Natürlich bemühen sich die Mitglieder des Grossen Rates, den Kanton Aargau als Ganzes vorwärtszubringen. Doch die Volksvertreter vertreten nicht nur ihr Volk, sondern auch die Region, aus der sie stammen.

Die Grossräte sind auch Sprecher ihrer Bezirke. Die Wahlkreise sollen innerhalb des Kantons zu Wort kommen und ihre Interessen anmelden und auch durchsetzen können. Vertreter von Gemeindeexekutiven kennen ihre Region bestens und sehen Auswirkungen von kantonalen Gesetzen und Verordnungen direkt.

Bezirk Lenzburg untervertreten

Die Mitglieder der Gemeinderäte wissen durch ihren unmittelbaren Kontakt mit den Bürgern, wo der Schuh drückt. Deshalb ist eine starke Vertretung von Gemeindeammännern und -räten im Grossen Rat wichtig.

Im Bezirk Lenzburg hat diese direkte Verbindung von den Gemeindehäusern in den Grossratssaal in Aarau in der letzten Amtsperiode nur bedingt funktioniert. Mit Pascal Furer (SVP, Staufen) ist aktuell nur ein einziger aktiver Gemeinderat Mitglied des Grossen Rates. Immerhin vertreten mit Alois Huber (SVP, Möriken-Wildegg), Gabi Lauper Richner (SP, Niederlenz) und Kathrin Scholl-Debrunner (SP, Lenzburg) drei ehemalige Vizeammänner den Bezirk in «Aarau».

Verzettelte Einzelinteressen

Verglichen mit andern Bezirken sitzen hier jedoch keine Gemeindeammänner im Kantonsparlament. Viele Kleinstädte verschaffen sich mit dem Stadtammann vermehrt Gehör in der Hauptstadt. Lenzburg ist seit dem Rückzug von Kathrin Scholl Ende 2007 aus dem Rathaus nicht einmal mehr mit einem Stadtrat im Grossrat vertreten.

Um gleichwohl einen direkten Draht nach Aarau zu finden, haben die Vorstandsmitglieder des noch jungen Gemeindeverbandes «Lebensraum Lenzburg Seetal» (LLS) verschiedene Treffen mit dem auf acht Parteien aufgesplitterten Grossrats-Dutzend organisiert. Mit bescheidenem Erfolg. Parteiinteressen dominierten regionale Anliegen bei den Debatten.

Dies kann mit den Wahlen am übernächsten Sonntag besser werden. Neben sieben weiteren Gemeinderäten stellen sich nicht weniger als vier Gemeindeammänner der Wahl – alle mit gewissen Wahlchancen.

Allen voran marschiert Daniel Mosimann (SP), der nicht nur Stadtammann von Lenzburg ist, sondern auch den LLS präsidiert. Sein Handicap: Er wird eine der bisherigen SP-Frauen (Scholl und Lauper) verdrängen müssen, erachten doch Beobachter einen dritten SP-Sitz als eher unwahrscheinlich.

In der Pole-Position, auf dem ersten Listenplatz hinter den Bisherigen, befinden sich zwei junge Seetaler Ammänner: Gérald Strub (FDP, Boniswil) und Rolf Jäggi (SVP, Egliswil) werden deshalb gute Wahlchancen eingeräumt. Für Patrick Fischer (GLP, Fahrwangen) wird’s schwieriger, müsste er doch die profilierte Bisherige Barbara Portmann-Müller verdrängen.

Die Chancen, dass die Interessen der Region im Kantonsparlament künftig nachdrücklicher vertreten werden, stehen also nicht schlecht.

Alle Kandidaten aus dem Bezirk Lenzburg im Überblick: