Für ein Dorf mit rund 1200 Einwohnern sind Investitionen in der Höhe von fast 20 Millionen Franken eine grosse Herausforderung – auch wenn der Steuerfuss bei vergleichsweise tiefen 95 Prozent liegt. Der Gemeinderat von Dürrenäsch ist sich dessen nur allzu klar bewusst, doch die Schulrauminvestition ist dringend nötig: «In den nächsten Jahren muss gespart werden. Für 2019 wird ein Experte für Gemeindevermögenswerte herangezogen, wir wollen auch einen eventuellen Verkauf von Gemeindeliegenschaften berücksichtigen. Wir werden uns auch zusätzlich um Offerten zur Fremdfinanzierung bemühen. Und mittel- bis langfristig wird es nicht ohne Steuererhöhungen gehen», so Gemeindeammann Andrea Kuzma.

Die Kommission «Schulraum+» informierte die Bevölkerung über die Resultate des zweistufigen Gesamtleistungswettbewerbs. Bei diesem wurden die besten Projektvorschläge für die neue Mehrzweckhalle und das neue Schulhaus ausgewählt. Dem Souverän wurden drei Projekte vorgestellt: Der erste Vorschlag betrifft den Neubau der Mehrzweckhalle. Sie ist zu klein und entspricht nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben.

Das von der Kommission zum Sieger gekürte Projekt der BEM Architekten AG aus Baden würde inklusive Folgekosten rund 9,3 Millionen Franken kosten. Es sieht den Rückbau des Hauptgebäudes und eines anschliessenden Neubaus der Mehrzweckhalle vor. Der Gebäudeannex bliebe bestehen. Insgesamt wird die neue Holzkonstruktion mit Betonsockel etwas breiter, die Höhe bleibt aber dieselbe. Die zwei Vorschläge zum neuen Schulhaus kommen beide vom UNIT Architekten aus Hergiswil NW. Aufgrund einer Achterbahnfahrt von Abstimmungen und Entscheiden im letzten Jahr (die AZ berichtete) will der Gemeinderat dem Souverän zwei Varianten, eine mit und eine ohne Abbruch des Beck-Bertschi-Haus, unterbreiten. Beide werden, entgegen der 2017 gemachten Aussage des Gemeinderats, etwa gleich viel kosten: geschätzt 4,8 Millionen Franken inklusive Folgekosten.

Hinter das Haus

Im Projekt Schulerweiterung soll das neue Schulgebäude «versteckt» hinter dem Beck-Bertschi-Haus errichtet werden. Der links und rechts vom Althaus hervorschauende Neubau soll durch einen Gang auf der zweiten Etage mit dem Beck-Bertschi-Haus verbunden werden. Das alte Gebäude würde als Lehrerhaus verwendet und dementsprechend saniert und organisiert werden. Im neuen Schulhaus würden, auf zwei Stockwerken verteilt, insgesamt vier Schulzimmer gebaut. Das bisherige Schulhaus würde über ein Verbindungsdach mit dem Neuen verbunden werden.

Beim Schulneubau würde das Beck-Bertschi-Haus komplett abgerissen. Der Neubau würde allerdings etwa an selber Stelle wie sein Äquivalent bei der Schulerweiterung gebaut. «Bei Neubauten muss der Abstand von der Kantonsstrasse eingehalten werden», erklärt der zuständige Architekt Stefan Vonlanthen. Im Gegensatz zur Schulerweiterung wären alle Lehrerzimmer und Vorbereitungsräume im Neubau untergebracht. «Durch den Abriss des Beck-Bertschi-Haus konnten wir für zur Planung des Schulhauses auch anderes Material verwenden», so Vonlanthen. Das Gebäude würde als Systemholzbau gebaut werden. Die Planung des Schulhauses erfordert jedoch noch Änderungen. «Beide Schulhausprojekte waren finanzpolitisch nicht vertretbar», so Alfred Kohli von der für den Gesamtleistungswettbewerb zuständigen Kohli + Partner Kommunalplan AG aus Wohlen. Man einigte sich mit dem Architekten, dem Projekt mehr Zeit zugeben. Ende dieses Jahr wird der Gemeinderat weiter über die Projekte zum Schulhaus informieren.

Zuerst die Mehrzweckhalle

Wegen der finanziellen Lage können die Projekte sowieso nur nacheinander realisiert werden. « Obwohl grundsätzliche beide Projekte aufgrund der Dringlichkeit sofort realisiert werden müssten, entschieden wir uns, die Mehrzweckhalle zu priorisieren,» erklärte Gemeindeammann Kuzma. «Gründe dafür sind einerseits, dass das Projekt Schule noch nicht ganz so weit fortgeschritten ist, und andererseits wollen wir der Bevölkerung die zusätzlich geforderten Informationen liefern.» Sie betonte aber, dass beide Projekte zwingend realisiert werden müssen. Zusätzlich müsse mittelfristig auch das alte Schulhaus für rund 4,5 Millionen Franken saniert werden.

Ein Datum, wann die Bevölkerung über den Baukredit abstimmen kann, ist nicht bekannt. Der Gemeinderat plant, im nächsten Frühjahr anlässlich einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung dem Souverän den entsprechenden Antrag für einen Baukredit von 8,8 Mio. zur Abstimmung vorzulegen.