Lachend und jauchzend drehen sich die Kinder mit dem Karussell – unter den aufmerksamen Augen von Jakob Kretz. Sofort eilt er herbei, als ein Bub aufstehen will. «Absitzen!», ruft er.
Jakob Kretz aus Schongau weiss, wie das Karussell läuft. Seit 24 Jahren betreibt er am Seenger Herbstmarkt das «Aargauer Karussell», bemalt mit Motiven wie dem Schloss Lenzburg oder dem Kloster Muri.

«Wir haben insgesamt sieben Karussells, jedes mit Bildern eines anderen Kantons», sagt Kretz. Er ist zufrieden mit dem Geschäft, auch wenn es vor 24 Jahren besser lief. «Es geht uns immer noch gut», meint Kretz.

Salatschüsseln aus Bambus

Einige Stände weiter bietet Regula Thöni aussergewöhnliche Produkte an: Bambusschalen. In allen Farben und Grössen stehen sie da: Salatschüsseln, Fussbäder, Dekoschalen...

Regula Thöni erzählt, dass sie mit ihren exotischen Schalen an fast allen Märkten angenommen wird: «Niemand sonst hat Bambusschalen. Bei Schals und Schmuck sieht es ganz anders aus, deshalb verkaufe ich nun ausschliesslich Bambusschalen», sagt die Fusspflegerin aus Aesch.

Lustigerweise seien es oft die Männer, welche ihre Frauen zum Kauf überredeten: «Es sind Gegenstände, die es in jedem Haushalt braucht. Aber sie sehen speziell aus. Das wirkt bei den Männern extrem.»

Zur Herkunft der Schalen verrät sie nur so viel: «Sie werden in Vietnam hergestellt. Woher ich sie beziehe, bleibt aber mein Geheimnis.»

Marktrecht seit 1763

Thöni ist eine von 82 Markthändlern, welche an der Schulstrasse und der Oberdorfstrasse ihre Stände aufgebaut haben. Damit wird eine alte Tradition weitergeführt: Seit 1763 besitzt Seengen das Marktrecht.

«Das ist hier tief verankert. Deshalb möchten wir die lange Tradition unbedingt aufrechterhalten», sagt Marktchef Adrian Müller (43). Nicht ganz selbstverständlich, gehen doch die Besucherzahlen langsam, aber stetig zurück.

Am Bratwurst- und Cervelatstand gibt Metzger Marcel Gloor vom «Rebstock» Auskunft. «Leider kommen immer weniger Leute an den Markt», sagt er. Doch diesmal hofft er auf viele Besucher aus den katholischen Regionen, welche dank Allerheiligen frei haben.

Die Seenger lieben ihren Markt

Auch in Seengen findet heute kein Schulunterricht statt. Allerdings nicht wegen Allerheiligen, sondern traditionell dank des Marktes. Eva (11) freut sich über den freien Tag. Ob sie deshalb an den Markt geht? «Nein», sagt sie. «Wenn wir Schule hätten, wäre ich wohl nachher gekommen.» Dann ziehen Sophie (12) und Mirjam (10) ihre Freundin am Ärmel. Sie wollen weiter, um Süssigkeiten zu kaufen.

Auch René Mäder aus Seengen geht immer an den Markt. «Ich finde es schön, dass es in der Schweiz diese Markttradition gibt», sagt er und fügt an: «Es ist wichtig, dass die Leute den Markt unterstützen. Für mich heisst das: Eine Bratwurst essen und ein Säckli Magenbrot mit nach Hause nehmen, das hat Tradition.»