Seengen
Am Samstag schliesst Ludothek ihre Pforten für immer

An diesem Samstag wird der letzte Ludothek-Flohmarkt durchgeführt. Dann ist Schluss für immer. Der Grund für Ende: Die Spiele der Ludothek sind immer weniger gefragt. Und auch mithelfen wollten immer weniger Leute.

Margrit Rüetschi
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Die Seenger Ludothek bleibt künftig für immer geschlossen.

Die Seenger Ludothek bleibt künftig für immer geschlossen.

MR

Ist vor dem Seenger Schulhaus der Ludothek-Flohmarkt angesagt, herrscht immer gute Stimmung. Lustvoll in alten Sachen stöbern, einen mehr oder weniger wertvollen Fundus aus Grossmutters Zeiten oder einen Stapel Bücher ergattern, hebt die gute Laune und das Ganze ist erst noch für einen guten Zweck. Kinder dürfen wiederum mit ihren Decken aufmarschieren und ihre Spielsachen oder Bücher feilhalten, verkaufen oder tauschen.

Dennoch: Morgen Samstag ist alles anders und Wehmut ist vorprogrammiert. Diesmal wird die kunterbunte Vielfalt nämlich zum letzten Mal präsentiert. Nach fast zwanzig Jahren geht die Ära der Ludothek Seengen definitiv zu Ende.

Das Lokal, das von der Kinderkleiderbörse «Biene Maja» übernommen wird, ist geräumt, die restlichen Spielsachen sind fein säuberlich in Kisten verpackt. Sie werden am Samstag ebenfalls dem Publikum feilgeboten – zu erkennen an den Ludothek-Etiketten und farbigen Punkten.

Weniger Mitglieder, kaum Helfer

Die Ludothek Seengen erlebe seit rund fünf Jahren einen stetigen Rückgang an Mitgliedern und Ausleihen, war von den Verantwortlichen zu erfahren. Diesem Trend konnte auch mit verschiedenen Aktivitäten, etwa dem gemeinsamen Bemalen des Lokals, keine Abhilfe geschaffen werden.

Obwohl das Sortiment sehr breit und attraktiv gewesen sei und alle Altersgruppen, vom Krabbelalter bis zu Jugendlichen/Erwachsenen, angesprochen gewesen seien, wurden in den letzten Jahren kaum Neumitglieder gefunden. Auch die Suche nach Freiwilligen sei zusehends schwieriger geworden, weiss eine der «Ludinen», Karin Niffeler aus Meisterschwanden.

Insgesamt litt der Betrieb unter dem generellen Trend von «Kaufen statt Ausleihen» etwa über die Internetseite Ricardo oder ähnliche Anbieter. Dazu kommt die Tatsache, dass Videofilme, Computerspiele oder DVDs lieber «kostenlos unter der Hand» als über den Ludothek-Tisch den Besitzer wechseln.

Bekanntes Phänomen

Der Ludothekenschwund sei leider ein weitherum bekanntes Phänomen. Ludotheken seien deswegen aber noch lange nicht grundsätzlich out. Es gebe solche, die ihr Angebot rechtzeitig angepasst und die Krise gemeistert haben; mit Spezialangeboten oder Spielabenden, die den Geschmack des Publikums offenbar getroffen haben.

Leider war dies der Ludothek Seengen nicht gelungen, trotz entsprechender Bemühungen. Und bevor finanzielle Aspekte die Krise verschärft hätten, sei an der Generalversammlung im Juli 2012 die Schliessung der Ludothek Seengen, mit einem lachenden und einem weinenden Auge, beschlossen worden.

Flohmarkt als letzter Akt

Als letzter Akt findet morgen Samstag von 9 bis 13 Uhr auf dem Schulhausplatz der beliebte Flohmarkt statt.

Heute Freitag, von 18 bis 20 Uhr, werden vor dem neuen Schulhaus gut erhaltene Artikel zum Wiederverkauf entgegengenommen. Vergessenes Geschirr, Bücher, Nippes oder Kerzenständer sind wieder sehr gefragt; damit hilft die Bevölkerung der Ludothek, letzte Unkosten zu decken. Der übrig gebliebene Erlös fliesst einem wohltätigen Zweck zu (notleidende Familien in der Umgebung).