Lenzburg

Aargauer Designer-Duo: Ihre Ideen entwickeln sie auf Post-it-Zetteln

Die Badezimmermöbel von Moritz Reich (vorne) und Luca Pibiri sind vielseitig verwendbar. Sibylle Haltiner

Die Badezimmermöbel von Moritz Reich (vorne) und Luca Pibiri sind vielseitig verwendbar. Sibylle Haltiner

Ein Betriebsökonom und ein Designer aus der Region Lenzburg arbeiten zusammen und kreieren auch mal Badezimmermöbel.

Zwischen Computer und Musterzeichnungen liegen Prototypen aus Styropor für ein Hightech-Messgerät. Im Gang ist eine Matratze zwischengelagert, daneben wartet ein Velorad auf seinen Einbau. Stichsäge und jede Menge Schraubenzieher stehen bereit, Nähmaschinen und sogar ein 3-D-Drucker.

Im Atelier Herosé in Aarau herrscht das kreative Chaos, das man in den Arbeitsräumen von Designern, Schneiderinnen und Produktentwicklern erwartet. Genau das richtige Umfeld für Luca Pibiri und Moritz Reich.

Wurzeln rund um Lenzburg

Etwas ungewöhnlich ist es schon, dass sich ein Ökonom und ein Designer zusammentun, aber genau das ist bei Pibiri und Reich geschehen. Aufgewachsen sind beide in der Nähe von Lenzburg, Luca Pibiri in Staufen und Moritz Reich in Brunegg. Kennen gelernt haben sie sich in ihrem Lehrbetrieb, wo Pibiri das KV absolvierte und sich Reich zum Automechaniker ausbilden liess.

Doch die zwei zog es nach der Ausbildung in einen anderen Bereich. Pibiri suchte mehr Kreativität und fand die gewünschte Herausforderung in der Werbebranche, Reich fing wieder mit dem Zeichnen an und besuchte den Gestalterischen Vorkurs. Beide verbindet, dass sie anschliessend ein Designmanagement-Studium in Erwägung zogen, der Werber entschied sich jedoch für Betriebswirtschaft, der Automechaniker fand seine Berufung im Industriedesign.

Aus ihren Abschlussarbeiten entstand das erste gemeinsame Projekt: Badezimmermöbel. «Wir wollten eine Sitzgelegenheit für das Badezimmer schaffen, die eine gewisse Flexibilität bietet», erklären sie. Tücher zum Trocknen aufhängen, Kleider bereitlegen. Auch das Berühren der Möbel und Accessoires soll angenehm sein, weshalb Holz und Porzellan die vorherrschenden Materialien sind. Man soll am Abend gerne seinen Schmuck oder die Uhr darauf ablegen.

Stolz sind Pibiri und Reich, dass sie als eine der Ersten eine freistehende Kollektion fürs Badezimmer gestaltet haben. Dass ähnliche Produkte jetzt auch bei Ikea angeboten werden, beweist ihnen nur, dass sie den richtigen Riecher hatten.

Design trifft Ökonomie

Vor eineinhalb Jahren haben sich der Werber und der Designer zur Pibiri & Reich GmbH zusammengetan und in Aarau das Atelier Herosé eröffnet, in welchem sie mit sieben weiteren jungen Kreativen arbeiten. Ihre Firma bietet designorientierte Dienstleistungen in den Bereichen Innovation und Produktentwicklung an. «Viele Unternehmer sehen Design nur als Ausgabeposten statt als Chance», erklärt Moritz Reich. «Erstaunlich», fügt Luca Pibiri, der Betriebswirtschafter, hinzu. «Dabei setzt sich Design mit Themen wie Benutzerfreundlichkeit, Kundenbedürfnisse oder Wirtschaftlichkeit auseinander.»

Die beiden Jungunternehmer lassen sich nicht gerne kategorisieren, so interveniert der Designer in Projekten auch mal mit einem Budgetargument oder der Wirtschafter mit einem gestalterischen Vorschlag. Ob es sich dabei um die Entwicklung eines Messgeräts oder eines Ausstellungskonzepts handelt, spielt für sie keine Rolle.

Luca Pibiri wohnt in Lenzburg, wo er den Kontakt zu vielen Kulturschaffenden schätzt und die Liebe zur Musik in seinem Engagement im Organisationskomitee des «Metschgplatsch» am Ende der Jugendfestwoche auslebt. Moritz Reich geniesst in seiner Freizeit das Handwerkliche, er haucht alten Rennvelos neues Leben ein oder restauriert einen Möbelklassiker.

Auch im kreativen Prozess bringt Reich das technische Know-how ein. «Da ich die Knackpunkte der neu entwickelten Konstruktionen sehe, bin ich manchmal eher bereit, einen Kompromiss einzugehen», meint der Designer. «Luca hingegen ist konsequenter und sucht immer weiter nach Lösungen.»

Auf der Suche nach Neuem

Die Nutzung ihres Ateliers Herosé in Aarau ist nur ein Intermezzo für die zwei kreative Köpfe. Im März müssen sie es verlassen und sind deshalb jetzt auf der Suche nach neuen Geschäftsräumlichkeiten. Eines ist jetzt schon sicher: Auch im neuen Atelier werden wieder Post-it-Zettelchen an den Wänden hängen. Darauf werden die beiden wiederum ihre Ideen sammeln, neue hinzufügen und sie so lange umgruppieren, bis das Konzept stimmig oder eine Projektidee geboren ist.

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