Bezirksgericht Lenzburg
Als die Polizisten zur Grillrunde stiessen, kam es zur Eskalation

Eine gesellige Runde einiger Freunde verbrachte einen schönen Grillabend – bis zwei Polizisten auftauchten. Bei der Ausweiskontrolle artete die Situation aus. Am Donnerstag hatte sich das Bezirksgericht mit dem Fall zu befassen.

Ruth Steiner
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An einem Lenzburger Grillplatz beschimpften Grillfreunde zwei Polizisten, dann schlug einer mit dem Schlagstock zu. (Symbolbild)

An einem Lenzburger Grillplatz beschimpften Grillfreunde zwei Polizisten, dann schlug einer mit dem Schlagstock zu. (Symbolbild)

Keystone

Hans und Peter (Namen geändert) hielten an jenem Samstagabend nicht zum ersten Mal ihre Wurst über die Glut in der Feuerstelle in der Lenzburger Wilmatten. Regelmässig sass man in geselliger Runde im Freien, hatte es gemütlich und lustig, trank dazu ein Bier oder auch zwei.

Was sich jedoch an jenem 15. Juni 2013 zugetragen hat beziehungsweise die Folgen davon, können beide nicht verstehen. Den Strafbefehl, der sie wegen Gewalt und Drohungen gegen Behörden verurteilt, haben sie nicht akzeptiert. Deshalb standen sie nun vor dem Bezirksgericht.

Das ist in Kürze die Version des Vorfalls aus Sicht von Hans und Peter: Plötzlich seien zwei Beamte der Regionalpolizei in der geselligen Runde in der Wilmatten aufgetaucht, haben Personalausweise verlangt. Das gleich von Anfang an aggressive Auftreten der beiden Polizisten hätte sie aufgeregt, die Diskussion artete aus, führte zu verbalen Überreaktionen.

Schlötterlige wie «Arschlöcher» fielen an die Adresse der Beamten. Hans und Peter bestreiten jedoch, die Polizisten gar mit dem Tode bedroht und sie tätlich angegriffen zu haben, wie die Anklage ihnen vorwirft. Hingegen habe einer der Polizisten Peter ohne Vorwarnung mit dem Schlagstock in die Magengegend geschlagen.

Kein Vertrauen mehr in Staat

Doch dann macht Hans gleich zu Beginn der Verhandlung einen Rückzieher. Auf die Frage von Gerichtspräsidentin Eva Lüscher, weshalb er die Strafe nun doch akzeptiere, sagt Hans: «Ich habe das Vertrauen in den Rechtsstaat verloren. Dass Falschaussagen von Polizisten möglich sind, ist krass.» Er glaube, seine Chance, hier zu gewinnen, sei nur sehr klein. Deshalb habe er sich zu diesem Schritt entschlossen. So steht also nur noch Peter vor den Gerichtsschranken, Hans ist jetzt Auskunftsperson.

Hans sagt: Gleichzeitig mit ihnen habe eine zweite Gesellschaft den Grillplatz besetzt und etwas abseits gefestet. Offenbar sind die Polizisten von dieser Gruppe benachrichtigt worden, doch habe ihnen das niemand gesagt. Weshalb die Polizei gerufen wurde, war ihm ebenfalls schleierhaft. War allenfalls die laute Musik ein Grund? Hans schüttelt den Kopf, er kann sich heute noch keinen Reim machen darauf.

Kinder aus der andern Gruppe hätten kurz vorher noch mit dem Hund, den sie bei sich hatten, gespielt. Auf jeden Fall ist die verbal geführte Auseinandersetzung aus seiner Sicht erst dann so richtig eskaliert, als der Polizeibeamte Peter den Schlagstock in den Magen rammte.

Dem widerspricht der Regionalpolizist in seinen Aussagen: Unflätig sei Peter gewesen, habe seinen Aufforderungen nicht gehorcht, hätte sich nicht, wie befohlen, wieder an den Tisch gesetzt. Peter habe schlussendlich gar mit den Händen nach ihm gegriffen und ihn am Kragen gefasst.

In diesem Moment habe er Peter dann halt eines «zinggiert», ihm mit dem Mehrwegstock einen Schlag gegen die Hüfte versetzt, gibt er zu Protokoll. Zudem habe Peter mehrfach gedroht, ihn umzubringen, wenn er ihn einmal in der Freizeit antreffen sollte. Es sei egal, wenn er dafür ins Gefängnis komme.

Klage gegen Polizeibeamten

Peter ist 51 Jahre alt. Seine Lehre als Schlosser hat er nach zwei Jahren abgebrochen. Die IV-Rente wurde ihm nach neun Jahren gestrichen, weil sein Rückenleiden nach heute gültigen IV-Richtlinien nicht mehr als Krankheit gelte, sagt er. Deshalb lebe er nun hauptsächlich von der Sozialhilfe. Zudem habe er Schulden, wie viel, könne er jedoch nicht sagen. Vielleicht etwa 20 000 Franken.

Ja, er habe an jenem Abend getrunken, Bier und Wein. Ja, er sei sehr schnell auf 180, wenn er alkoholisiert sei. Gerichtspräsidentin Lüscher will wissen, weshalb er trotzdem auf der Einsprache beharre, wenn er doch den Tatbestand der Drohung gegen Beamte nicht bestreite.

Peter pocht auf sein Recht. «Was im Strafbefehl steht, ist zu happig für das, was vorgefallen ist.»

Trotzdem bespricht sich Peter anschliessend mit seinem Anwalt. Danach zieht auch er die Einsprache zurück und akzeptiert das Strafmass: Eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 30 Franken bedingt aufgeschoben auf eine Probezeit von drei Jahren. Die Busse beträgt 150 Franken.

Hans und Peter bekommen nun auch noch die Kosten für das Gerichtsverfahren aufgebürdet. «Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende», kommentiert der Anwalt die Entscheide seiner Klienten.

Für Hans ist die Geschichte zumindest vor Gericht damit abgeschlossen. Für Peter geht sie weiter: Er hat den Polizisten, der seinen Schlagstock gegen ihn eingesetzt hat, wegen Tätlichkeit eingeklagt.