Rupperswil
91-jähriger Rupperswiler erhält Ehrenbürgerrecht

Er weiss, welche Familie «Köbiruedi» genannt wurde oder wer dafür sorgte, dass 1874 in Rupperswil die ersten Sodbrunnen gebaut wurden. Traugott Berner, Dorfchronist, Gründer des Dorfmuseums und Mitinitiator des Altersheims Länzerthus, hat sich wie kaum einer um sein Heimatdorf verdient gemacht. Am 5. Juni wird ihm das Ehrenbürgerrecht verliehen.

Sibylle Haltiner
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Traugott Berner sitzt auf dem Kachelofen im Dorfmuseum. Den Bauern «läschelte» er viele Geräte und Museumsstücke ab.

Traugott Berner sitzt auf dem Kachelofen im Dorfmuseum. Den Bauern «läschelte» er viele Geräte und Museumsstücke ab.

Sibylle Haltiner

Er weiss, welche Familie «Köbiruedi» genannt wurde, wie der Spycher beim Dorfmuseum an seinen Platz kam und wer dafür sorgte, dass 1874 in Rupperswil die ersten Sodbrunnen gebaut wurden. Traugott Berner, unter anderem Dorfchronist, Gründer des Dorfmuseums und Mitinitiator des Altersheims Länzerthus, kennt sein «Robischwil» wie kein anderer und hat sich wie kaum einer um sein Heimatdorf verdient gemacht. An der Gemeindeversammlung vom 5. Juni wird ihm deshalb das Ehrenbürgerrecht verliehen.

Im 92. Altersjahr steht Traugott Berner und erzählt aus seinem Leben so anschaulich, als wären die Episoden erst gestern geschehen. Gerne hätte er nach der Matura Medizin studiert. Sein Vater, ein Huf- und Wagenschmied, eröffnete ihm jedoch, dass dieses Ansinnen die finanziellen Verhältnisse der Familie übersteigen würde. So entschied sich der junge Traugott für eine juristische Verwaltungslehre. «Aus Trotz», wie er heute sagt. 1945 kam er auf die Rupperswiler Gemeindeverwaltung. In einem katastrophalen Zustand sei diese damals gewesen, berichtet Berner. 40 Jahre lang ist er geblieben, war unter anderem Steueramtsvorsteher, Einwohnerkontrollführer und Zivilstandsbeamter.

Zu seinen frühen Arbeiten gehörte das Aufräumen des Archivs. «Alle Dokumente waren einfach aufeinandergestapelt», erzählt Berner, der beim Sortieren der Unterlagen alles las, was ihm in die Hände kam. So eignete er sich ein grosses Wissen über Rupperswil an, beispielsweise über die Dorf- und Zunahmen, mit welchen die ortsansässigen Geschlechter Berner, Hediger, Richner und Zobrist unterschieden wurden. «Säu Danielen» heisst sein eigener Familienstamm. «Aber nicht, weil wir ‹Sauniggel› waren, sondern weil unsere Vorfahren so begütert waren, dass sie selbst in Hungerzeiten Schweine halten konnten», berichtet Traugott Berner.

Viel Zeit und Herzblut steckte Berner in den Aufbau des Dorfmuseums (neben stehender Kontext). Das «Geisse-Emmi», eine Schwägerin seiner Gotte, hat auf seine Veranlassung hin ihr Haus der Gemeinde vermacht, womit die perfekte Lokalität für das Museum gefunden war.

Doch nicht nur die Vergangenheit des Dorfes beschäftigte Traugott Berner, sondern auch seine Zukunft. So setzte er sich in den 60er-Jahren dafür ein, dass Rupperswil ein Altersheim bekam, und überzeugte den Landbesitzer, den damaligen Gemeindeammann, dem Trägerverein das Grundstück zu einem erschwinglichen Preis zu überlassen.

Dass er dereinst selbst dort wohnen würde, konnte sich Traugott Berner damals nicht vorstellen. Nach dem Tod seiner Frau Dora im Jahr 2000 war dieser Schritt jedoch unumgänglich. Der passionierte Jäger und Maler hat aber auch im hohen Alter noch einiges vor. Schriften über das «Geisse-Emmi» und seine Jagdhunde sind bereits verfasst. Weitere Texte, zum Beispiel «Über das Alter und das Altersheim» oder «Robischwil einst und heute», warten «in seinem Gürbi», seinem Kopf, auf die Niederschrift.

Lange Zeit kümmerte sich Traugott Berner um das Dorforiginal Emma Wiederkehr, genannt «Geisse-Emmi». Zum Dank wollte sie ihm ihr Haus schenken, doch Berner schlug vor, dieses der Gemeinde zu vermachen, um darin das Dorfmuseum anzusiedeln. Schon vorher hatte Berner den Rupperswiler Bauern alte Geräte, Trachten und Haushaltsgegenstände «abgläschelet», mithilfe von Pensionierten restauriert und in gemeindeeigenen Räumen eingelagert. 1984 wurde das Museum eröffnet. Der ältere Hausteil, gebaut 1740, wurde mit den von Berner gesammelten Gegenständen eingerichtet, der Anbau aus dem Jahr 1800 beherbergt eine Dokumentensammlung mit alten Fotos und Unterlagen über das Dorf. Der daneben stehende Spycher wurde 1999 mit einem Kran an seinen heutigen Standort gehievt.

Jedes Jahr ergänzt eine Sonderausstellung die ständige Sammlung. Besonders in Erinnerung geblieben ist Traugott Berner das Thema Wasserversorgung. Lange Zeit bezog die Dorfbevölkerung das Wasser aus dem Bach. Viele wurden krank davon, bis im Jahr 1874 der damalige Pfarrer den Bau von Sodbrunnen anregte. «Er selbst soff aber wie ein Loch und wurde abgewählt», weiss Berner über den Pfarrherrn zu berichten.

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