Wer auf der Umfahrungsstrasse in Lenzburg an der Baustelle für den neuen Autobahnzubringer vorbeifährt, wird sich fragen, wie es wohl tief in der Grube unten aussieht, wie weit der Tunnelbau ist und welche Arbeiten bei diesem Grossprojekt noch anstehen. Am Samstag hatte man die Gelegenheit, sich alles vor Ort anzusehen. Am «Tag der offenen Baustelle» konnten die Besucher in den Tunnel hinabsteigen, über die Rampe Richtung Horner wandern und an verschiedenen Informationsposten Wissenswertes über den Baufortschritt erfahren.

Zu Fuss durch den Tunnel

Marius Büttiker, Sektionsleiter Strassen II des Departements Bau, Verkehr und Umwelt sowie Gesamtprojektleiter, freute sich über die vielen Besucher und das grosse Interesse. «Jetzt ist eine gute Gelegenheit, die Baustelle zu zeigen, weil der Tunnel zu zwei Dritteln fertig ist», meinte er. Gutes Schuhwerk war vorgeschrieben, um über die steilen Leitern in die Baugrube hinunterzukommen. Dort konnte man sich von den Dimensionen des Tunnels beeindrucken lassen: zehn Meter breit, fünf Meter hoch. Die Tunnellänge beträgt 360 Meter, dazu kommen die zwei Rampen von insgesamt rund 300 Metern. «Die Rampe Richtung Autobahn ist kürzer und steiler als die andere, weil wir vor der SBB-Linie wieder oben sein müssen», erklärte Büttiker.

Ein Blick auf das Ostportal des Tagbau-Tunnels, der zu zwei Dritteln fertig ist.

Ein Blick auf das Ostportal des Tagbau-Tunnels, der zu zwei Dritteln fertig ist.

Kürzere Etappen in der Kurve

Den staunenden Besuchern erläuterte der Gesamtprojektleiter den Ablauf im Tunnelbau. Pro Woche werden 15 Meter betoniert. Jetzt, wo sich die Bauarbeiten in der Kurve befinden, sind es noch siebeneinhalb. Immer am Donnerstag wird betoniert, über das Wochenende kann der Beton aushärten. Am Montag wird ausgeschalt, Dienstag und Mittwoch die neuen Schalungen erstellt und am Donnerstag wieder betoniert.

Dies geschieht an drei Orten: Das Fundament-Bauteam ist an der Spitze, dahinter werden die Wände erstellt, die Tunneldeckenbauer, die mithilfe einer hohen Eisenkonstruktion, des sogenannten Schalwagens arbeiten, folgen hinterher. «Die drei Bauteams halten sich strikt an den Wochenplan», betonte Büttiker. 15'000 Kubikmeter Beton werden für den Tunnelbau gebraucht. Die Tunneldecke ist 90 Zentimeter dick, schliesslich muss darüber wieder der Schwerverkehr rollen können.

Trockenheit erfordert Flexibilität

Eine Herausforderung für die Bauarbeiten stellt das Parkhaus der Berufsschule dar. Es stösst direkt an die Baugrube. Auch die Trockenheit im letzten Jahr verlangte der Bauleitung einiges an Flexibilität ab. Da eine Wasserleitung, die stellenweise in unmittelbarer Nähe der Baustelle verläuft, nicht wie vorgesehen abgestellt werden durfte, konnten die Arbeiten an der Rampe Richtung Horner nicht lückenlos fortgesetzt werden, sodass nun ein Zwischenstück fehlt, das zu einem späteren Zeitpunkt erstellt werden muss.

Marius Büttiker zeigte sich trotzdem erfreut über den Baufortschritt. «Alle ziehen am gleichen Strick, das gibt ein gutes Produkt», stellte er fest. Das insgesamt 75,35 Millionen Franken teure Strassenprojekt soll Ende 2021 fertig sein. «Zurzeit sieht es so aus, dass wir sowohl zeitlich schneller sind, wie auch das Budget unterschreiten werden», erklärte Büttiker zufrieden.