Umweltschädlich

Aargauer Gemeinden verbieten Kompost-Säckli – nun will auch der Kanton aktiv werden

Sorgt für Ärger: Kompost-Säckli.

Sorgt für Ärger: Kompost-Säckli.

Umweltschädlich: In und um Fahrwangen müssen die Bewohner umdenken. Weitere Kompostabnehmer wollen folgen.

Seit dem 1. Januar müssen die Bewohner von Fahrwangen, Meisterschwanden, Sarmenstorf, Seengen, Bettwil, Uezwil und Schongau (LU) auf die kompostierbaren Plastiksäckli verzichten. Das Verbot durchgesetzt hat der Verwerter ihres Komposts, der Reutmatthof in Fahrwangen.

«Das Problem ist, dass sich kompostierbare Plastiksäcke nur unter optimalen Bedingungen zersetzen», sagt Landwirt Adrian Rodel. Ideal wären mindestens 55 Grad während drei Wochen. Und die seien oft nicht gegeben. Deshalb mussten die Säcke bisher extra von Hand aussortiert werden, bevor die verwertbaren Bioabfälle am Feldrand zur Kompostierung ausgelegt werden. «Wir wollen die Qualität des Komposts erhöhen und dazu brauchen wir das Verbot», sagt Rodel.

Das habe nicht allen Gemeinden gefallen, eine habe wegen dem Säckliverbot damit gedroht, einen anderen Abnehmer zu suchen. Nach Gesprächen hat aber auch sie sich dafür entschieden, das Verbot zu unterstützen. Auch sonst ist Fremdmaterial im Kompost ein Problem: «Letztes Jahr mussten wir eigens eine Person einstellen, die Fremdgegenstände aussortiert. Im Kompost landet alles Mögliche: Normale Plastik- und Robidog-Säcke, SIM-Karten, Münzen, Unterhosen, BHs», schildert Rodel. Ebenfalls ein Problem sei klebrige Katzenstreu, die das Material bindet und konzentriert. Adrian Rodel ist nicht allein mit dem Verbot. Auch Schafisheim untersagt die Verwendung der Säckli. Und beim Werkhof Aarau heisst es: «Die Säckli sind in der Tat nicht gerne gesehen», so Leiterin Regina Wenk.

Kanton will aktiv werden

«Letztes Jahr wurde in verschiedenen Anlagen im Kanton der Anteil von Fremdstoffen im Kompost analysiert», sagt Tom Hofmann, kantonaler Fachspezialist Entsorgung. Wie schon vermutet, gebe es ein Problem mit relativ viel Fremdmaterial, das der Umwelt schadet, wenn es dem natürlichen Kreislauf zugeführt wird. Er spricht von erhöhten Grenzwerten, die gemessen worden sind. Welche Anlagen betroffen sind, kommuniziert der Kanton nicht. Aus der Branche heisst es, dass einige Kompostierungsanlagen die Anforderungen zumindest teilweise nicht erfüllen und ihre Erde eigentlich gar nicht aufs Land bringen dürften. Ein ähnliches Bild zeichnet das Bundesamt für Umwelt (Bafu), das in 20 Kantonen Kompostierungsanlagen inspiziert.

Letztes Jahr überschritt jede zehnte Kompostprobe die Anforderungen bezüglich Kunststoff, bei den Gärprodukten waren es gar 47 Prozent aller Proben. Noch ist die Angelegenheit Sache der Gemeinden, die etwa über die Abfallverordnung Einfluss nehmen können. «Es stellt sich allerdings die Frage, ob das reicht», sagt Hofmann. Der Kanton habe den Handlungsbedarf erkannt und werde weitere Schritte unternehmen. Was genau geplant ist, soll noch kommuniziert werden.

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Autor

Michael Küng

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