Das Flachmoor ist in eine zweite Zone übergeschwappt und liegt heute zum Teil in der Spezialzone und der Sperrzone. Diese Grenzüberschreitung ist der Auslöser einer Änderung des Schutzplans zum HSD auf dem Gemeindegebiet von Seengen.

Für das Dekret ist der Kanton zuständig, die Änderung liegt noch bis zum 19. Februar auf der Gemeinde Seengen auf. Hauptsächlich besteht diese Änderung in Umzonungen. Nicht überall sieht die Natur heute noch gleich aus wie 1986 und nicht überall macht die Zoneneinteilung noch Sinn. «Die geplanten Umzonungen orientieren sich an den effektiven Vegetations- und anderen Nutzungsverhältnissen», heisst es im Ausschreibungstext. «Die Vegetation des Moors reicht deutlich über die aktuelle Reservatszone heraus», sagt Thomas Egloff vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt, Abteilung Landschaft und Gewässer. Sie dominiere auch die Spezialzone, die vor drei Jahrzehnten geschaffen wurde, um die Badeanstalten am nördlichen Seeende erweitern zu können. Doch das sei für die Gemeinde keine Option mehr, sagt Egloff. Die Naturschutzzone soll erweitert werden und das gesamte Flachmoor umfassen. Die meisten betroffenen Parzellen gehören der Einwohnergemeinde Seengen.

Auch auf dem Weg vom Seeufer zum Schloss Hallwyl soll es zu einer Umzonung kommen. «Die verbuschten ehemaligen Riedwiesen am rechten Ufer des Aabachs wurden vor ein paar Jahren entbuscht und seither wieder als Streuwiesen genutzt», steht im Bericht zum revidierten Schutzplan. Eine Riedwiese ist eine andere Bezeichnung für Flachmoor. Einmal im Jahr wird dort gemäht und es entsteht ein Lebensraum für Pflanzen wie Orchideen, Wollgräser und Lungenenzian, der wiederum eine spezielle Falterart anzieht. Weil die Wiese wieder als Streuwiese benutzt wird, soll sie von einer Sperr- in die Naturschutzzone umgezont werden. 

Der Seeuferweg ab der Schiffsanlegestelle seeaufwärts liegt heute vor allem in der Sperrzone und teilweise in der Naturschutzzone. «Er kommt quasi als Nebenprodukt der Umzonungen neu vollständig in der Naturschutzzone zu liegen», sagt Egloff. Auf die Nutzung habe dies keinen Einfluss.

Der Sperrzonenstreifen entlang des Sees soll neu ebenfalls zur Naturschutzzone gehören. «Die heutige Trennung ist nicht nachvollziehbar», sagt Egloff. Mit der Änderung soll eine sinnvollere Zuteilung aufgrund der Vegetation, wie sie in anderen Gemeinden bereits bestehe, erreicht werden. «In Boniswil geht die Naturschutzzone auch bis an den See, es macht Sinn, dies in Seengen anzugleichen.» Das 1986 beschlossene Hallwilerseeschutzdekret löste die seit 1935 bestehende Seeuferschutzverordnungen ab. Die Schutzpläne zum Dekret wurde seither schon mehrmals angepasst. In Seengen gab es bisher nur eine Änderung betreffend die Spezialzone Hallwyl beim Schloss.

Der Schutz der Moore geht zurück auf die Rothenturm-Initiative aus dem Jahr, die im Dezember 1987 angenommen wurde. Das Flachmoor in Seengen ist im Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung eingetragen.