Leutwil/Zetzwil
40-Tönner im GPS-Blindflug reissen regelmässig Dach herunter

In Leutwil und Zetzwil wächst der Unmut über Lastwagen-Chauffeure, die im Navi-Gerät den kürzesten Weg zwischen See- und Wynental wählen und mit ihren Sattelschleppern über die Wampfle kriechen. In Leutwil gibt es zudem immer wieder Schäden.

Pascal Meier
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Grosser Ärger: Immer wieder beschädigen Sattelschlepper in Leutwil das Dach (hinten) von Ernst Gloor.

Grosser Ärger: Immer wieder beschädigen Sattelschlepper in Leutwil das Dach (hinten) von Ernst Gloor.

Pascal Meier

An einer Feier in Zetzwil stiess den Gästen plötzlich beissender Gestank in der Nase, der Geruch von verbranntem Gummi lag in der Luft.

Ein ausgewachsener Sattelschlepper war mit überhitzten Bremsen durch das Dorf gefahren. Der Lastwagen kam vom Seetal, kroch nach Leutwil über die kurvenreiche Anhöhe der Wampfle und rollte hinunter ins Wynental – die steile Strasse nach Zetzwil verlangte den Bremsen alles ab.

Der Gestank ist längst verflogen, nicht aber der Ärger in Leutwil und Zetzwil über Lastwagenchauffeure. Immer wieder fahren diese über die Wampfle, um vom Seetal- ins Wynental zu gelangen und umgekehrt – obwohl die Strasse für Sattelschlepper zu steil und schmal ist.

Schuld sind GPS-Navigationsgeräte in der Führerkabine: Viele Chauffeure wählen die kürzeste vorgeschlagene Route und landen in kleinen Dörfern wie Leutwil und Zetzwil. Es gibt Tage, an denen ein Dutzend schwere Lastwagen mit Anhänger über die Wampfle fahren.

«Es sind vor allem ausländische Chauffeure, die sich blind auf GPS verlassen», sagt der Leutwiler Gemeindeammann Walter Scheurer, der mit dem Traktor schon einen Sattelschlepper die Wampfle hochziehen musste. «Die Lastwagen aus dem Ausland sind oft in schlechtem Zustand. Nicht auszudenken was passieren könnte, wenn die Bremsen versagen.»

Keine Entschuldigung

Der Schwerverkehr verursacht in Leutwil zudem Schäden. Immer wieder reissen Lastwagen eine Ecke des Hausdaches von Ernst Gloor herunter. «In einem Jahr musste ich das Dach fünf Mal flicken», ärgert sich Gloor.

«Die Chauffeure fahren einfach weiter, ohne sich zu entschuldigen und den Schaden zu bezahlen.» Nur einmal habe er einen Chauffeur aus Polen erwischt. Zurück kam weder eine Entschuldigung noch Geld für die Reparatur.

Auch in Zetzwil stört man sich an den Lastwagen, allerdings ist der Leidensdruck geringer als in Leutwil. «Bei uns ist es weniger eng und die Strassen sind übersichtlicher», sagt Gemeindeammann Thomas Brändle. «Mühsam ist jedoch, wenn Sattelschlepper die Strasse über die Wampfle blockieren.»

Kein Fahrverbot möglich

In Leutwil hat der Gemeinderat wegen der Lastwagen beim Kanton interveniert. Der Spielraum ist aber klein: Nach Messungen kam der Kanton zum Schluss, dass die Zahl der Lastwagen zu gering ist, um Massnahmen zu ergreifen.

«Von den 2000 Fahrzeugen, die im Schnitt täglich über die Wampfle fahren, sind nur etwa 2 Prozent Lastwagen», sagt Kai Schnetzler, Leiter der Sektion Verkehrssicherheit beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt.

Einige Lastwagen hätten das Ziel Leutwil gehabt. Auch die Gesamtzahl von 2000 Fahrzeugen sei tiefer als in anderen Gemeinden. «Beschränkungen für Lastwagen wären deshalb unverhältnismässig, zumal die Strasse eine wichtige Verbindungsroute vom See- ins Wynental ist.»

Die kürzeste Route spart LSVA

Weil der Gemeinde damit die Hände gebunden sind, möchte Walter Scheurer die Strasse über die Wampfle aus den Karten von Navigationsgeräten entfernen lassen. Das wäre auch im Interesse von Zetzwil. Allerdings ist fraglich, ob grosse Anbieter wie Tomtom, Garmin und Google individuelle Wünsche erfüllen.

Auf Anfrage teilt Garmin mit, dass man keine Routen entfernen könne. «Meldet eine Gemeinde Strassen als für LKW gesperrt, wird diese jedoch in die Navigationssysteme aufgenommen und die Strasse bei der Routenplanung umfahren», sagt Berna Celik-Rymdzionek, Product Manager bei Garmin Deutschland.

Sie verweist auf spezielle GPS-Geräte für Lastwagenfahrer. Diese würden Höhe, Gewicht und Art der Ladung von Lastwagen sowie ungeeignete Strassen berücksichtigen.

Offensichtlich nutzen viele Chauffeure diese Möglichkeit aber nicht. Walter Scheurer vermutet, dass das einen einfachen Grund hat: «Wer die kürzeste Route wählt, spart LSVA.»

Das Problem könnte sich bald von selbst erledigen. Leutwil baut in den kommenden Jahren den Dorfplatz um, über den die Strasse nach Zetzwil führt. Geplant sind bauliche Massnahmen, um den Verkehr abzubremsen. Für Lastwagen würde die Durchfahrt schwieriger. «Wir hoffen, dass die Strecke so für den Durchgangsverkehr unattraktiv wird», sagt Walter Scheurer.

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