In der Rechnung 2017 hatte das boomende Lenzburg beim Steuerertrag noch keinen Niederschlag gefunden. Der Abschluss 2018 zeigt nun ein anderes Bild: Die Einkommens- und Vermögenssteuern der natürlichen Personen stiegen um knapp eine Million Franken auf 28,5 Millionen Franken. Auch die übrigen Steuereinnahmen entwickelten sich erfreulich und fielen gegenüber dem Vorjahr allesamt höher aus. Die Aktiensteuern zum Beispiel legten um 0,6 Millionen Franken zu; sie betrugen 4,3 Millionen Franken. «Daraus resultiert eine Erhöhung der Steuerkraft pro Einwohner um 2,8 Prozent auf sehr gute 3081 Franken.» Finanzministerin Franziska Möhl zeigte sich an der gestrigen Medienkonferenz sehr zufrieden mit dem wachsenden Steuersubstrat. «Wir sind gut unterwegs. Tendenziell geht diese Zahl eher nach oben. Was die Steuerkraft anbelangt, gehört Lenzburg sicher zu den ersten 20 Gemeinden im Kanton», sagte Möhl.

Das wachsende Lenzburg (+392 Einwohner auf 10'570 Personen Ende 2018) zeigt offensichtlich Wirkung auf der Ertragsseite. Nebst der steigenden Bevölkerungszahl ist laut Möhl auch «die gute Konjunktur mit höheren Löhnen und Bonuszahlungen», ausschlaggebend für den höheren Steuerertrag.

Auch was das Betriebsergebnis anbelangt, zog Möhl ein positives Fazit. Das operative Ergebnis fiel besser aus als erwartet: Anstelle des budgetierten Verlustes von 1,3 Millionen Franken resultiert für 2018 ein Gewinn von gut zwei Millionen Franken.
Ein «Tolggen» in der Rechnung 2018 ist die Sozialhilfe. Sie fiel um 600'000 Franken höher aus als budgetiert und betrug 3,1 Millionen Franken. Mit der im vergangenen Jahr eingeläuteten Reorganisation der Sozialen Dienste und der Aufstockung des Personaletats geht man jedoch von einer Trendwende aus. Möhl betonte: «Wir erwarten, dass dieser Betrag nicht weiter steigt.»

112'306 Franken von Postauto AG

Das positive Betriebsergebnis sei dank höherer Einnahmen und der rigorosen Ausgabedisziplin der Verwaltung zustande gekommen, so Möhl. Man sei stolz über das Resultat. «Andere Gemeinden schreiben operativ rote Zahlen und kommen erst mit dem Finanzergebnis ins Plus», erklärte die Finanzministerin. Im Finanzvermögen zusätzlich enthalten sind die von Gesetzes wegen periodisch vorzunehmenden Wertberichtigungen auf Finanzliegenschaften und Finanzanlagen, was mancherorts zu markanten Buchgewinnen geführt hat.

Auch Lenzburg hat seine Immobilienanlagen im Wert von rund 15 Millionen Franken geprüft und ist zum Schluss gekommen, auf eine Höherbewertung zu verzichten. «Es ist ein kurzfristiges Denken, wenn man am Wert der Liegenschaften allzu sehr herumschraubt. Die Situation am Immobilienmarkt kann sich schnell wieder ändern», begründete Möhl die Haltung der Stadt. Man habe deshalb den Spielraum, den die gesetzlichen Grundlagen böten, ausgeschöpft und auf eine eher konservative Bewertung der Immobilien gesetzt.

Die Performance auf dem Verwaltungs- und Finanzvermögen betrug im letzten Jahr 4,7 Millionen Franken. Hier schlägt der Verkauf des Musikschulhauses mit 1,5 Millionen Franken zu Buche. Ein unerwarteter Zustupf in die Kasse gab es aus Bern: Die Postauto AG überwies Lenzburg 112 306 Franken.

Schulhaus und Strassen kosten

Mit dem Gesamtergebnis von knapp 6,7 Millionen Franken wurde das Budget um satte 346 Prozent übertroffen. Die Selbstfinanzierung beträgt 9,9 Millionen Franken.
Die Investitionsrechnung schliesst mit einem Betrag von 13,5 Millionen Franken. Budgetiert waren 9,5 Millionen Franken. Darin enthalten sind allein für die Sanierung des Schulhauses Bleicherain 11,7 Millionen Franken. Ebenfalls mit einem hohen Betrag zu Buche schlägt die erste Etappe der Sanierung Ringstrasse West. Um diese Investitionen zu tätigen, musste die Stadt sich neu verschulden. Als Folge davon sank der Selbstfinanzierungsgrad von 101,1 Prozent im letzten Jahr auf 73,8 Prozent. Die Nettoschuld pro Kopf stieg von 820 Franken auf 1107 Franken.

Trotz erfreulichem Geschäftsgang sieht Franziska Möhl keinen Grund, am aktuellen Steuerfuss von 105 Prozent zu schrauben. Die Finanzvorsteherin begründete dies mit den anstehenden Investitionen. «Das gute Ergebnis mag Gelüste nach einer Senkung des Steuerfusses wecken. Wir benötigen jedoch eine hohe Selbstfinanzierung, damit die Schulden nicht nach oben ausbrechen.» Im Finanzplan hat Lenzburg für die kommenden Jahre Bauprojekte von über 70 Millionen Franken vorgesehen. «Unser Ziel ist es, diese Investitionen mit einem unveränderten Steuerfuss zu stemmen», erklärte Möhl.