ARA

Aargauer und Luzerner planen Kläranlage im Seetal für 40 Gemeinden – Kosten bei 140 Millionen

Der Hochdorfer Gemeinderat Roland Emmenegger (FDP) macht sich ein Bild von der ARA Hochdorf.

Der Hochdorfer Gemeinderat Roland Emmenegger (FDP) macht sich ein Bild von der ARA Hochdorf.

Im Seetal soll eine kantonsübergreifende Abwasserreinigungsanlage (ARA) entstehen. Und erste Studien zeigen auf: Die neue ARA Seetal bringt einen ökologischen Fortschritt – aber nicht nur.

Das Luzerner und das Aargauer Seetal wollen bei der Abwasserreinigung gemeinsame Sache machen. Die heutigen vier Anlagen Hochdorf, Moosmatten (Aesch), Hallwilersee (Seengen) und Langmatt (Möriken-Wildegg bei Lenzburg) sollen in einer neuen ARA Seetal in der Nähe des Wildegger Aareufers zusammengeschlossen werden.

Die Kosten betragen gemäss heutigem Stand rund 140 Millionen Franken. Diese werden von den anzuschliessenden Gemeinden über die Spezialfinanzierung der Anschluss- und Abwassergebühren – also ohne Steuergelder – bezahlt. Die ARA Seetal soll das Abwasser für zirka 40 Gemeinden, respektive für rund 180'000 Einwohner reinigen und ist Bestandteil des kantonsübergreifenden Entwicklungskonzepts (KEK) der beiden Kantone Luzern und Aargau. Personell arbeiten beim KEK je vier Vertreter der beiden Kantone.

Roland Emmenegger (FDP) ist sich bewusst:

Der Hochdorfer Gemeinderat und Ressortleiter Bau, Verkehr und Umwelt ist ebenfalls KEK-Mitglied. Doch es mache nicht nur ökologisch Sinn. Erste Studien hätten gezeigt, dass diese Variante wirtschaftlich äusserst interessant sei.

Phosphoreintrag erfährt starke Reduktion

Mit dem geplanten Projekt will man die Seewasserqualität im Seetal weiter verbessern. Denn durch den Zusammenschluss wird kein in den ARA gereinigtes Abwasser mehr in Gewässer eingeleitet. Das heisst auch: Es entsteht eine rund 30 Kilometer lange, abwasserfreie Gewässerstrecke durchs Seetal. Der Transport würde neu mittels separater Leitung erfolgen und die sogenannten Vorfluter dadurch nicht mehr tangiert. Hierbei handelt es sich im Seetal um die Ron, den Aabach sowie den Baldegger- und Hallwilersee. «Dieser Schritt trägt massgeblich zur Verbesserung des Gewässerschutzes und der Ökologie bei», erklärt Emmenegger, dem bei diesem Projekt eine federführende Rolle zukommt. Er spricht von einer Reduktion des Phosphoreintrags in den Baldeggersee um 10 Prozent, beim Hallwilersee seien es sogar 20 Prozent. «Diese Zahlen sind insofern interessant, weil die Phosphorbelastung durch die Überdüngung bei den beiden Mittellandseen seit Jahrzehnten ein Problem ist.»

Unvorhergesehenes könnte Knackpunkt bilden

Prunkstücke der neuen ARA Seetal sind die biologische Reinigungsstufe und die Stufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen. Diese vierte Stufe – auch MV-Stufe genannt – wird nach den neusten Anforderungen des Gewässerschutzgesetzes das Abwasser von Spurenstoffen aus Kosmetika, Medikamenten und weiteren komplexen Verbindungen reinigen. Zudem ist geplant, auch das Abwasser des Bünztals so behandeln zu lassen.

Ein Knackpunkt für das Projekt könnte allerdings sein, dass Unvorhergesehenes diese Summe noch erhöht. «So würde die Wirtschaftlichkeit zwar geschmälert, doch der ökologische Nutzen ist in jedem Fall gegeben», erklärt Emmenegger. Und weiter sagt er: Eine Abwasseranlage müsse spätestens alle 30 Jahre totalsaniert werden. Den Teilbereichen Elektromechanik und Steuerung attestiere man gar nur 10 bis 15 Jahre Lebensdauer. Bei einer Leitung im Boden habe man hingegen 70 bis 80 Jahre keine zusätzlichen finanziellen Aufwendungen.

Daraus folgert der Hochdorfer Gemeinderat: «Einen Franken in eine Leitung verbaut, ist länger investiert.» Zudem: «Je grösser die Anlage ist, desto mehr sinken die Kosten.» Der Skalierungseffekt bewirke, dass der Betriebsaufwand bei nur einer zentralisierten ARA tiefer sei. Zum Vergleich: «Würden alle vier Abwasseranlagen selber ausgebaut, müssten sie bis ins Jahr 2070 rund 220 Millionen Franken investieren. Mit der neuen Variante kämen die Ausbaukosten auf 140 Millionen Franken.» Das Sparpotenzial liegt also bei 80 Millionen.

Positive Signale aus dem Kanton Aargau

Momentan beschäftigen sich die Verantwortlichen vor allem mit zwei Herausforderungen. Zum einen gilt es im Aargau raumplanerische Fragen bei der Einleitung in den grossen Vorfluter (Aare) in Möriken-Wildegg zu klären. Für die Anlage, welche dort neu gebaut werden muss, ist eine Einzonung von Landwirtschaftsland in die Zone für öffentliche Bauten und eventuell eine Änderung des Richtplans notwendig. In diesem Zusammenhang hat der Aargau, wie Emmenegger sagt, positive Signale ausgesendet. «Der Kanton liess verlauten, dass das Projekt mindestens regionale Bedeutung hat und den richtplanerischen Anliegen, die Abwasserreinigung regional zu koordinieren, entspricht.»

Zum andern gilt es die Organisationsstruktur für einen gemeinsamen Abwasserverbund zu definieren. Jetzt folgt bei den Gemeinden die Vernehmlassung. Das ist wichtig, um auszuloten, was politisch umsetzbar ist, damit eine behördenverbindliche Absichtserklärung unterzeichnet werden kann.

Ziel: Start der Baurabeiten in fünf Jahren

Nächstens soll der Grundsatzentscheid über die Weiterführung des Projekts fallen. Dass dieser positiv ausfallen wird, daran zweifelt Emmenegger nicht. Bis 2024 dürfte das Volk in Möriken-Wildegg über die Einzonung entschieden und die Gemeinden darüber befunden haben, ob sie der neuen Organisationsstruktur beitreten wollen. Diese ist momentan noch nicht definiert. Stimmen alle beteiligten Gemeinden dem Baukredit zu, «sollte man in fünf Jahren mit den ersten Bauarbeiten loslegen können», hofft Emmenegger. Der Plan ist, etwa im Jahre 2040 mit Hochdorf die letzte ARA anzuschliessen.

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