Rupperswiler Rätselmorde
Aargauer Ermittler ändern Fahndungs-Flyer zum Vierfachmord

Auch im grenznahen Deutschland haben die Aargauer Ermittlungsbehörden den Fahndungsflyer verteilen lassen. Doch manche verstanden ihn nicht. Deshalb gibts für die Deutschen eine neue Version.

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Carla Schauer am Bancomaten der Hypothekarbank Lenzburg in Rupperswil am Tag ihrer Ermordung. Wenige Stunden später war sie tot.
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In diesem Doppel-Einfamilienhaus stiessen Feuerwehrleute bei einem Brand am Montagmorgen, 21. Dezember 2015, auf vier verkohlte Leichname.
Bei den Opfern handelt es sich um Carla Schauer (†48), ihre beiden Söhne (†13 und †19) sowie die Freundin des älteren Sohnes (†21). Dieses Bild vor dem Haus der Opfer wurde zirka 9 Tage nach der Tat aufgenommen.
Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht, die leitende Staatsanwältin Barbara Loppacher und Kripo-Chef Markus Gisin an der Medienkonferenz vom 18. Februar 2016. Sie informierten, dass am Tatort DNA-Spuren und Fingerabdrücke gefunden wurden.
Vierfachmord Rupperswil: Die Fakten
Der Fahndungsaufruf wurde in sieben Sprachen veröffentlicht.
Carla Schauer am Tatmorgen, während ihres Barbezugs am Schalter in der AKB-Filiale in Wildegg. Hier hob sie knapp 10'000 Franken ab.
Die Filiale der Hypothekarbank Lenzburg in Rupperswil im Gebäude rechts hinten, etwas vom Baum verdeckt. 1000 Euro in Hunderternoten hob Carla Schauer hier am Tatmorgen, um 9.50 Uhr, beim Bankomaten.
Die Lenzhardstrasse in Rupperswil, wo die Familie Schauer wohnte.
Die Feuerwehr rückte am Tatmorgen um 11.20 Uhr wegen des Brands zum Haus an der Lenzhardstrasse aus.
Einsatzkräfte fanden im Haus die vier verkohlten Opfer: Sie wiesen Stich- oder Schnittverletzungen auf. Die Täter hatten sie angezündet.
Roland Pfister, Medienchef der Kantonspolizei Aargau, informiert Medienschaffende nach der Tat.
Ein Grossaufgebot von Feuerwehr, Polizei und Ambulanz ist an der Lenzhardstrasse in Rupperswil im Einsatz.
Das Grossaufgebot von Polizei und Feuerwehr lockt auch zahlreiche aufgewühlte Anwohner an.
Vor Ort ermitteln Spezialisten der Polizei, Rechtsmediziner und Vertreter der Staatsanwaltschaft zum Brand und der Todesursache der Opfer.
Die Ermittler machen sich bereit, im Innern des Hauses die Spuren zu sichern.
Für die Ermittler ist Knochenarbeit angesagt: Ein Polizist leuchtet in einen Schacht.
Auch das Care-Team Aargau ist vor Ort.
Das Quartier, in dem das Verbrechen geschah.
Schüler und Anwohner stellen, als das Verbrechen bekannt wird, vor dem Haus der Familie Schauer Kerzen aufgestellt.
Schüler und Anwohner stellen, als das Verbrechen bekannt wird, vor dem Haus der Familie Schauer Kerzen aufgestellt.
Zwischen den Kernen finden sich persönliche Abschiedsbotschaften.
Blick auf das Dorfzentrum von Rupperswil.
Flugblatt statt Facebook: Die Polizei sucht direkt in Rupperswil nach Personen, die Auskunft zur Bluttat mit vier Toten geben können.
Neun Tage nach der Tat stehen nach wie vor viele Kerzen vor dem Haus der Opfer. Sie werden erst Wochen später weggeräumt.

Carla Schauer am Bancomaten der Hypothekarbank Lenzburg in Rupperswil am Tag ihrer Ermordung. Wenige Stunden später war sie tot.

Kapo AG

Es war eine Ansage an die Täter von Rupperswil: Der Kanton Aargau setzte an der Medienkonferenz vom 18. Februar eine Belohnung von 100'000 Franken aus. Dazu liessen die Aargauer Ermittler ihren Fahndungsaufruf in sieben ausländische Sprachen übersetzen.

Flyer wurden in Einkaufszentren aufgehängt oder etwa an ausländische Vereine verteilt. Auch im benachbarten Deutschland wurden die Flugblätter verteilt. Allerdings zeigte sich - etwa bei einer Umfrage von TeleM1 schon bald, dass die Deutschen Verständnisprobleme hatten.

Konkret glaubten die Deutschen, dass nach der Frau auf dem Bild gesucht wird. Doch bei dieser handelte es sich um Carla Schauer (†48), eines der vier Mordopfer.

Die Verwirrung kommt nicht von ungefähr: Ennet dem Rhein sorgte der Vierfachmord für weit weniger Schlagzeilen. So manche Deutsche haben noch nichts vom Verbrechen gehört, obwohl es sich doch gar nicht so weit von ihrem Lebensraum ereignet hat.

Mittlerweile haben die Aargauer Ermittlungsbehörden den Fahndungsaufruf aktualisiert. Unter dem Bild, das Carla Schauer kurz vor ihrer Ermordung beim Bargeldbezug in der AKB von Wildegg zeigt, findet sich nun eine Bildlegende. Dazu sind die Namen der vier Opfer rechts davon als solche explizit bezeichnet.

«Wir haben das Plakat präzisiert», bestätigt Fiona Strebel, Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft, den Sachverhalt gegenüber «Blick». «Damit auch für jene Menschen, die erst durch den Fahndungsaufruf von diesem schrecklichen Verbrechen erfahren, klar ist, dass es sich bei der Frau auf dem Bild und bei den vier Namen daneben um die Opfer handelt.»

Die unbekannten Täter brachten am 21. Dezember 2015 Carla Schauer und ihre beiden Söhne sowie die Freundin des älteren Sohnes um. Die Tat geschah im Haus der Familie. (pz)