Dürrenäsch
Ammann der reichsten Gemeinde: «Dürrenäsch wird wieder zurückfallen»

Er könnte die Korken knallen lassen, warnt aber vor zu grosser Euphorie: Markus Boos, Gemeindeammann von Dürrenäsch, der Gemeinde mit dem grössten Pro-Kopf-Einkommen im Kanton. Boos: «Wir werden in der Rangliste wieder zurückfallen.»

Pascal Meier
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Markus Boos.

Markus Boos.

Herr Boos, Dürrenäsch hat laut Gemeindefinanzstatistik das grösste Pro-Kopf-Einkommen im Kanton Aargau. Wie fühlt man sich als Ammann der reichsten Gemeinde?
Das Nettovermögen von 8285 Franken pro Einwohner freut mich natürlich. Man muss aber aufpassen: Steuergeld ist flüchtig. Zudem stehen wir mittel- und langfristig vor Investition von rund 13,5 Millionen Franken. Ohne den Ersatzneubau der Mehrzweckhalle, über den noch abgestimmt wird, bleiben immer noch 3,5 Millionen. Deshalb ist zu grosse Euphorie gefährlich.

Dürrenäsch hat nur 1200 Einwohnen, einen moderaten Steuerfuss von 85 % und ist idyllisch gelegen. Kommen nun mehr Neuzuzüger?
In den vergangenen Jahren hatten wir ein kleines Wachstum, was in den nächsten Jahren so bleiben wird. Das wenige Bauland ist in Besitz von eingesessenen Dürrenäschern, die keinen Grund für den Verkauf haben.

Warum geht es der Gemeinde Dürrenäsch denn finanziell so gut?
Wir haben in der Vergangenheit zurückhaltend gewirtschaftet und uns auf das Notwendige beschränkt. Zudem kommen wir in den Genuss von eklatanten Steuererträgen von drei Unternehmen im Dorf. Deren Anteil am Steuerertrag beläuft sich auf rund 17 Prozent.

Eine dieser Unternehmen ist die Bertschi AG. Das Transportunternehmen rechnet laut «Wynentaler Blatt» wegen der Euro-Schwäche mit grossen finanziellen Folgen. Rechnen Sie deshalb schon mit weniger Steuereinnahmen?
Wir gehen davon aus. Das Ergebnis einer Firma wie Bertschi, die auch stark im Ausland tätig ist, spüren wir im Steuerertrag. Unabhängig von der Euro-Schwäche erwarten wir von unseren Firmen tiefere Steuereinnahmen, weil 2014 grössere Investitionen getätigt wurden.

Dies sind die reichsten Gemeinden

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Kanton Aargau

Die Dürrenäscher haben zweimal Nein gesagt zum Ersatzbau der Mehrzweckhalle. Als Aussenstehender fragt man sich warum, denn es liegt ja viel Geld in der Kasse ...
Diese Frage höre ich immer wieder. Die Dürrenäscher sind nicht grundsätzlich verschlossen gegenüber Investitionen. Es gibt zwei Strömungen, die es auch in anderen Gemeinden bei grossen Projekten gibt: Die einen finden, der Bau sei zu teuer; andere sagen, man soll das so machen. Die 10 Millionen Franken sind viel Geld für Dürrenäsch. Der Bau umfasst nebst der Mehrzweckhalle aber auch Schulräume im Ober- bzw. Dachgeschoss; ist also quasi eine kombinierte Nutzung von zwei Gebäuden in einem. Das können wir finanzieren.

Wird Dürrenäsch nächstes Jahr die Rangliste der reichsten Gemeinden wieder anführen?
Ich denke nicht. Wir werden wohl auf den zweiten Platz zurückfallen, wo wir zuvor waren, oder auf den dritten. Das ist wie erwähnt abhängig von den Steuereinnahmen der juristischen Personen sowie von den Investitionen, die sich in der Gemeindekasse niederschlagen werden.