Wer den Egliswiler Gemeindeammann zum Gespräch treffen will, muss unter Umständen früh aus den Federn. Die Agenda von Rolf Jäggi ist stets gut gefüllt. Hauptberuflich verantwortet er bei der Axpo Power AG den Werkschutz im Kernkraftwerk Beznau. Hinzu kommen eine Reihe politischer Mandate. Seit 19 Jahren ist er Gemeinderat in seiner Wohngemeinde, seit 13 deren Ammann. Zudem sitzt er für die SVP seit 2017 im Grossen Rat, ist unter anderem Mitglied der kantonalen Geschäftsleitung und präsidiert die Findungskommission für die nationalen Wahlen 2019. Diese hat kürzlich Nationalrat Hansjörg Knecht ins Rennen um einen Ständeratssitz geschickt.

Auch der morgige Samstag ist in Jäggis Kalender schon lange markiert: Egliswil begeht sein 1125-jähriges Bestehen mit einem kleinen Dorffest. Einen solchen Geburtstag zu feiern, mag eher unüblich erscheinen. Wenn es jedoch um den Zusammenhalt und die Integration von Neuzuzügern in der wachsenden Gemeinde geht, ist man in Egliswil kreativ. Das Dorf ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten um zwanzig Prozent auf 1450 Einwohner angewachsen. «In unserer Gemeinde findet nur alle vier Jahre ein Jugendfest statt. Umso mehr packen wir die Gelegenheit beim Schopf, den Vierteljahrhundertschritt in der Geschichte mit der Bevölkerung und den kürzlich neu ins Dorf gezogenen Menschen zu feiern.» Auch wenn Jäggi betont, dass die Durchführung des Festes in dieser Form ein Entscheid des Gemeinderates sei, mag der gesellige und bodenständige Gemeindeammann das Seine dazu beigetragen haben.

Der 49-jährige Rolf Jäggi ist kein Morgenmuffel und auch zu früher Stunde schon sehr gesprächig. Er spricht ebenso direkt über die harten Fakten und Sorgen, die eine kleine Gemeinde plagen, wie über die weichen Faktoren. «Das Zusammenleben in Egliswil verdient Respekt.» In der Sache gehe es durchaus mal hart zu und her. Jedoch seien Schmutzkampagnen, wie man andernorts erlebe, fremd im Dorf. «Bei uns herrscht eine Kultur, die Heimat widerspiegelt. Darauf bin ich stolz», sagt der Ammann. Veranstaltungen wie das kommende Dorffest sollen dazu beitragen, dass das weiterhin so bleibt. Der Dorfkultur förderlich ist ebenso ein aktives Vereinsleben, das in Egliswil auch heute noch gut funktioniere, freut sich Jäggi.

Nicht nur Verwalten

Zu den grössten Sorgen des Ammans zählt der minimale finanzielle Handlungsspielraum, der den Gemeinden heutzutage noch bleibt. «Wir sind zunehmend fremdbestimmt», bemängelt er wie viele seiner Amtskollegen auch. «Von hundert Steuerfranken bleiben uns gerade noch deren fünf zur Bewältigung der kommunalen Aufgaben. Dabei wären rund 15 bis 20 Franken nötig.» Es dürfe nicht so weit kommen, dass mit den vorhandenen Mitteln eine Gemeinde nur noch verwaltet und nicht mehr gestaltet werden könne.

Egliswil benötigt einen neuen Werkhof. Der dazu notwendige Kreditantrag von 1,25 Millionen Franken soll an der Sommergmeind 2019 vorgelegt werden. Zudem läuft die Revision des Zonenplans und der Bau- und Nutzungsordnung (BNO). Sie soll ebenfalls in einem Jahr für die Anhörung parat sein.

Eine Fusion ist für Jäggi kein Thema. Weder mit der Stadt Lenzburg, noch mit einer andern Nachbargemeinde. Eine Fusion würde keine Kosten senken, ist er überzeugt. «Hingegen würde eine Fusion zu Identitätsverlust führen.» Nicht zuletzt aus diesem Grund hat man das Bauamt im Dorf behalten, als dessen Vorsteher in Pension ging. In andern Bereichen jedoch kooperiert Egliswil mit den Nachbarn Seon (Feuerwehr, Strom, Technische Betriebe Seon AG) und Seengen (Schule Oberstufe, Verwaltung). Im Forstamt Rietenberg sind Dintikon, Egliswil, Hendschiken, Seengen und Villmergen zusammengeschlossen. Die Forstkommission präsidiert Rolf Jäggi.

In sozialen Medien präsent

Wo immer Rolf Jäggi sich engagiert, tut er es mit viel Herzblut. Sei es in der Sicherheitsweste im Job, mit Anzug und Krawatte in der Politik, im Sennechutteli beim Alphornspielen oder in einfache Jeans gekleidet mit den Senioren auf dem Ausflug und mit den Jungbürgern auf der Gokartbahn. Halbe Sachen sind nicht sein Ding. Am Schluss des Tages muss ein Resultat auf dem Tisch liegen. Selbst ein Ferien-Golfkurs endet bei Jäggi mit der Platzreife.

Auch ist Rolf Jäggi versiert im Umgang mit den sozialen Medien. Der Egliswiler Ammann ist eifriger Botschafter des kleinen Dorfes im Süden des Bezirkshauptorts Lenzburg. Seine Facebook-Posts aus dem «schönen und sympathischen Seetalerdorf Egliswil» haben schon fast Kultstatus. Darauf angesprochen, lacht Jäggi. «Der Satz ist mittlerweile tatsächlich so etwas wie eine Marke geworden. Im beruflichen Umfeld und bei der politischen Arbeit werde ich damit aufgezogen. Und er ist schon an Vereinsanlässen benutzt worden.» In Egliswil ist das Ressort Kommunikation Chefsache.

Dorffest Egliswil am Samstag, 8. September. Festakt ab 12 Uhr in der Mehrzweckhalle.