Sturm Burglind
Aargauer Förster: "Ich schicke meine Leute nur ungern in den Wald"

Nach Sturm "Burglind" ist Aufräumen angesagt. Förster Matthias Bruder vom Forstbetrieb Rietenberg sagt im Interview, warum Warnungen vor Waldspaziergängen nicht übertrieben sind, wie die Lage aussieht – und er verrät, ob ein Sturm auch Vorteile hat.

Janine Gloor
Merken
Drucken
Teilen
Matthias Bruder ist Betriebsleiter des Forstbetriebs Rietenberg.

Matthias Bruder ist Betriebsleiter des Forstbetriebs Rietenberg.

Lenzburger Bezirksanzeiger

Am Mittwoch ist der Sturm «Burglind» über den Aargau hinweggefegt. Verschiedene Gemeinden warnen am Donnerstag davor, sich im Wald aufzuhalten. Ist das eine übertriebene Vorsicht?

Matthias Bruder: Auf keinen Fall, diese Warnung kann ich nur unterstützen. Der Wind kann auch heute noch Äste herabfallen lassen oder gar ganze Bäume umstossen. Zudem kommt man an vielen Stellen gar nicht in den Wald hinein, da die Wege versperrt sind. Spaziergänger sollten sich Routen abseits des Waldes aussuchen.

Wie gross sind die Sturmschäden im Revier?

Ich war noch nicht im Wald und kann deshalb noch keine genauen Angaben zu den Schäden machen. Momentan schicke ich auch meine Leute nur ungern in den Wald, zudem haben wir genug damit zu tun, ausserhalb des Waldes aufzuräumen. Am Freitag werden wir damit beginnen, die Hauptverkehrswege im Wald freizuräumen.

So wütete Sturm "Burglind" in der Schweiz:

Das Waldstück bei Kestenholz wurde durch den Sturm «Burglind» arg in Mitleidenschaft gezogen.
26 Bilder
Das Waldstück bei Kestenholz wurde im Januar 2018 durch den Sturm «Burglind» arg in Mitleidenschaft gezogen.
So hat Burglind in Fulenbach gewütet
Ein Mann duckt sich vor einer grossen Welle in Vevey am Genfersee.
Auf dem Campingplatz Wiggerspitz in Aarburg verschob der Sturm Burglind eine ganze Reihe Wohnwagen, einen kippte er gar.
Dieser Lastwagen fiel «Burglind» zum Opfer. Er blockierte die Durchfahrt auf der Autobahn A1 Fahrtrichtung Bern zwischen Oensingen und Niederbipp.
Unwetterschäden Sturm Burglind Region Olten
Kein Bänkliwetter am Zugersee.
In Suhr stürzte ein Baugerüst um.
Aus den Gondeln der Pizolbahn in Bad Ragaz (GR) mussten mehrere Menschen evakuiert werden. Die Leitungen der Bahn waren von fallenden Bäumen getroffen worden.
In Münchenstein (BL) stürzten unter anderem Bauabschrankungen und ein WC-Häuschen um.
Zwischen Oensingen und Niederbipp kippte ein Lastwagen.
Wegen mehreren umgekippten Lastwagen war die A1 Fahrtrichtung Bern für zwei Stunden gesperrt.
Ein Baugerüst an einem Neubau in Littau (LU) landete am Boden.
Als sich "Burglind" verzog, bildete sich ein Regenbogen über dem Genfersee.
Acht Verletzte gab es bei einer Entgleisung der Montreux-Berner Oberland-Bahn in Lenk.
Zwischen Bremgarten und Wohlen fiel ein Baum auf ein Auto. Der Fahrer verletzte sich leicht.
In Full-Reuenthal hat "Burglind" die Linde beim Schulhaus gefällt. Sie galt hier als ein Wahrzeichen.
In Volksdorf (D) ist eine Windkraftanlage eingeknickt.
Baum auf Auto in Bern.
Ein Kleinflugzeug wurde auf dem Gelände der Ruag beim Flugplatz Buochs (NW) auf den Rücken gelegt.
Auf dem Wettsteinplatz brachte "Burglind" einen Weihnachtsbaum zum Kippen.
In Zug stürzte ein Anhänger auf ein Auto.
Auch in der Region Olten hinterliess der Sturm Spuren.
Zwischen Rünenberg (BL) und Gelterkinden (BL) wurde ein Fahrzeug der Feuerwehr von einem umstürzenden Baum getroffen und massiv beschädigt.
In Laufen (BL) fiel ein grosser Baum genau neben ein Haus. Dabei beschädigten die Wurzeln das angrenzende Trottoir und die Mauer des Grundstücks.

Das Waldstück bei Kestenholz wurde durch den Sturm «Burglind» arg in Mitleidenschaft gezogen.

KEYSTONE/CHRISTIAN MERZ

Wie sieht die Lage in den Dörfern aus?

Seit Mittwochnachmittag sind über zwanzig Aufträge zu umgestürzten Bäumen in Privatgärten und Schulanlagen reingekommen. Die Schulanlagen haben erste Priorität, damit am Montag der Unterricht durchgeführt werden kann. Wir haben auch Strassen freigeräumt, im Gegensatz zu anderen Gemeinden waren bei uns jedoch keine Hauptstrassen betroffen. Personen sind glücklicherweise keine zu Schaden gekommen.

Zur Person

Matthias Bruder ist Betriebsleiter des Forstbetriebs Rietenberg und damit zuständig für die Gemeinden Seengen, Egliswil, Dintikon, Hendschiken, Hilfikon und Villmergen.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie im Einsatz?

Wir sind sieben Leute. Eigentlich hätten wir erst am 8. Januar wieder angefangen, nun mussten wir die Ferien abbrechen. Doch das war absehbar.

Hat ein Sturm auch Vorteile?

Ein Sturm ist für die Waldbewirtschaftung nie von Vorteil. In kurzer Zeit geht viel Holz zu Boden, das auf den Markt muss. Dies ergibt auch für die Sägereien eine grosse Belastung. Für die Natur ist ein Sturm noch am ehesten von Vorteil: Der Wald verjüngt sich und durch die Löcher kommt mehr Licht an den Boden. Doch ein Sturm ist nie nachhaltig und macht vieles kaputt, wofür wir jahrelang gearbeitet haben.