Lenzburg/Seon
830000 Franken: Für die Wildtiere wird ein Durchlass gebaut

Kollisionen zwischen Autos und Wildtieren sollen zwischen Seon und Lenzburg reduziert werden. Der Kanton baut in den nächsten Wochen einen Kleintierdurchlass. Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf 830000 Franken.

Fritz Thut
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An dieser Stelle zwischen Lenzburg und Seon wird in gut zwei Monaten ein Kleintierdurchlass die Kantonsstrasse und die Seetalbahn unterqueren.

An dieser Stelle zwischen Lenzburg und Seon wird in gut zwei Monaten ein Kleintierdurchlass die Kantonsstrasse und die Seetalbahn unterqueren.

Pascal Meier

Die für beide Seiten unliebsamen Kollisionen zwischen Fahrzeugen (Autos und Zug) und Wildtieren sollen zwischen Seon und Lenzburg reduziert werden. Etwa 50 Meter nördlich des Ausstellparkplatzes baut der Kanton in den nächsten Wochen einen Kleintierdurchlass.

Die Vorarbeiten mit der Abholzung in der Vorzone des Durchgangs beginnen am nächsten Montag. Die Rodungen werden vom Forstbetrieb Lenzia ausgeführt; punktuell gibt es dabei möglicherweise Verkehrsbehinderungen.

Auf der Westseite des geplanten Korridors müssen einige kleine Fichten, auf der Ostseite einige grössere Bäume gefällt werden. Da es sich hier um eine Naturausgleichsmassnahme handelt und am Schluss das Gebiet wieder als Wald bezeichnet wird, sind keine Ersatzaufforstungen nötig.

Der geplante Wildtierkorridor zwischen Lenzburg und Seon.

Der geplante Wildtierkorridor zwischen Lenzburg und Seon.

az

Kosten von 830 000 Franken

Kommen die weiteren Vorbereitungsarbeiten wie geplant voran, sollen die Tunnel-Fertigelemente gemäss dem zuständigen Kreisingenieur Manuel Baldi am Wochenende vom 2. bis 4. Oktober verlegt werden. Da dies im Tagbau passiert, wird die Strecke Seon–Lenzburg zwischen Freitag und Sonntag für jeglichen Verkehr gesperrt; auch die Seetalbahn ist davon betroffen.

In den beiden Vorzonen, die sich je rund 15 Meter von Strasse und Bahntrassee weg erstrecken, erfolgt anschliessend die «Möblierung», wie es Ingenieur Baldi bezeichnet. Mit Holzhaufen und andern Massnahmen soll den Tieren der Weg zur sicheren Traversierung der Verkehrswege gewiesen werden. Man rechnet mit der Inbetriebnahme des Tier-Tunnels Ende Oktober. Der Kostenvoranschlag für das Bauwerk beläuft sich gemäss Baldi auf 830 000 Franken.

Von nationaler Bedeutung

Der Durchlass unter Strasse und Bahn zwischen Seon und Lenzburg ist nach der Fertigstellung Bestandteil des Wildtierkorridors AG 8. Dieser ist von nationaler Bedeutung und verbindet den Jura mit dem Reusstal, dem Sihlwald und dem östlichen Bereich der Zentralschweiz. Wildtierkorridore sorgen für einen verbesserten genetischen Austausch zwischen Beständen.

Gedacht ist der Durchgang für Baummarder, Iltis, Hermelin, Mauswiesel, Dachs, Fuchs, Feldhase, aber auch für Reptilien und Amphibien. Für Rehe ist der hier vorgesehene Tunnel gemäss Stefan Meier von der Abteilung Landschaft und Gewässer des kantonalen Baudepartements «eher zu klein».
Der neue Kleintierdurchlass ist der zweite dieser Art im Bezirk Lenzburg. Seit 2009 gibt es beim Schloss Hallwyl unter der Kantonsstrasse einen Durchgang. Hier verzeichnet man gemäss Stefan Meier «erste Erfolge». Mit technischen Mitteln hat man verschiedene Tiere, unter anderem Biber und Iltisse, festgehalten.