Seit 33 Jahren reist Michael Stäuble nach Samos in die Ferien. Doch als er im Frühling wieder einmal auf der griechischen Insel weilte, konnte er es nicht geniessen. Auf Samos leben 1200 Flüchtlinge in einem geschlossenen Camp. «Ich habe auf Facebook und in den Medien gesehen, wie Boote voller Flüchtlinge auf Samos angekommen sind», sagt Stäuble. «Wie hätte ich da meine Ferien geniessen sollen?»

Er machte sich auf zum Camp. Eine Einlassbewilligung hat er nicht, doch er hält sich in der Nähe auf, kommt mit Flüchtlingen in Kontakt. «Sie haben mir von den schlechten hygienischen Bedingungen erzählt.

Die Schlafplätze in den Containern reichen nicht aus für alle, viele müssen in Zelten am Hang schlafen. Darunter viele Familien mit Kindern. Das hat mich sehr betroffen gemacht.» Nur schwer konnte er sich nach seinen Ferien losreissen von den Menschen, denen er gern geholfen hätte. Am 7. Juli reist Stäuble wieder nach Samos, diesmal will er als Volontär einer Freiwilligenorganisation vier Wochen bleiben und im Camp mithelfen.

Auf der Suche nach Spenden

Als freiwilliger Helfer wird er gespendete Kleider sortieren und verteilen, tägliche Arbeiten im Camp verrichten. Auch beim Übersetzen will Stäuble seine Dienste anbieten, er lernt dafür Arabisch. Für diesen Einsatz opfert er gern seine Ferien und sein Geld. Die Gesamtkosten für seinen Aufenthalt hat Stäuble mit 3500 Franken berechnet. 500 steuert er selber dazu bei, für den Rest ist er auf Spenden angewiesen.

«Alles, was nicht für Unterkunft, Reise und Verpflegung draufgeht, werde ich spenden. Mit dem Geld sollen den Flüchtlingen spezielle Anlässe organisiert werden, zum Beispiel ein gutes Frühstück oder Aktivitäten für Kinder.» Der Aufenthalt in Samos ist für Michael Stäuble absolut notwendig. «Hier kann man nichts machen, die beste Hilfe kann man nur vor Ort leisten.»

Doch er ist sich bewusst, auf was er sich einlässt. «Die Arbeit im Camp ist eine grosse psychische Belastung.» Doch er nimmt die Strapazen und die Kosten gern auf sich. «Die Dankbarkeit der Menschen ist unglaublich. Diese Zeit, die man dort investiert, kann man nicht in Geld aufwiegen.»