Beinwil am See

Aargauer wehrt sich gegen Substanzschutz: «Das Haus wird nicht erblühen, sondern unbrauchbar gemacht»

Urs P. Engeler vor dem Bauernhaus im Unterdorf von Beinwil am See. Es ist mindestens 200 Jahre alt.

Urs P. Engeler vor dem Bauernhaus im Unterdorf von Beinwil am See. Es ist mindestens 200 Jahre alt.

Urs P. Engeler wehrt sich dagegen, dass sein Bauernhaus in Beinwil am See unter Substanzschutz gestellt wird.

Er gehörte zu den renommiertesten Bundeshaus-Journalisten und ist für seine Hartnäckigkeit bekannt. Heute ist Urs P. Engeler im Pensionsalter, schreibt nur noch sehr sporadisch. «Jetzt bin ich zu 100 Prozent Haus-Verteidiger», sagt Engeler mit einem Augenzwinkern. Allerdings ist ihm nicht nach Lachen zumute. Schon gar nicht, seit ihn Beinwils Gemeindeammann Peter Lenzin lautstark vertrieben hat, weil er am 8. November vor der ­Gemeindeversammlung vor dem ­Löwensaal seine Flyer verteilt hatte. «Die haben mich richtig beschimpft», sagt Engeler. Eine Strafanzeige war ein Thema, wird nun aber wohl nicht eingereicht. Dafür hat Engeler eine Verfügung angestrebt, gegen die er nun rekurriert, damit rechtsgültig festgestellt wird, dass das Verteilen der Flugblätter legal war.

«Es stimmt nicht, dass ich die Liegenschaft vergammeln lasse»

Der Fall ist anspruchsvoll – wie so vieles im Zusammenhang mit der Revision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) in Beinwil am See (siehe Text am Schluss). Die Ausgangslage: Unterhalb des «Hexenwäldlis» (bekannt wegen seiner Krähen), also im Unterdorf von Beinwil, befindet sich eine Häusergruppe. An einer sehr schönen Lage oberhalb des Hallwilersees. Eines der Bauernhäuser gehörte der heute 99-jährigen Schwiegermutter Engelers. Seine Familie hat dort seit den späten Siebzigerjahren regelmässig Ferien und Wochenenden verbracht. Als ganzjähriges Wohnhaus ist das Gebäude wegen seines baulichen Zustandes nicht geeignet. Vor elf Jahren hat Engeler mit seiner Familie das Haus gekauft. Er selber wohnt in Bern.

Das Ensemble mit mehreren Häusern steht unter Ortsbildschutz. Engelers Gebäude ist schon bisher mit einem sogenannten Volumenschutz belegt. Das heisst, das Volumen des Baus muss ungefähr so belassen werden, wie es heute ist.

2016 begann aus Engelers Sicht das Unheil. Ein Experte des Kantons kündigte sich an, nahm einen Augenschein und seither läuft das Verfahren: Die Hälfte des Bauernhauses soll neben dem Volumenschutz neu auch unter Substanzschutz gestellt werden. «Das bringt für uns unverhältnismässige Einschränkungen», sagt Urs P. Engeler. Drei Viertel der Liegenschaft könnte nicht mehr bewohnbar gemacht werden, weil beispielsweise der Einbau von Fenstern oder Lukarnen ins Dach verboten wäre. Verunmöglicht würde auch der Ausbau des heute extrem schmalen Balkons mit seiner wunderbaren Seesicht.

«Man wirft mir vor, ich lasse die Liegenschaft vergammeln. Das stimmt so nicht», betont Engeler. Er habe konkrete Ideen für einen Ausbau. «Doch mit dem Substanzschutz wäre eine Renovation aus ökonomischen Gründen nicht mehr sinnvoll.»

Sogar das Baujahr des Bauernhauses ist umstritten

Die Situation ist, wie man sagt, «verchachlet». Das beginnt schon damit, dass man sich nicht einig ist, wie alt das Gebäude ist. Der kantonale Experte spricht von einem Barockbau aus dem 18 Jahrhundert. Engelers Gutachten nennt aufgrund von Quellenstudium als Baujahr 1820. Für Engeler ist klar: «Es ist ein stattliches Bauernhaus, aber architektonische Dutzendware.»

Er hofft, dass die Gemeindeversammlung den beantragten Inventareintrag rückgängig machen wird. Neben dem politischen wehrt er sich auf dem juristischen Weg. Er hat während der Auflagefrist im letzten Frühling Einsprache gemacht und will diese notfalls weiterziehen. «Ich bin nicht gegen Denkmalschutz, aber ich fordere einen Denkmalschutz mit Augenmass.» Der vielleicht gut gemeinte Schutz bewirke das genaue Gegenteil: «Das Haus wird nicht erblühen, sondern unbrauchbar gemacht.» Kommt der Substanzschutz, würde Engeler entweder verkaufen oder das Gebäude sich selber überlassen, bis bei einer künftigen BNO-Revision der Substanzschutz wieder aufgehoben wird. Das wäre in etwa 16 bis 20 Jahren.

Noch aber kämpft er für sein Bauernhaus an der Rankstrasse. Und das mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit –inklusive einer eigenen Homepage (denkmalschutzfrei.ch).

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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