Lenzburg
A1-Zubringer Lenzburg: Ein Quartier protestiert gegen den Bus vor der Haustür

Der Kanton sprach von «geringem Widerstand» beim Projekt A1-Zubringer. Das sehen etliche Anwohner anders: Sie wehren sich gegen die Busführung durchs Quartier – und sind sauer auf den Kanton.

Ruth Steiner
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Gerhard Girmscheid (links) und Patrick Iseli zeigen, wo der Regionalbus von der Gexi- in die Othmarsingerstrasse einbiegen würde.

Gerhard Girmscheid (links) und Patrick Iseli zeigen, wo der Regionalbus von der Gexi- in die Othmarsingerstrasse einbiegen würde.

Chris Iseli

Die Pressemitteilung des Kantons zum Projekt A1-Zubringer ist den Anwohnern Patrick Iseli und Gerhard Girmscheid sauer aufgestossen. Im Communiqué hatte das Departement Bau, Verkehr und Umwelt Anfang Woche mitgeteilt, dass gegen das über 70 Millionen schwere Bauprojekt rund um den Knoten Neuhof während der öffentlichen Auflage nur «geringer Widerstand» erwachsen sei (az vom 15. Juli).

Es sind 11 Einwendungen eingegangen, 8 davon betreffen die Verlegung der Buslinie 393 der Regionalen Busbetriebe nach Mägenwil auf die Othmarsingerstrasse beziehungsweise die damit verbundenen baulichen Anpassungen. Zu diesen 8 Einwendungen gehört auch die Sammeleinwendung Iselis und Girmscheids.

Der Widerstand sei alles andere als gering, finden die Lenzburger Patrick Iseli und Gerhard Girmscheid. Die Mitteilung des Kantons verzerre das tatsächliche Bild: Die Bedenken gegenüber der Buslinienführung seien gross. «Wir vertreten mit der Sammeleinwendung die Interessen von nicht weniger als 129 Bewohnern entlang der Othmarsingerstrasse», sagen sie.

Gilt als eine Einwendung

Dass der Kanton die Sammeleinwendung jetzt als ein Geschäft behandeln wird, habe formellen Charakter, erklärt der beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt zuständige Projektleiter Marius Büttiker: «Es wurde ein Dossier mit 129-mal dem genau gleichen Begehren eingereicht. Das gibt ein Verfahren und führt zu einem Entscheid.»

Patrick Iseli und Gerhard Girmscheid sind vor rund sieben Jahren in das familienfreundliche Quartier an der Othmarsingerstrasse im Nordosten der Stadt gezogen. Die parallel zur verkehrsreichen Hendschikerstrasse verlaufende Quartierstrasse wurde oft als Schleichweg benutzt. Deshalb wurde sie mit einem Durchgangsverbot belegt und der Quartierverkehr mit künstlichen Bodenschwellen zusätzlich beruhigt.

Iseli und Girmscheid sehen diese Idylle nun gefährdet und haben deshalb die Nachbarschaft mobilisiert. Was ist passiert? «An der öffentlichen Informationsveranstaltung zum Bauvorhaben rund um den Autobahnzubringer und den Knoten Neuhof am 10. Juni wurde für die Buslinie 393 der Regionalen Busbetriebe nach Mägenwil eine neue Führung über die Othmarsinger- und die Gexistrasse präsentiert», sagt Iseli.

Damit soll der viermal stündlich verkehrende Regionalbus an der überlasteten Neuhofkreuzung vorbeigeschleust werden. Als Folge davon soll die Bushaltestelle Neuhof an die Othmarsingerstrasse verlegt werden.

Busstrecke widerspricht Vorlage

Die Projektänderung hat Iseli und Girmscheid auf den Plan gerufen. Ihres Erachtens steht der aktuell geplante Streckenverlauf des Busses auf diesem Abschnitt von Lenzburg nach Mägenwil im Widerspruch zur kantonalen Abstimmungsvorlage vom 3. März 2013. «Darin steht, dass der Bus mit einer bevorzugten Ampelregelung über den Knoten Neuhof geführt werden soll», so Iseli.

Er ärgert sich zudem darüber, dass die Anwohner nicht im Vorfeld über die geänderten Projektpläne informiert wurden. Sie sehen sich nun vor vollendete Tatsachen gestellt. Im Sinne eines lösungsorientierten Vorgehens, so Gerhard Girmscheid, habe man jedoch nicht einfach eine Einwendung deponieren wollen: «Wir haben unserem Dossier eine Skizze beigelegt, wie Bus und Individualverkehr, wie ursprünglich vorgesehen, über die Hendschikerstrasse und den Knoten Neuhof geführt werden können.»

Laut Girmscheid müsste dazu einzig an der Kreuzung Neuhof der Stauraum für die Dosierung des Verkehrs verlängert und bis hinter den geplanten Kreisel Horner in Richtung Hendschiken zurückverlegt werden. Somit würden nach seiner Ansicht genügend Puffer geschaffen, um den Bus auf einer separaten Spur und mit einer Vorzugssteuerung die Kreuzung passieren zu lassen.

Ihre Idee haben Iseli und Girmscheid bereits den Anwesenden an der Informationsveranstaltung unterbreitet. Die Reaktion der Kantonsvertreter habe sich in Grenzen gehalten, sagen sie. Ob diese Variante nun geprüft wird, könnten sie nicht abschätzen.

Die Haltung des Kantons sei klar, sagt Projektleiter Marius Büttiker: «Wir nehmen die Sammeleinwendung ernst. Den Vorschlag der Einwender für die Führung der Buslinie 393 werden unsere Spezialisten für Verkehrsplanung prüfen.» Die Behörden der Stadt Lenzburg wollten sich dazu nicht äussern. Das Geschäft liege derzeit beim Kanton, sagt Stadtrat Martin Steinmann.