«Die Faszination Tanzen begleitet mich, seit ich denken kann», sagt Ruth Häusermann. Mit zwanzig Jahren liess sie sich als «Spätberufene», wie sie selber sagt, an der Ballettakademie in Zürich bei ihrer Lehrerin Herta Bamert im klassischen Tanz ausbilden. Tagsüber arbeitete sie in einem Büro, abends trainierte sie drei Stunden. Für eine Karriere auf der Bühne war es zu spät. Doch das Tanzen war mehr als ein Hobby für sie. «Und ich wollte meine Kenntnisse an Kinder weitergeben», sagt sie. Sie vervollständigte ihre Ausbildung mit Weiterbildungen in Anatomie, Kunstgeschichte und Pädagogik im In- und Ausland.

1981 eröffnete Ruth Häusermann, 71, in Lenzburg die erste Ballettschule und erhielt schon in der ersten Woche 50 Anmeldungen. Noch heute unterrichtet sie im gleichen Gebäude an der Bahnhofstrasse 16. Anfangen hat die Schule im Keller und «eine Lücke im musischen Angebot der Stadt geschlossen», wie die Zeitung zur Eröffnung berichtete. 38 Jahre später gibt es die Schule immer noch. Heute unterrichtet Ruth Häusermann in einem grossen hellen Raum im Parterre. Und ab nächster Woche werden in diesem Raum neue Tanzschritte geübt: Die «Tanzschule Ruth Häusermann» hat mit der «Tanz-Fabrik» von Sarah Heldner fusioniert.

Jungs zum Tanzen motivieren

Heldner betreibt Tanzstudios in Urdorf, Bremgarten und Winterthur. Mit der Fusion wird das Angebot der Tanzschule in Lenzburg erweitert. Neu kommen Tanzstile aus dem Bereich «Urban» dazu. Das heisst: Hip-Hop und Breakdance sowie Contemporary Jazzdance und Showdance werden künftig in Lenzburg angeboten. Am Sonntag ist an der Bahnhofstrasse Tag der offenen Tür. Von 10 bis 16.30 Uhr wird das neue Angebot vorgestellt. Um 17 Uhr gibt es einen Apéro und ein Showcase. Auf die Idee zur Fusion kam Häusermann nach dem Tanzprojekt «kopfüber», an dem Lenzburger Primarschulkinder mitgemacht hatten. «Die Kinder wollten nach dem Projekt weitertanzen», sagt sie. Häusermann stiess auf Sarah Heldner, die im Herbst 2018 in Winterthur ein Studio eröffnet hatte und weiter ausbauen wollte. Mit dem erweiterten Angebot hoffen Häusermann und Heldner, dass sich noch mehr Knaben vom Tanzunterricht angesprochen fühlen.

Ruth Häusermanns Herz schlägt noch immer für den klassischen Tanz. Bei der Ausbildung achtet sie auf alters- und anatomiegerechten Unterricht. «Ein deutlicher und klarer Aufbau ist sehr wichtig», sagt sie. Die Kinder arbeiten lange an der Basis. Es ist ihr auch wichtig, dass die Kinder den Bezug zum eigenen Körper bekommen. Häusermann zeigt einen anatomischen Malatlas, mit dem sie jeweils erklärt, wie der Körper funktioniert. «Selbst wenn der Tanz als Hobby betrieben wird, braucht es viel Disziplin und Energie», sagt sie. Bereits im Alter von zwei bis vier Jahren können Kinder zusammen mit den Eltern beim spielerischen Training «Contakids» mitmachen. Ob mit zwei oder zwanzig Jahren, Ruth Häusermann freut sich über alle, die den Zugang zum Tanzen finden. Ebenso darüber, dass sie in ihrem Studio nun Ballett und Urban zusammengebracht hat.