Dürrenäsch
Abtreibungsgegner wollen mit neun Doppeleinfamilienhäusern zu Geld kommen

Der christliche Verein "Weisse Kreuz" befindet sich mitten in der Reorganisation und hofft, sich mit dem Bau und der Vermietung von neun Doppel-Einfamilienhäusern in Dürrenäsch zukünftig besser finanzieren zu können.

Ruth Steiner
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Die Liegenschaft «Lindhübel 4» muss den neuen Doppeleinfamilienhäusern weichen.

Die Liegenschaft «Lindhübel 4» muss den neuen Doppeleinfamilienhäusern weichen.

Ueli Wild

Mit seinem Engagement gegen die Fristenlösung hat das Weisse Kreuz 1974 die Aktion «Helfen statt töten» ins Leben gerufen. Der Verein, der nach eigenen Angaben das «Gütesiegel für umfassende Arbeit in der christlichen Nonprofit-Arbeit» trägt, beriet und unterstützte jahrzehntelang in Not geratene schwangere Frauen und stellte ihnen nach Bedarf Wohnraum zur Verfügung.

Damit ist Schluss, der Verein hat diese Tätigkeiten Ende vergangenen Jahres eingestellt. «Die Umstände haben sich verändert. Es gibt andere Organisationen, welche sich ganz diesen Bereichen verschrieben haben und professionelle Strukturen anbieten», erklärt Bernhard Möri. Der ausgebildete Theologe ist seit sieben Jahren Geschäftsführer des Schweizerischen Weissen Kreuzes.

«Mit dem kulturellen Wandel haben sich die Aufgabenfelder und die Anforderungen an unsere Vereinsarbeit verändert.» – Bernhard Möri, Geschäftsführer

«Mit dem kulturellen Wandel haben sich die Aufgabenfelder und die Anforderungen an unsere Vereinsarbeit verändert.» – Bernhard Möri, Geschäftsführer

zvg

In Zukunft will das Schweizerische Weisse Kreuz auf der Basis christlicher Grundwerte breit gefächerte Aufklärungs- und Präventionsarbeit leisten und zwar für Erwachsene und Jugendliche. Die Ausbildung von Mentoren für Paar- und Beziehungsbegleitung sowie Aufklärung über Themen wie Freundschaft, Liebe und Sexualität gehören zu den Kernaufgaben, auf die man sich nun fokussiert. Man wolle unter anderem mit Schulen und Kirchgemeinden zusammenspannen, so Möri.

Über die künftige Ausrichtung des Vereins sagt der Geschäftsführer: «Mit dem kulturellen Wandel haben sich die Aufgabenfelder und die Anforderungen an unsere Vereinsarbeit verändert. Wir sind herausgefordert, uns immer wieder neu zu orientieren und unseren Auftrag neu zu definieren.»

Als zunehmende Last gestaltet sich die Finanzierung der gemeinnützigen Institution. Das mittlerweile auf 120 Vereinsmitglieder geschrumpfte Weisse Kreuz kämpft mit Ertragsproblemen. 90 Prozent der Einnahmen werden mit Spenden generiert, die übrigen 10 Prozent mit Dienstleistungen erwirtschaftet. Die Geschäftsstelle arbeitet mit 550 Stellenprozenten.

Neun Doppel-Einfamilienhäuser

Man will deshalb in Zukunft auf ein neues Standbein setzen, das dem Verein regelmässig Einnahmen in die Kasse spülen soll. Mit dem Projekt «Lindhübel» investiert das Schweizerische Weisse Kreuz in Immobilien. Es ist vorgesehen, in Dürrenäsch neun Doppel-Einfamilienhäuser zu bauen. Diese werden anschliessend vermietet. Die Anlagekosten belaufen sich auf 6,4 Millionen Franken.

Am 8. Mai hat der Verein das Baugesuch bei der Gemeinde Dürrenäsch eingereicht. Was die Finanzierung anbelangt, so gibt man sich beim Verein offen für allfällige Mitinvestoren. Man stehe Investoren, die an der Finanzierung des Projektes interessiert seien, für weitergehende Auskünfte zur Verfügung, schreibt der Verein in einer Mitteilung.

In den neun Doppel-Einfamilienhäusern entstehen 18 Wohneinheiten mit je 4,5-Zimmern. «Mit dem Projekt Lindhübel wird im schönen Dürrenäsch neuer Wohn- und Beziehungsraum für Menschen gebaut», heisst es im Projektbeschrieb. Dabei sollen wohl vor allem Familien mit Kindern angesprochen werden, wird doch die Familien- und Kinderfreundlichkeit des Projekts besonders hervorgehoben. Die Rede ist von «praktischen, familienfreundlichen Wohnungsgrundrissen».

Jede Einheit verfügt über ein Kellerabteil, ein Erd-, Ober- und Attikageschoss. Dadurch profitiere jede Mietpartei von einem eigenen Gartensitzplatz und zusätzlich noch von einer Terrasse. Die Überbauung «Lindhübel» kommt nahe des Dorfkerns zu stehen, unweit von Schule und Kindergarten, drei Minuten von der Bushaltestelle entfernt und dem öffentlichen Freibad in Fussdistanz. Die Zufahrt zu den Häusern erfolgt über die Sedelstrasse direkt in eine Tiefgarage.

Das Schweizerische Weisse Kreuz plant auf breiter Ebene eine Flucht nach vorne. Nebst der sich wandelnden Vereinstätigkeit und der Erschliessung neuer Ertragsquellen verlässt die Organisation auch den langjährigen Standort in Dürrenäsch.

Auf den kommenden August zügelt das Schweizerische Weisse Kreuz seine Geschäftsstelle nach Aarau und zwar in die Räume der Aarauer Coworking Genossenschaft. «Flexibilität und lokale Erreichbarkeit sind zunehmend wichtiger geworden. Mit dem neuen Standort sind unsere Mitarbeitenden zentraler und näher bei den Einsatzorten», erklärt Bernhard Möri.

Die Liegenschaft Lindhübelstrasse mit dem heutigen Sitz der Geschäftsstelle muss den geplanten neuen Häusern weichen. Das Haus Lindhübelstrasse 6 mit Mietwohnungen soll ebenfalls in das neue Projekt integriert werden.