Rupperswil
8 Stunden lang flogen die Späne: Rupperswil hat jetzt einen Pinocchio

Jacques Stauber ist jetzt stolzer Besitzer eines Pinocchios. Sein Garten am Rupperswiler Drosselweg wurde Schauplatz einer aussergewöhnlichen Aktion, als der gelernte Schreiner Lukas Senn aus einem Baumstrunk einen Pinocchio fertigte.

Ramona Patt
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Um 8 Uhr morgens begann Lukas Senn mit seiner Arbeit. Er entfernte die Rinde, schnitt den oberen Teil des Stammes ab und formte diesen in stundenlanger Arbeit zur Skulptur. Um 17.15 Uhr lächelte der Rupperswiler Pinocchio fertig lackiert in die Runde. «Die Nachbarn kamen in Scharen, um sich das Spektakel anzusehen», sagte Jacques Stauber. «Jetzt muss ich sofort meine Kinder anrufen.»

Hier entsteht der Rupperswiler Pinocchio: Der gelernte Schreiner Lukas Senn (links) und Auftraggeber Jacques Stauber vor dem Baumstrunk am Drosselweg.
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Hier entsteht der Rupperswiler Pinocchio: Künstler Lukas Senn sägt, was das Zeug hält.
Zeitraffer: So entstand der Rupperswiler Pinocchio
Hier entsteht der Rupperswiler Pinocchio: Nach 17 Uhr ist das Werk vollbracht.
Hier entsteht der Rupperswiler Pinocchio: Nach 17 Uhr ist das Werk vollbracht.

Hier entsteht der Rupperswiler Pinocchio: Der gelernte Schreiner Lukas Senn (links) und Auftraggeber Jacques Stauber vor dem Baumstrunk am Drosselweg.

Pascal Meier

Auch Staubers Frau konnte noch keinen Blick auf die Skulptur erhaschen. Sie hatte die Idee, aus dem Baumstrunk einen Pinocchio anfertigen zu lassen.

Es begann mit Vaters Motorsäge

In Rupperswil gibt es neben dem Pinocchio noch weitere Kunstwerke von Lukas Senn, selbst Rupperswiler. Er hat für den Freianglerverein eine Forelle und für das Schützenhaus einen Handschlag gefertigt. Senns Arbeiten sind beliebt: «Ich bin in Verzug», sagte er. Es gebe Kunden, die seit über einem Jahr auf ihre Skulpturen warten.

Erste Erfahrungen mit der Schnitzkunst machte der heute 22-Jährige während der Schreinerlehre - und zwar mit Vaters Motorsäge. Das Hobby nahm ein so grosses Ausmass an, dass er sich 2011 nach der Lehre selbstständig machen konnte.

Die Ideen für Skulpturen kommen ihm selbst, oder dann bringen die Kunden Wünsche an. Heute führt Lukas Senn pro Woche zwei Privataufträge aus und fertigt zusätzlich Ausstellungsstücke an - alles Unikate. «Ich bin noch nicht so weit, wie ich es gerne wäre», sagte Senn. Er stehe noch am Anfang seiner Selbstständigkeit.

Kann auch mit Worten umgehen

Neben Holz und Säge hat Lukas Senn eine andere Leidenschaft: das Schreiben. Er hat das Buch «Briefe an Anna» veröffentlicht. Zurzeit arbeitet er an einem Fantasyroman, der Ende Jahr fertig werden soll. «Wenn ich schreibe, ist es das Gleiche, wie wenn ich eine Skulptur gestalte.»