Seon ist mit 5070 Einwohnern die grösste Gemeinde im Seetal und hat keine traditionelle Bäckerei, wo frühmorgens in der Backstube frisches Brot gebacken wird. 2009 musste der «Lü Beck» nach 20 Jahren schliessen. Der Betrieb war nicht mehr zu retten.

Der Besitzer begründete den Konkurs mit persönlichen Problemen, der Eröffnung des Landi-Ladens sowie mangelnder Unterstützung der Banken. Die Schliessung wurde im Dorf bedauert.

In die Lücke sprang die Seenger Bäckerei Studler, die beim Sternenkreisel eine Filiale in einem Container eröffnete. Das Provisorium sollte die Zeit überbrücken, bis neben der Post ein Neubau mit Bäckerei und Café fertiggestellt ist. Doch das Projekt verzögerte sich mehrere Jahre. Im Frühling 2015 musste die Bäckerei Studler ihr Provisorium abbrechen, weil dessen Bewilligung abgelaufen war.

Seither gibt es in Seon keine traditionelle Bäckerei mehr. «Wir wären sehr erfreut, wenn wir wieder eine solche hätten», sagt Gemeindeammann Heinz Bürki. In der Gemeinde gebe es zwar Anbieter wie Prima sowie Migros und Coop, die Brot und Gipfeli aufbacken.

«Es gibt aber Leute, die gerne frisches Brot vom Beck haben und deshalb eine traditionelle Bäckerei vermissen.» Bislang sei jedoch noch niemand an den Gemeinderat herangetreten, hier aktiv zu werden.

Platz wäre da

Seon ist kein Einzelfall. Im ganzen Aargauer Seetal gibt es nur in Seengen und Beinwil am See traditionelle Bäckereien. In einigen anderen Gemeinden sind es Detailhändler, die Backwaren anbieten. In Egliswil, Boniswil und Meisterschwanden etwa der Volg.

Dass kleinere Dörfer wie Hallwil oder Birrwil keine Bäckerei haben, ist nachvollziehbar. Ein Fall jedoch erstaunt: Die reiche Gemeinde Meisterschwanden mit ihren rund 2900 Einwohnern. «Kaum zu glauben, dass es hier keine Bäckerei gibt», sagt ein pensionierter Kadermann, der im Mai hier eine Eigentumswohnung bezogen hat. Solche Stimmen hört Gemeindepräsident Ueli Haller jedoch selten. «Es ist nicht schön, dass wir keine traditionelle Bäckerei mehr haben, aber im Dorf ist das kein grosses Thema.»

Das heisst nicht, dass man sich nicht wieder einen Laden wünscht, seit 2014 der Fahrwanger Bäcker Roland Lingg seine Filiale an der Dorfkreuzung schliessen musste, weil diese nicht rentierte und Parkplätze fehlen. «Wir möchten wieder eine Bäckerei, wenn möglich mit einem Café», sagt Ueli Haller. Räume dafür seien im neuen Dorfzentrum vorgesehen.

Diese konnten jedoch noch nicht vermietet werden. Kann eine Bäckerei mit Café in Meisterschwanden überhaupt rentieren? «Eine berechtigte Frage», sagt Haller. «Seengen und Sarmenstorf sind mit ihren Bäckerei-Cafés nicht weit weg und diese scheinen sehr erfolgreich zu sein.»

Geld für Investitionen fehlt

Ist das Seetal mit seinen wenigen Bäckereien repräsentativ für die ganze Bäckerei-Branche? Haben es die Bäckereien immer schwieriger? Die Frage geht an Dominik Frei, Präsident des Aargauer Bäcker-Confiseurmeisterverbandes, dem rund 90 Betriebe im Kanton angeschlossen sind. «Der Umsatz ist etwa stabil, doch uns bleibt immer weniger im Portemonnaie», sagt der Bäckermeister aus Nussbaumen, der einen Bäckereibetrieb mit zehn Filialen betreibt.

Denn die Lohnkosten und diverse Abgaben seien gestiegen, genauso der administrative Aufwand. Hinzu komme der Druck der Detailhändler, die zwei Drittel aller Backwaren in der Schweiz verkaufen. «Das führt dazu, dass vor allem in Kleinbetrieben das nötige Geld für Investitionen fehlt und Betriebe Gefahr laufen zu veralten und in den Konkurs schlittern.»

Diese Gefahr belegen auch Zahlen des Schweizerischen Bäcker-Confiseurmeister-Verbandes: 2015 lag der Gewinn der rund 1600 Bäckereien mit ihren 3000 Verkaufsstellen zwischen 1,5 und 6,9 Prozent (vor Abschreibungen und Rückstellungen). Die Zielwerte liegen bei 8 bis 10 Prozent. «Damit fehlen vielfach die nötigen Mittel für Investitionen, die zwingend notwendig sind», heisst es beim Verband.

«Das ist verheerend», sagt Dominik Frei. Denn nebst in der Produktion müsste ein Bäcker auch immer mehr in sein Ladenlokal investieren. «Der Auftritt des Ladens ist sehr wichtig geworden.» Ein gutes Produkt reiche nicht mehr. «Man muss Kunden mit einem schönen Laden für sich gewinnen», sagt Dominik Frei.

Dass die Verpackung ähnlich wichtig ist wie der Inhalt, hat auch die Konkurrenz der traditionellen Bäcker entdeckt: In Seon gibt es seit ein paar Wochen ein «Seonerbrot». Gebacken wird dieses von der Migros.