Lenzburg
«Alte Garde» ist keineswegs eingerostet

In der Schützengesellschaft wird die Kameradschaftspflege bereits seit 25 Jahren ausgelebt. Die Senioren der «Alten Garde» gehören jedoch noch lange nicht zum alten Eisen - sie beteiligen sich aktiv am Vereinsleben.

Heiner Halder
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«Danke höfeli» sagen die Sieger im Berner Kegeln, wenn sie von den Verlierern Fünfräppler bekommen. HH.

«Danke höfeli» sagen die Sieger im Berner Kegeln, wenn sie von den Verlierern Fünfräppler bekommen. HH.

Im Vergleich zur Muttergesellschaft, die sich um rund 550 Jahre auf die St. Wolfgangsbruderschaft zurückführt, ist die «Alte Garde» der Lenzburger Schützen noch sehr jung. Deren Mitglieder indes sind ausschliesslich im AHV-Alter.

Trotz ihrer Bezeichnung fühlen sich die Senioren indes noch keineswegs als zum «alten Eisen» gehörend. Viele ältere Semester sind nach wie vor an den Anlässen und Wettbewerben der Schützengesellschaft aktiv und höchst erfolgreich; einige von ihnen erzielten noch mit 80 Lenzen Höchstresultate oder errangen den Ehrentitel «Hosenmann», herausfordernde Vorbilder für den Nachwuchs.

Auch heute noch fliegen Kugeln

Zum Zweck der «Kameradschaftspflege im AHV-Alter» wurde anno 1986 die «Alte Garde» gegründet. Diese Untergruppe der Schützengesellschaft ist völlig autonom und hat weder Satzungen noch Reglemente, aber trotzdem eine straffe Organisation. Dafür sorgen Obmann, Säckelmeister und Adjutant, nicht von ungefähr «der Stab» genannt. Zum 25-Jahr-Jubiläum luden Hansruedi Weber, Roger Clémençon und Alfred Müller ins Cholerahaus auf die Schützenmatte ein, wo während 267 Jahren scharf geschossen wurde.

Auch heute noch fliegen rings ums alte Schützenhaus die Kugeln: Hinter dem Haus wird Pétanque gespielt, vor dem Haus, unter den alten Bäumen, das Berner Freikegeln gepflegt. Zur Feier des Tages wurde vom Obmann der Kegler-Gilde der Schützen, Felix Kieser, in das ebenfalls auf das Mittelalter zurückgehende Spiel eingeführt. Die Regeln sind kompliziert, dazu gehören der harte Boden, die besondere Anordnung des Ries, ein Zylinder und viele Fünfräppler, welche die Verlierer den Siegern entrichten müssen, die dafür «Danke höfeli» sagen.

Frauen sind willkommen

Als einziger noch lebender Gründervater blickte Ehrenobmann Leonhard Müller auf die ersten Jahre zurück. Im Vierteljahrhundert ihres Bestehens führte die Alte Garde 64 Exkursionen und Besichtigungen, 11 Vorträge und 30 Ehrungen durch, an welchen jeweils rund 20 bis 30 Mitglieder teilnehmen; regelmässig trifft man sich auch zum Stammtisch und andern gemütlichen Runden. Auch Frauen werden gerne in die Garde aufgenommen, nur fehlen dem Verein zurzeit noch die passenden Jahrgänge.