Hallwilersee
Alte Christbäume werden im Frühling im See versenkt

Der Fischerverein Hallwilersee schenkt Weihnachtsbäumen ein zweites Leben: Er versenkt sie im See, womit sie als Laichplatz für die Egli herhalten können. Die Bäume bleiben allerdings nicht ewig im See.

Janine Gloor
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Vor dem Versenken müssen die Bäume zugespitzt werden, damit sie im Seegrund stecken bleiben. Patrick Fischer

Vor dem Versenken müssen die Bäume zugespitzt werden, damit sie im Seegrund stecken bleiben. Patrick Fischer

zvg

Für die Egli im Hallwilersee kommt Weihnachten jeweils etwas später. Im Frühling platzieren die Mitglieder des Fischerverein Hallwilersee an drei Stellen Weihnachtsbäume auf dem Seegrund. Die Bäume dienen dem Flussbarsch, der in der Schweiz Egli genannt wird, als Laichplatz.

Der Phosphor, der mit dem Dünger in den See gelangt, begünstigt die Bildung von bodennahen Algen, in welchen der Egli seinen Laich legt. «Um jedoch den See gesünder zu machen, wurde der Phosphorgehalt gesenkt, wobei die Algen verschwanden», erklärt Martin Fischer, Vizepräsident und Brutobmann des Fischervereins.

Mit den Tannenbäumen als Laichplätze sorgt der Fischerverein nun dafür, dass die Egli nicht aussterben. Denn anders als Hechte und Felchen werden Egli nicht von den Fischern aufgezogen. Mit den Laichplätzen versucht man aber, ihnen eine möglichst gute Überlebensgrundlage zu geben. Der Egli legt seinen Laich in Schnüren um die Äste. So werden die Bäume noch ein zweites Mal geschmückt, bevor sie im Herbst wieder aus dem See geholt und endgültig entsorgt werden.

Richtiger Zeitpunkt ist wichtig

Für das Versenken werden die Bäume am Stamm zugespitzt und in eine sechs Meter lange Stange eingespannt. Mithilfe dieser Stange können die Bäume dann ohne die Hilfe von Tauchern in den Boden gerammt werden. Steht der Baum am richtigen Ort, wird die Stange gelöst und der nächste Baum versenkt. Die Tannenbäumchen müssen mehrere Monate lang fest im Seeboden stecken, der je nach Ort aus bis zu einem Meter Dreck besteht.

Der Zeitpunkt für das Versenken der Bäume ist wichtig. Werden die Bäume zu früh ins Wasser gelassen, verschlammen sie. Findet die Wasserung zu spät statt, werden sie von den Egli nicht mehr benutzt. «Egli laichen nicht jedes Jahr zur gleichen Zeit. Um den richtigen Zeitpunkt zu bestimmen, müssen Wassertemperatur und Witterung analysiert werden», sagt Fischer.

Schon in den Sechzigerjahren halfen Private so den Egli aus. Die Mitglieder des Fischervereins haben diese Praxis übernommen und versenken jedes Jahr in ihren Revieren Weihnachtsbäume, ohne dass sie dafür vom Kanton entlöhnt werden. Dennoch verzichtet der Verein auf das Fischen von Egli, diese werden den Rutenfischern überlassen.

Der Fischerverein hilft nicht nur den Egli, auch andere Fischarten werden nachgezüchtet und erhalten Unterstützung bei der Vermehrung. Für Martin Fischer ist klar: «Ein gesunder, phosphorarmer See ist den Fischern wichtig. Doch die Lebensbedingungen der Fische müssen gut im Auge behalten werden.»

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