Lenzburg
560 Tonnen Baumaterial: Tour de France kommt Aargauer Firma im Wallis in die Quere

Die Lenzburger Firma Lebag AG errichtet derzeit zwischen Martigny und dem Lac d’Émosson im Wallis eine neue Hochspannungsleitung. Das bedeutet: 560 Tonnen Baumaterial müssen im Gebiet zwischengelagert werden. Und dieses Material kommt ausgerechnet der Tour de France in die Quere.

Markus Christen
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Die Firma Lebag bei der Installation einer Hochspannungsleitung.

Die Firma Lebag bei der Installation einer Hochspannungsleitung.

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Die Tour de France rollt durch die Schweiz. Nach der 16. Etappe vom Montag mit Zieleinfahrt in der Stadt Bern steht für heute die Bewältigung der 185 Kilometer langen Strecke von Bern zum Walliser Stausee Lac d’Émosson auf knapp 2000 Metern über Meer auf dem Tour-Programm.

Am Streckenrand als Zuschauer das Radrennspektakel geniessen wird auch Daniel Stutz.

Es ist der Aufmerksamkeit des Geschäftsführers der Leitungsbaufirma Lebag aus Lenzburg zu verdanken, dass im letzten Moment ein schwerwiegender Platzkonflikt mit der Organisation des weltgrössten Radrennens verhindert werden konnte.

Denn die Lebag AG errichtet derzeit in Arbeitsgemeinschaft mit der Schwesterfirma Eduard Steiner AG zwischen Martigny und dem Lac d’Émosson eine neue Hochspannungsleitung.

Als Lager- und Montageplätze für insgesamt 560 Tonnen Baumaterial für 14 Leitungsmasten hatte die Auftraggeberin Swissgrid ursprünglich mehrere Ausweichstellen auf eben jenen Strassen vorgesehen, die heute von den rund 150 Velorennfahrern und dem zugehörigen, riesigen Begleittross befahren werden.

Die 16. Etappe von Bern nach Finhaut-Emosson

Die 16. Etappe von Bern nach Finhaut-Emosson

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Heikle Situation zufällig realisiert

«Ich bin sehr froh, dass wir die Interessenkollision noch rechtzeitig bemerkt haben», sagt Daniel Stutz. «Das hätte sonst ein Fiasko gegeben.»

Realisiert habe er die heikle Situation vor ein paar Monaten eher zufällig. «Beim Lesen eines Zeitungsartikels über die Tour de France habe ich mich gefragt: Wie wollen die das denn machen, wenn unser Material gleich bei der Strecke lagert?»

DIe Karte der 16. Etappe von Bern nach Finhaut-Emosson

DIe Karte der 16. Etappe von Bern nach Finhaut-Emosson

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Bei einer anschliessenden Besichtigung der Ausweichplätze mit einem Vertreter des Walliser Tiefbauamtes sei klar geworden, dass für die Behörde die Tour de France oberste Priorität geniesst. Es galt also, rasch einen neuen Lager- und Montageplatz zu suchen.

Fündig wurde man schliesslich in der Ortschaft Trient (VS). «Hier steht nun ein langes, flaches Wiesenstück zu unserer Verfügung.

Und was die Effizienz betrifft, stellt sich die Situation nicht schlechter dar als vorher», so Daniel Stutz, der die Tour de France für gewöhnlich interessiert mitverfolgt, selbst aber das Mountainbike bevorzugt.

Hauptsitz in Lenzburg

Die Lebag Leitungs- und Elektrobau AG wurde 1949 in Luzern gegründet. Im Jahr 1992 folgte der Umzug des Hauptsitzes nach Lenzburg. Eine Auslandfiliale in Frankreich wurde acht Jahre später eröffnet. Die Lebag AG gehört zu den wenigen Firmen in der Schweiz, die Komplettausführungen von Freileitungsprojekten handhaben können. Zu den Kunden zählen vorwiegend Elektrizitätsunternehmen und Kommunikationsanbieter sowie Seilbahnbetreiber.

Sicherheitsprobleme

Trotz des Mehraufwands an Planung und Kosten, der für die Lebag AG entstanden ist, zeigt sich der Geschäftsführer glücklich über die gefundene Lösung.

«Bei den ursprünglich vorgesehenen Lagerplätzen hätte es grosse Sicherheitsprobleme gegeben, Kinder und Erwachsene wären womöglich auf den bis zu zehn Meter langen Eisenteilen herumgeturnt.»

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass die Lebag AG auf den Radrennsport Rücksicht nimmt.

«Für die Tour de Suisse mussten wir unsere Bauteile einmal um zwei bis drei Meter verschieben», sagt Daniel Stutz.

Er fügt lachend hinzu, der Unterschied zwischen Tour de France und Tour de Suisse sei schon gewaltig.