Der Zwischenfall gibt in Hunzenschwil zu reden: Vor einer Woche rastete ein Bordell-Betreiber aus, weil Kindergärtler und Primarschüler auf der Bahnhofstrasse mit ihren Geisseln klöpften. Sie pflegten eine alte Tradition: Seit Anfang November lassen in der Region Lenzburg die Chlausklöpfer ihre Geisseln knallen. Sie wollen damit den Samichlaus wecken.

Ein Hunzenschwiler Bordell-Betreiber (es handelt sich nicht um den Besitzer des Erotik-Klubs «Glamour Girls») hat für diesen Brauch wenig Verständnis: Er beschwerte sich mehrmals bei den Kindern. Dann eskalierte es: Der Mann riss laut Nachbarn einem elfjährigen Mädchen die Geissel aus der Hand. Das Kind verletzte sich leicht am Kopf.

Eine Geissel mit vielen Unterschriften

Das Verhalten des Bordell-Betreibers, dessen Haus in der Mitte der Bahnhofstrasse liegt, stösst vielen Hunzenschwilern sauer auf. Am Mittwochabend trafen sich deshalb etwa 80 Einheimische auf der Bahnhofstrasse und liessen ihre Geisseln knallen.

«Wir sind hier aus Solidarität mit dem Mädchen», sagte ein Hunzenschwiler. «Die Schülerin vertritt eine alte Tradition, die in der Region Lenzburg wichtig ist. Wir wollen nicht, dass sie deswegen vor dem Mann Angst hat.»

Ein Teilnehmer sagte auch: «Der Bordell-Besitzer soll spüren, dass das Geisselklöpfen zum Dorf gehört und er das Problem ist. Nicht die Kinder.»

Angestossen hatte die Aktion Philippe Sutter. Er kontaktiere Freunde, Kollegen und Bekannte über Whatsapp-Gruppen. «Ich habe bewusst auf Facebook verzichtet, um die Kontrolle nicht zu verlieren», sagte Sutter am Mittwochabend.

Am Nachmittag hatte Sutter mit knapp zwei Dutzend Hunzenschwilern gerechnet. Offenbar sprach sich die geplante Aktion trotzdem schnell um: Kurz nach 19:30 Uhr waren es über 50 Personen. Und ständig kamen noch mehr Geisselklöpfer dazu, darunter Familien und viele junge Erwachsene. Insgesamt machten schätzungsweise rund 80 Hunzenschwiler an der Protest- und Solidaritätsaktion mit. Der Bordell-Betreiber zeigte sich nicht.

Am Schluss des Geisselklöpfens, des durch ganz Hunzenschwil hallte, überreichte Philippe Sutter dem Mädchen eine Geissel. Diese hatten die Teilnehmer der Aktion unterschrieben. «Die Solidarität ist überwältigend», sagte die Mutter der Primarschülerin. Sie bedankte sich bei der Gruppe – und fügte an: «Meine Tochter braucht jetzt eine Weile, um das alles zu verarbeiten.»