Lenzburg

360 Kubikmeter Holz werden gerodet: Aus dem Wald wird jetzt eine Autobahnrampe

Fliegende Schnitzel und Sägestaub: Forstwart Beat Ineichen säubert den Stock seiner Namensvetterin. Die neue Autobahneinfahrt Richtung Zürich (rot).

Fliegende Schnitzel und Sägestaub: Forstwart Beat Ineichen säubert den Stock seiner Namensvetterin. Die neue Autobahneinfahrt Richtung Zürich (rot).

In Lenzburg wird gerodet für die neue A1-Auffahrt. Oberförster Matthias Ott muss aber keine Tränen vergiessen. Auch die Rehe werden dadurch nicht verschreckt – das zeigen frische Spuren.

Als 1967 die Autobahn Lenzburg erreichte, stand die Eiche schon ungefähr 60 Jahre an diesem Ort. Beim ersten Mal konnte die N1 dem Baum nichts anhaben. Er war fortan zwar etwas eingepfercht zwischen Zufahrt und Autobahn, doch der Bau der Strasse brachte auch Vorteile.

Weil Bäume in der Umgebung der Eiche gefällt wurden, hatte sie Ende der 60er-Jahre mehr Licht und konnte deutlich an Umfang zulegen, wie die Jahresringe des frisch gefällten Baumes zeigen. Das zweite grosse Strassenprojekt hat die Eiche nicht überlebt.

Die neue Autobahneinfahrt Richtung Zürich (rot).

Die neue Autobahneinfahrt Richtung Zürich (rot).

Diese Woche haben im Lenzburger Lindwald die Arbeiten für die neue Autobahneinfahrt in Richtung Zürich begonnen. Bevor die Bagger auffahren können, kreischen die Kettensägen. Ungefähr 360 Kubikmeter Holz muss gerodet werden, sagt der neue Stadtoberförster Matthias Ott. Für Menschen, die lieber in Bäumen denken: ungefähr 100 bis 150 Bäume.

Darunter die zirka 125 Jahre alte Eiche, dann Fichten, Buchen, ab und zu eine Lärche und viele kleine Bäumchen und Sträucher. Besonders wertvolle Bäume seien keine dabei, sagt Ott. «Ich bin beim Anzeichnen nicht tränenüberströmt durch den Wald gelaufen», sagt er. Dennoch gebe es natürlich den einen oder anderen, den er gern noch ein paar Jahre hätte wachsen lassen.

Herr Ineichen fällt nicht gern Eichen

Der Forstwart, der die Eiche fällt, ist seit 40 Jahren im Forst tätig. Das Fällen von Eichen tue ihm schon ein bisschen weh. Das liegt hauptsächlich an seinem Namen: Beat Ineichen. Die Eiche hat 2,5 Meter Überhang. Zum Glück nicht in Richtung Autobahn, sonst hätte sie gesperrt werden müssen.

Der Wald, der hier der Autobahnrampe weichen muss, werde andernorts wieder aufgeforstet. Zum einen in Ammerswil, wo ein Waldrand «wie aus dem Bilderbuch» entsteht, so Ott. Statt auf Hochleistungsbäume wie Fichten oder Buchen wird mit selteneren Bäumen wie Weiden auf Biodiversität gesetzt.

Umrahmt von Sträuchern mit Dornen, in denen Singvögel geschützt nisten können. Aber auch für Lebewesen wie Insekten ist der neue Waldrand ein Lebensraum. Zum anderen wird das Bahngleis zwischen Lenzburg und Wildegg dem Wald übergeben.

Die neue Autobahnauffahrt ist Teil der Umgestaltung des Lenzburger Autobahnanschlusses. Die Arbeiten um die Neuhof-Kreuzung werden vom Kanton durchgeführt und haben im April 2018 begonnen. Für die Rampe ist das Bundesamt für Strassen (Astra) zuständig.

Rehspuren sind zu sehen

«Für uns ist der Bau der neuen Autobahneinfahrt Routinearbeit», sagt Projektleiter Andrew Imlach zum Vorhaben. Die Sanierung des Autobahnabschnittes Lenzburg-Birrfeld vor acht Jahren sei eine andere Grössenordnung gewesen. Die Rodungen und Ersatzforstungen in Lenzburg sind allerdings nicht alltäglich. Und dann wäre da noch eine altbekannte Besonderheit.

Die Autobahneinfahrt wird über das Gebiet des ehemaligen römischen Vicus gebaut. Beim Bau der N1 wurde ein Theater entdeckt und freigelegt. Ob dieses Mal auch etwas zum Vorschein kommt? «Es wäre nicht verwunderlich», sagt Imlach. Nervös sei er deswegen nicht und auch die Bauunternehmung sei sensibilisiert worden.

Allfällige archäologische Funde würden den Zeitplan verzögern. Falls alles flott vonstattengeht, werden die Hauptarbeiten bis zur fertigen Strasse von März bis September 2020 durchgeführt.

Dass hier zwischen Autobahn und deren Auffahrt kein waldiges Bijou verlorengeht, beweisen die Rehspuren, auf die Ott aufmerksam macht. Die Tiere hielten sich offenbar gern hier auf. Sie zogen das Rauschen der Autobahn der Störung durch Menschen vor.

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