Lenzburg

Am 7. Dezember werden die Weichen gestellt: Will Lenzburg eine Kanti?

Lenzburg, im Vordergrund das Zeughaus-Areal.

Lenzburg, im Vordergrund das Zeughaus-Areal.

Die Ortsbürgergemeinde entscheidet jetzt, ob sie das Zeughaus-Areal überhaupt zur Verfügung stellen will.

Kaum jemals dürfte das Interesse in «Aarau» an einem Entscheid der Lenzburger Ortsbürgergemeinde so gross gewesen sein wie jetzt: Am Montag, 7. Dezember, werden in Lenzburg die Weichen gestellt: Die Ortsbürger legen an ihrer Wintergmeind fest, ob Lenzburg als Mittelschulstandort (in Konkurrenz mit Brugg/Windisch) weiterhin zur Debatte steht oder ob die Stadt sich möglicherweise gar selber vorzeitig aus dem Rennen nehmen will.

Konkret geht es darum, dem Stadtrat die Kompetenz zu erteilen, mit dem Kanton über das Zeughaus-Areal zur Realisierung einer Mittelschule in Lenzburg zu verhandeln. Dabei stehen folgende Optionen zu Auswahl:

1. Abgabe im Baurecht

Die Ortsbürger überlassen dem Kanton das Zeughaus-Areal (Parzelle Nr. 2554) für eine Dauer von 75 Jahren, zweckgebunden für den Bau einer Mittelschule. Dafür kassieren sie während dieser Frist vom Kanton einen Baurechtszins von jährlich 320000 Franken. Das entspricht einem Zinssatz von 1,042 Prozent auf einer Kapitalbasis von 30,705 Millionen Franken.

2. Verkauf der Parzelle

Die Ortsbürger verkaufen dem Kanton das Zeughaus-Areal für mindestens 30,705 Millionen Franken. Das entspricht einem Preis von 1500 Franken/m2. Im dritten Antrag sollen die Ortsbürger dem Stadtrat die Kompetenz erteilen, über die Realisierung der Vollmachten selbstständig zu entscheiden.

Ortsbürger-Beirat bevorzug die Lösung mit Baurecht

Unter Umständen könnte diese Frage gar zum Zünglein an der Waage werden. Zum einen existiert die kantonale Immobilienstrategie, welche den Kauf einer Miete vorzieht. Zum andern sieht der Stadtrat sich mit der Empfehlung des Ortsbürgerbeirats konfrontiert, welcher eine Abgabe der Parzelle im Baurecht einem Verkauf vorzieht.

Seine Haltung wird in der Vorlage so begründet: «Einem Verkauf steht der Beirat skeptisch gegenüber, lehnt diesen teilweise ab, da die Ortsbürgergemeinde mit einem Verkauf diese strategische Landreserve unwiederbringlich verlieren würde und der mögliche Verkaufspreis erheblich unter dem aktuellen Marktwert liegen würde.» Es ist das erste Mal, dass der Beirat seit seiner Schaffung vor zwei Jahren öffentlich in Erscheinung tritt.

Damit ist der Stadtrat nun in der Zwickmühle. Er möchte gegenüber dem Kanton den Verhandlungsspielraum nicht einengen. «Aus Sicht des Stadtrats werden die Chancen für einen Mittelschulstandort in Lenzburg erhöht, wenn dem Kanton neben der Einräumung eines Baurechts zusätzlich ein Verkaufsangebot für das Zeughaus-Areals unterbreitet werden kann», schreibt er in der Botschaft.

Der Stadtrat hält zwar fest, dass ein Baurecht für ihn ebenfalls «klar im Vordergrund» stehe, da die Ortsbürgergemeinde damit jährlich einen garantierten Ertrag verbuchen könne. Im Vergleich zum Beirat gewichtet der Stadtrat allerdings die bildungspolitischen, raumplanerischen Überlegungen sowie die Vorteile der Stadtentwicklung mit einer Kantonsschule im Zeughaus-Areal höher.

«Mit einer Mittelschule im Zeughaus-Areal gewinnt insbesondere das Quartier westlich des Bahnhofs deutlich an Attraktivität, in dem es einer identitätsstiftenden Institution Raum gewährt», schreibt er.

Budget der Ortsbürgergemeinde rechnet mit einem Minus

Voraussichtlich im ersten Semester 2021 wird der Regierungsrat festlegen, ob er Lenzburg oder Brugg/Windisch als zweiten neuen Standort für eine Mittelschule (nebst Frick) weiterverfolgen will. Das letzte Wort hat der Grosse Rat, das dürfte im Verlaufe des Jahres 2022 der Fall sein. Der Regierungsrat verlangt jedoch von den Bewerbern eine definitive Zusage, damit er seine Planung vorantreiben kann.

Im Gegensatz zu früheren Jahren ist die Ortsbürgergemeinde Lenzburg nicht mehr ganz so gut situiert. Zum zweiten Mal hintereinander wird ein Verlust budgetiert. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass der Kies nicht mehr so sprudelt wie einst, jedoch das Museum Burghalde einen beachtlichen Kostenblock darstellt. Mit 158600 Franken soll das Minus 2021 allerdings etwas tiefer ausfallen als im Vorjahr.

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