Egliswil

Abtretender Ammann wird Ehrenbürger – dabei verschlägt es ihm die Sprache

Rolf Jäggi und seine Partnerin Susanne Hächler freuen sich über die Bank.

Rolf Jäggi und seine Partnerin Susanne Hächler freuen sich über die Bank.

Mit Standing Ovations wurde Rolf Jäggi die Ehre zuteil: Am Freitagabend haben die Egliswiler ihrem scheidenden Gemeindeammann die Auszeichung verliehen. Und die Kommunalpolitik verliert einen leidenschaftlichen Kämpfer.

Seine Website war gestern Sonntag bereits aktualisiert: In fetten Lettern steht da geschrieben: Ehrenbürger von Egliswil. Am Freitagabend haben die Egliswiler ihrem scheidenden Gemeindeammann Rolf Jäggi diese Auszeichnung verliehen. «Das Ehrenbürgerrecht bedeutet für mich eine sehr grosse Ehre und grosse Anerkennung für meine geleistete Arbeit für das Dorf. Es erfüllt mich mit grossem Stolz, Ehrenbürger von Egliswil sein zu dürfen.» Jäggi ist der erste Egliswiler, dem diese Ehre zuteil wird.

Doch ganz so einfach liessen sie ihn dann doch nicht springen: An der letzten von ihm präsidierten Gemeindeversammlung haben die Egliswiler ihren Gemeindeammann Rolf Jäggi nochmals so richtig gefordert, bevor sie ihn am Versammlungsende mit einer Standing Ovation verabschiedeten (siehe separater Text).

Der sonst für seine markigen Worte bekannte Rolf Jäggi stand ganz einfach da, zufrieden lächelnd, und genoss den anhaltenden Beifall der Stimmbürger als Dank für sein Wirken zugunsten der Egliswiler Bevölkerung: 19 Jahre im Gemeinderat, davon deren 14 als Gemeindeammann. Ende Jahr ist Schluss mit der Lokalpolitik. 38 Gemeindeversammlungen hat er vom Gemeinderatstisch aus erlebt, bei 28 hatte er den Vorsitz.

Kämpferisch und mit viel Herzblut bei der Sache

In ihrer Abschiedslaudatio gab Vizeammann Gaby Dössegger ein paar kleine Geheimnisse aus der Egliswiler Ratsstube preis. Etwa, dass Rolf Jäggi in all den Jahren keinen Moment Zweifel aufkommen liess, wer der Chef im Hause sei. «Dass Rolf im Gemeinderatszimmer stets zuoberst am Tisch sass, war eine reine Selbstverständlichkeit.» Dössegger wand dem scheidenden Ammann ein Kränzchen nach dem andern. «Er hat viel Zeit und Herzblut in die Gemeindearbeit investiert», sagte sie. Jäggi habe die Dossiers gut gekannt, sei stets gut vorbereitet zu den Sitzungen erschienen. Kämpferisch und entschlossen es sei er gewesen. «Seine Überzeugung hat er respektvoll, aber mit einer unglaublichen Leidenschaft vertreten.» Dabei habe Jäggi sein Wissen stets bereitwillig mit den Gemeinderatskollegen geteilt. «Es war ein Vergnügen, mit dir zusammenzuarbeiten», schloss Dössegger.

Mit Rolf Jäggi verlässt eine vielschichtige Persönlichkeit die Kommunalpolitik. In den sozialen Medien ist er omnipräsent: Er postet aus dem Grossratssaal, zeigt sich gerne auch an der Seite neu gewählter und nationaler (SVP)-Politgrössen. Seine geposteten Bilder mit Sonnenuntergängen «aus dem schönen und sympathischen Seetalerdorf Egliswil» haben Kult-Potenzial. Im Chüjer-Mutz gekleidet zeigt er sich bodenständig und volkstümlich.

Mit 50 Jahren auf zu neuen Ufern

Seine heimliche Liebe gehöre dem Wald und dem Forst, verriet Gaby Dössegger am Freitagabend den Anwesenden. Davon zeuge nicht zuletzt seine langjährige Tätigkeit in der Forstkommission des Forstbetriebs Rietenberg: 14 Jahre, in den letzten beiden Jahren als Präsident. So liegt es auf der Hand, dass die Egliswiler ihrem Ammann zum Abschied eine Eichenbank aus dem Rietenberger Forst schenkten.

Dabei konnte sich Dössegger jedoch die Bemerkung nicht verkneifen, dass aktuell unklar sei, ob Jäggi tatsächlich Zeit finde, um mit seiner Partnerin Susanne Hächler auf dem Bänkli zu verweilen. In Anbetracht der jüngsten Medienberichte müsse man davon ausgehen, dass Jäggi auch in Zukunft die Zeit dazu fehlen könnte. Tatsächlich will es Rolf Jäggi wissen. Er hat sich vergangene Woche als möglicher Kandidat für die Nachfolge von Thomas Burgherr als Präsident der kantonalen SVP ins Gespräch gebracht (AZ vom Donnerstag). Auf Anfrage hatte Jäggi gesagt: «Ich stehe zur Verfügung, wenn die Partei mich will.»

In diesem Jahr ist Rolf Jäggi 50 Jahre alt geworden. Nun kehrt er der Kommunalpolitik den Rücken. Er versprach der Bevölkerung jedoch, sich auf kantonaler Ebene für die Egliswiler Anliegen einzusetzen. Seit 2017 sitzt er im Grossen Rat des Kantons Aargau. In den vergangenen beiden Jahren hat er sich zunehmend für parteipolitische Belange engagiert, war unter anderem Präsident der parteiinternen Findungskommission bei den letzten grossen Wahlen. Und jetzt strebt er nach höheren Weihen. Die Lust auf politische Arbeit ist bei Rolf Jäggi ungebrochen – wenn auch nicht mehr auf kommunaler Ebene.

Jäggis Nachfolger als Gemeindeammann von Egliswil wird Ueli Voegeli.

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