Aargau
Vom Freiamt über Meisterschwanden und Staufen bis nach Zurzach: Diese neue Firma stellt die Müllabfuhr in über 70 Gemeinden

Die Windischer Voegtlin-Meyer AG baut ihr Entsorgungsgeschäft massiv aus – und lagert es gleichzeitig in eine Tochtergesellschaft aus. Diese wird nun von einem 29-jährigen Mitarbeiter geführt, der sich finanziell am Unternehmen beteiligt.

Florian Wicki
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Die Voegtlin-Meyer AG gründet die Voegtlin-Meyer Entsorgung AG. Im Bild: Inhaber Martin Gautschi (links) und Sandro Graf, CEO Voegtlin-Meyer Entsorgung AG.

Die Voegtlin-Meyer AG gründet die Voegtlin-Meyer Entsorgung AG. Im Bild: Inhaber Martin Gautschi (links) und Sandro Graf, CEO Voegtlin-Meyer Entsorgung AG.

Alex Spichale

Man wolle neue Wege gehen und damit Firmengeschichte schreiben, sagte Martin Gautschi, Inhaber des ursprünglich auf Mineralöl- und Treibstoffgeschäfte spezialisierten Windischer Unternehmens Voegtlin-Meyer, am Donnerstag vor den Medien.

Und der neueste Weg führt tief in die kommunale Müllentsorgung. Darin betätigt sich das Unternehmen bereits seit über 60 Jahren in der Region Brugg, hat die Sparte in den letzten drei Jahren nach und nach ausgebaut. Und hat nun eine kolossale Tochtergesellschaft geboren, die Voegtlin-Meyer Entsorgung AG.

55 000 Tonnen Abfall pro Jahr oder 5200 Lastwagen

Darin aufgegangen sind die akquirierten Entsorgungssparten von gleich fünf Unternehmen: Es sind dies die Hürlimann Transport AG aus Bremgarten, die Hans-Meyer AG und die KOSAG aus Birr/Brugg, die Leisibach Entsorgung AG in Hochdorf LU sowie die Richner Transport und Handels AG in Schafisheim. Somit stellt die Voegtlin-Meyer Entsorgung AG, die am 1. Januar 2022 ihre operative Tätigkeit aufgenommen hat, die Abfallbeseitigung von über 70 Gemeinden im Kanton Aargau. Das heisst jährlich um die 55'000 Tonnen Abfall und Grüngut oder 5'200 LKW-Ladungen. Daneben bietet das Unternehmen mit 50 Fest- und Teilzeitangestellten und 16 Kehrichtfahrzeugen weitere Dienstleistungen wie etwa Hausräumungen oder einen Container-Wasch-Service an.

Erstmalig in der inzwischen 110 Jahre alten Geschichte von Voegtlin-Meyer wird eine Tochtergesellschaft als Joint Venture strukturiert. Und zwar zwischen Gautschi und dem Geschäftsführer der neuen und eigenständigen Aktiengesellschaft, Sandro Graf. Der 29-Jährige hält nun nach Plan die nächsten fünf Jahre lang 49 Prozent der Aktien der Tochtergesellschaft, Gautschi 51 Prozent, und danach beide je 50 Prozent.

Vor 15 Jahren als Lehrling dazugestossen

Gautschi und Graf kennen sich schon lange: Graf absolvierte 2007 die kaufmännische Ausbildung bei Voegtlin-Meyer und arbeitet seit da im Unternehmen; seit 2018 als Leiter Energie, Tanktechnik und Entsorgung in der Geschäftsleitung. Der Patron ist denn auch voll des Lobes über den jungen Aufsteiger: «Ich bin stolz und glücklich, dass ich nun einen Partner an meiner Seite habe, der die Entsorgung – ein wichtiges Standbein unserer Zukunft – massgeblich prägen wird, als Teilhaber wie als Geschäftsführer.» Daneben bleibe er ausserdem in der Geschäftsleitung der Muttergesellschaft und werde dort den Bereich Mineralöl weiter leiten.

Sie hätten zusammen schon viel Erfolg gehabt, fügt Graf an: «Ich hatte immer eine riesige Motivation, Teil von Voegtlin-Meyer zu sein.» Gleichzeitig habe er aber auch schon immer Unternehmer werden wollen, und dieser Wunsch sei immer grösser und stärker geworden. Es habe viel Zeit und Energie gebraucht, um heute hier zu stehen: «Umso schöner ist es, dass wir das nun zusammen schaffen, und ich freue mich auf die Zukunft.»

Verschiedene Projekte in der Pipeline

Graf hat nun einiges vor, wenn auch Wachstum derzeit nicht zum Plan gehört: «Wir haben nun eine Grösse erreicht, in der wir alle vorhandenen Skaleneffekte gut nützen, also zum Beispiel die Büro- und Administrationskosten auf die verschiedenen Fahrzeuge gut verteilen können.» Dafür ist wie vielerorts auch in der Entsorgung Innovation das Gebot der Stunde. Graf nennt als Beispiel den «Waschbär», einen selbst umgerüsteten Kehrichtwagen, der Container nicht nur leert, sondern gleichzeitig reinigt und desinfiziert. Inzwischen baue man bereits an einem zweiten solchen Wagen: «Die Nachfrage ist riesig – wir haben zu Beginn mit vielleicht etwa 100 Kunden gerechnet, und nach einigen Monaten haben wir bereits ein vielfaches davon.»

Oder auch die Leerung von Unterflurcontainern im städtischen Raum; da biete das Unternehmen seit diesem Jahr auch die Reinigung und Desinfektion der Einwurfstellen an. Graf erklärt: «Das Grundnetz ist eigentlich die kommunale Abfuhr – aber wir versuchen natürlich immer, der Kundschaft zusätzliche Dienstleistungen anzubieten. Da haben wir unser Potenzial noch nicht ausgeschöpft.» Später sollen folglich weitere – bis dato noch nicht spruchreife – Projekte aus der Pipeline folgen.

Das Unternehmen trägt den globalen Trends Rechnung

Mit der Abspaltung der Entsorgungsleistungen in eine eigenständige Firma will Voegtlin-Meyer die Wichtigkeit des Geschäftszweigs betonen, erklärt Inhaber Martin Gautschi. Natürlich brauche es die nächsten 20 Jahre mindestens auch noch Mineralöl, schmunzelt er, manche Produkte in diesem Bereich seien sogar besser als ihr Ruf. Und doch gehe die gesamte Entwicklung wie auch der globale Trend weg vom Öl – und diesem Umstand müsse man Rechnung tragen.

Neben der Entsorgung, dem Mineralölgeschäft und Tankreinigungen ist Voegtlin-Meyer ausserdem ein Postauto-Unternehmer, sprich, führt im Auftrag von Postauto Schweiz AG Fahrdienstleistungen für 14 Linien in der Region Brugg durch. Und schliesslich betreibt das Unternehmen noch über 30 Tankstellen in der ganzen Schweiz, zum Teil inklusive Tankstellen-Shop.

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