Am 18. Mai stimmen die Stimmbürger von Meisterschwanden über die Vorlage Tempo 30 auf Quartierstrassen an der Urne ab. An der Gemeindeversammlung im letzten November war der Antrag mit 109 zu 69 Stimmen gutgeheissen wurden.

Ein aus der Deckung der Anonymität operierendes «Komitee gegen flächendeckendes Tempo 30» reichte fristgerecht ein mit 254 Unterschriften versehenes Referendum ein, das die Entscheidung dem Stimmvolk nochmals unterbreiten will. Nötig wären 189 Unterschriften gewesen.

Nachdem die Argumente des gegnerischen Komitees am 26. Februar unter dem Titel «Mehr Eigenverantwortung statt falsche Sicherheit» in der az dargelegt wurden, wollen Thomas Wengle, Jürg Schneiter, Matthias Urech und Marco Gertsch Gegensteuer geben. Das Quartett will dem Stimmvolk aufzeigen, was für die Einführung der reduzierten Höchstgeschwindigkeit auf den Quartierstrassen spricht.

Einschränkung der Freiheit?

Das Kreditbegehren von 150 000 Franken werfe kaum grosse Wellen, halten die Befürworter fest: «Die neue Höchstgeschwindigkeit von Tempo 30 auf sämtlichen Quartierstrassen der Gemeinde Meisterschwanden (das Tempo auf den Hauptverkehrsachsen bleibt unverändert) dagegen schon.»

Neue Verkehrsregelungen würden von vielen als «Einschränkungen der persönlichen Freiheiten» angesehen. Der Stimmbürger müsse zwischen «Komfort und lieb gewonnenen Gewohnheiten sowie Verkehrssicherheit und Wohnqualität wählen».

Ganz allgemein halten die vier Befürworter fest: «Strassen und Plätze sind seit je her ein wichtiger Teil des Lebensraums. Hier bewegen wir uns, hier spielen unsere Kinder, hier feiern wir im Sommer unser Quartierfest mit den Nachbarn.»

Mit dem stetig wachsenden Verkehrsvolumen stelle sich aber immer wieder neu die Frage, wer welches Anrecht auf den öffentlich zugänglichen Lebensraum habe. «Wie gefährlich darf der motorisierte Verkehr sein? Wie schützen wir exponierte Verkehrsteilnehmer, wie beispielsweise Kinder, ältere Personen, Fussgänger, Velofahrer und Tiere? Oder aber ganz grundsätzlich: Wie schaffen wir es, die Lebensqualität in Meisterschwanden und Tennwil deutlich zu verbessern?»

Handlungsbedarf wurde geortet

Die Gemeinde und die Verkehrskommission haben sich diesen Fragen gestellt und laut den vier Tempo-30-Verfechtern «einen deutlichen Handlungsbedarf identifiziert und diesen mit einem ausgewogenen Massnahmenpaket beantwortet». Dieser Vorschlag unter dem Titel «Tempo 30 auf Gemeindestrassen» sei an der letzten Gemeindeversammlung «mit deutlichem Mehr angenommen» worden.

Mit dem Referendum bezüglich Tempo 30 könne sich der Stimmbürger direkt dazu äussern, ob er mit dem heutigen Zustand zufrieden sei oder ob er, wie die Gemeindeversammlung und die Verkehrskommission, eine Verbesserung der aktuellen Situation wünsche.

«Sofern Sie als Bewohner von Meisterschwanden eine erhöhte Verkehrssicherheit und eine verbesserte Wohnqualität wollen, existiert mit dem Vorschlag der Verkehrskommission eine kostengünstige Lösung, welche ein Minimum an Einschränkungen mit einem Maximum an Nutzen kombiniert», schreibt das Quartett weiter.

Nur minime Einschränkungen

Im Detail werden diese drei Hauptargumente begründet. Gemeinden, welche mit alternativen Methoden versucht haben, die Verkehrssicherheit zu verbessern, seien sehr oft gescheitert und heute bei einem ähnlichen «Tempo-30-Konzept» wie Meisterschwanden gelandet: «Alternative Ansätze wie etwa Fahrverbote und bauliche Massnahmen waren wenig zielführend und verursachten bei den Betroffenen zwiespältige Reaktionen wie Klagen über unnötige Schikanen, Lärm, mühsamen Verkehrsfluss.»

Durch die «prekäre Situation in Meisterschwanden mit den engen Quartierstrassen und kleinen Sichtwinkeln» seien hier rein bauliche Massnahmen «nicht nur sehr schwierig umzusetzen, sie entschärfen die Verkehrssituationen auch nicht wirkungsvoll genug». Aus diesem Grund verzichtete der zur Abstimmung gelangende Vorschlag fast vollständig auf solch einschränkende Massnahmen und setze bei der Signalisationen auf «Qualität statt Masse». Damit sei garantiert, dass bereits nach einer kurzen Angewöhnungszeit die Massnahmen zu Akzeptanz und einem deutlichem Mehr an Sicherheit führen würden.

Der in Meisterschwanden zur Abstimmung gelangende Vorschlag berücksichtige die Kosten auf mehreren Ebenen, schreiben die vier Befürworter: «So reduziert der weitgehende Verzicht auf bauliche Massnahmen sowohl die Projektdauer wie auch die Kosten massiv. Auch die gemeindeweite Einführung von Tempo 30 (die ursprüngliche Absicht, Tempo 30 für jedes einzelne Quartier zur Abstimmung zu bringen, wurde aufgrund der Reaktionen an zwei Informationsveranstaltungen fallen gelassen) hilft, Kosten zu sparen.»

Gemäss dem Schreiben empfehlen renommierte Fachorganisationen wie die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) und Mobilservice ausdrücklich, Tempo 30 möglichst umfassend einzuführen, um Kosten zu sparen und die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen.

Kürzerer Bremsweg

Ist eine Geschwindigkeits-Reduktion von maximal 50 auf 30 Kilometer pro Stunde eine wirkungsvolle Massnahme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit? Diese nahezu rhetorische Frage lässt das Pro-Tempo-30-Quartett die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) mit «klar ja» beantworten: Die bfu hat in einer Studie von 2008 ermittelt, dass die Kollisionswahrscheinlichkeit bei Tempo 30 deutlich sinkt. Der um 47 Prozent reduzierte Anhalteweg (21,4 statt 40,9 Meter bei trockener Fahrbahn) und eine um 300 Prozent höhere Überlebenschance im Falle einer Kollision seien klare, sachliche Argumente für Tempo 30, «die uns überzeugen».

«Nach Abwägung der Vor- und Nachteile empfehlen wir den Stimmbürgern von Meisterschwanden, für die Vorlage mit dem flächendeckenden Tempo 30 zu stimmen», schliessen die Herren Wengle, Schneiter, Urech und Gertsch ihren Aufruf. Sie persönlich seien «gerne bereit, täglich ein paar Sekunden zu investieren, denn unsere Selbstverantwortung beginnt bei der Sicherheit und Wohnqualität derer, die sich nicht oder nur schlecht wehren können.»