergruppe hat auch ausgiebig zum Thema Schulamok recherchiert. Sachbücher wurden gelesen und diskutiert. Der Forensiker Josef Sachs besuchte die Schülerinnen und beantwortete Fragen.

«Wir haben von Herrn Sachs viel gelernt», sagen die jungen Schauspielerinnen am Rande der Theaterprobe am Montag. «Zum Beispiel, dass es nicht einen einzelnen Grund gibt, der einen Amoklauf erklären kann.» Ihr Blick auf Tat und Täter habe sich durch das Gespräch mit dem Experten und die eigenen Recherchen gewandelt. «Es war lehrreich zu erfahren, welche Frustrationen einer Tat zugrunde liegen können und was die Folgen für die Überlebenden eines Amoklaufs und die Angehörigen der Opfer und des Täters oft sind.»

Das während der Recherche gewonnene Wissen hat Manfred Stenz im Theaterstück verarbeitet. Für den Zuschauer ergibt sich eine Rekonstruktion eines Anschlags, die nach möglichen Erklärungen sucht und gleichzeitig die Unfassbarkeit des Ereignisses bewahren will. Dazu bedient sich der Theaterleiter verschiedener Stilmittel wie Zeitsprüngen oder festgefrorener Szenenbilder, in denen jeweils eine Figur in den Fokus rücken kann.

Die 14 Schauspielerinnen der Theatergruppe spielen 14 Schülerinnen der High School, die mit dem Täter in unterschiedlichster Weise verbunden oder bekannt sind. Die individuellen und kollektiven Erlebnisse und Ereignisverarbeitungen bilden den Kern von «I don’t like mondays». Die grosse Leerstelle im Stück bleibt der Täter selbst. Er kommt auf der Bühne nicht vor und nicht zu Wort. Denn ein Punkt war Josef Sachs besonders wichtig. «Man darf kein Mitleid mit dem Täter erregen.»

Mit seiner Themenwahl hat das Schultheater viel Mut bewiesen und sich mit einem Thema auseinandergesetzt, zu dem man normalerweise auf Distanz geht.

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