Seit Herbst 2015 hat Jean-Claude Furegati eine Bewilligung für seinen Rettungsdienst im Aargau, seit dem 1. April dieses Jahres ist seine Alpha Medic auch an die Notrufzentrale angeschlossen. «Ich freue mich auf die gemeinsame Zukunft und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Notrufzentrale und anderen Rettungsdiensten», sagte er Ende März. Mit einer für den Aargau «einzigartigen» Ambulanz, ausgerüstet mit modernster Technik, werde man von Lenzburg aus operieren, hiess es damals.

Nun, weniger als zwei Monate später, krebst Furegati zurück. In einem Mail, das der az vorliegt, teilte Alpha Medic der Notrufzentrale vergangene Woche mit, dass die Ambulanz nur noch halbtags zur Verfügung stehe. «Der Verwaltungsrat hat nach Prüfung der Gegebenheiten (Anzahl Primäreinsätze/Alarmierungszeiten) entschieden, die Rettung mit sofortiger Wirkung auf 12 Stunden pro Tag zu reduzieren», heisst es darin. Alpha Medic generiere zu wenige Einsätze und es sei «betriebswirtschaftlich nicht weiter tragbar, während 24 Stunden an 365 Tagen für den Kanton Aargau zur Verfügung zu stehen».

Rettungen gewährleistet

Anja Kopetz, die Sprecherin des Gesundheitsdepartementes, bestätigt auf Anfrage, dass ein Mail von Alpha Medic eingegangen ist. Neben der Notrufzentrale seien der kantonsärztliche Dienst sowie die Stabsstelle Bewilligungen und Aufsicht informiert worden. Kopetz hält fest: «Grundsätzlich ist das Gebiet, in dem Alpha Medic tätig ist, durch die Rettung Aargau West abgedeckt, daher fehlen keine Kapazitäten.» Dasselbe sagt auch Andrea Rüegg, Mediensprecherin beim Kantonsspital Aarau. Das Spital betreibt im Auftrag des Kantons die Sanitätsnotrufzentrale und ist seit Frühsommer 2016 auch mit einem eigenen Stützpunkt in Lenzburg vertreten.

Doch darf Alpha Medic einfach seine Pikettzeiten halbieren? Kopetz erklärt: «Hat ein Rettungsdienst ein zugeteiltes Gebiet, darf er die Betriebszeiten nicht reduzieren.» Alpha Medic sei jedoch kein Gebiet fix zugeteilt, der Rettungsdienst stehe dem Kanton «als Rückfallebene zur Verfügung». Dennoch prüft das Gesundheitsdepartement nun, ob die Bewilligungsvoraussetzungen noch erfüllt sind, wie Kopetz sagt.

«Nur als Lückenbüsser»

Jean-Claude Furegati sagt, sein Rettungsdienst sei bisher «nur als Lückenbüsser berücksichtigt worden, wenn keine anderen Ambulanzen zur Verfügung standen». Seit dem 1. April seien bei Alpha Medic dadurch 120 000 Franken an ungedeckten Kosten aufgelaufen. «Es ist teuer, eine ständige Bereitschaft zu gewährleisten, wenn keine Aufgebote erfolgen», erklärt Furegati. Dabei habe es auch Fälle gegeben, «in denen unser Rettungswagen schneller beim Patienten gewesen wäre als das Fahrzeug von Rettung Aargau West, das in Aarau stationiert ist».

Deshalb habe Alpha Medic entschieden, künftig nur noch tagsüber zwischen 10 und 22 Uhr für Rettungseinsätze auf Pikett zu stehen. Furegati hält fest: «Bis heute wurden wir kaum zu Nachteinsätzen aufgeboten, mit den neuen Zeiten können wir mehr als 90 Prozent der bisherigen Einsätze weiterhin abdecken.» Er sagt weiter, der Kanton habe Alpha Medic in der Bewilligung die Auflage erteilt, eine 24-Stunden-Bereitschaft zu gewährleisten. «Das erscheint mir allerdings fragwürdig, wenn wir kein eigenes Einsatzgebiet zugeteilt bekommen.» Er betont, die Bewilligung für Alpha Medic sei nach wie vor gültig. «Und sollte der Kanton diese widerrufen, hätten wir die Möglichkeit, einen solchen Entscheid anzufechten», macht Furegati klar.