Fahrwangen

30 Jobs weg: Mit Fretz Men schliesst eine der letzten Schuhfabriken ihre Produktion

Aktuell beschäftigt Fretz Men in Fahrwangen noch rund 50 Mitarbeitende.

Aktuell beschäftigt Fretz Men in Fahrwangen noch rund 50 Mitarbeitende.

«Fretz Men»-Schuhe wird es weiterhin geben. Doch sie werden künftig im billigeren Ausland hergestellt. In der Fabrik in Fahrwangen gibt es bis zu 30 Entlassungen.

Die Firma Fretz gehört zu den grossen Traditionsmarken in der Schweizer Schuhindustrie. Die Produktion begann 1903 in Aarau. 1985 wurde die dortige Herstellung von Damenschuhen eingestellt. Das Unternehmen konzentrierte sich fortan auf Herrenschuhe. Die Firma Fretz Men AG ist 1965 gegründet worden. Hauptsitz ist Fahrwangen, eine Zeit lang war die Firma auch in Seon präsent.

Aktuell beschäftigt Fretz Men in Fahrwangen noch rund 50 Mitarbeitende. Das Unternehmen ist eine der letzten grösseren Schuhfabriken der Schweiz und produziert noch etwa 200'000 Paar pro Jahr. Fretz Men hat den Ruf, einer der kompetentesten Herrenschuhanbieter mit Gore-Tex-Technologie zu sein.

Doch das hat offensichtlich für ein Überleben der Schweizer Produktion nicht genügt.

, heisst es in einer am Montag verbreiteten Medienmitteilung. «Wir haben während vieler Jahre in den Standort investiert. Leider ist die Produktion in der Schweiz seit einigen Jahren stark defizitär», erklärt Vinzenz Lauterburg. Er ist seit Januar Geschäftsführer und ist einer der Aktionäre des Familienunternehmens.

Vinzenz Lauterburg hat die Leitung der Fretz Men Anfang 2020 von Daniel Omlin übernommen.

Vinzenz Lauterburg hat die Leitung der Fretz Men Anfang 2020 von Daniel Omlin übernommen.

Lauterburg sagt weiter: «Damit wir in die Zukunft des Unternehmens investieren können, müssen wir angesichts der verschärften Wettbewerbssituation unsere Mittel bestmöglich einsetzen. Deshalb stellen wir uns nun dem schmerzlichen Entscheid, die Produktion grösstenteils an Partner im Ausland auszulagern.» An Partner in Europa und Asien, die, so die Medienmitteilung, «für die hohen Standards in Bezug auf Qualität und Nachhaltigkeit garantieren, für welche Fretz seit über hundert Jahren steht»

«Faire Lösungen für Mitarbeitende»

Wie viele Jobs in Fahrwangen genau abgebaut werden, wird in Konsultationen bis Ende Juli geklärt. In der Medienmitteilung ist von bis zu 30 Stellen die Rede. Das Aktionariat verspricht «einen umfassenden freiwilligen Sozialplan». Lauterburg sagt: «Für unsere Mitarbeitenden werden wir faire Lösungen finden.»

In Fahrwangen arbeiten künftig noch rund 15 Mitarbeitende in Administration, Entwicklung und Verkauf. In der Schweiz wird Fretz weiterhin ein Atelier betreiben, in dem das Unternehmen neue Schuhmodelle entwickelt und deren Produktion testet. Es  werden im Seetal auch künftig kleine Auflagen für verschiedene Premiummarken produziert.

Schuhfabrik Fretz Men baut bis zu 30 Stellen ab

  

«Unser Hauptaugenmerk legen wir darauf, das Design von Fretz weiterzuentwickeln und zusätzlich zu den bestehenden Absatzmärkten neue zu erschliessen» betont Lauterburg. Mit der neuen Ausrichtung bekenne sich seine Familie klar zum Unternehmen und zu dessen erfolgreichen Zukunft als starken Partner des Handels.

Fast die ganze Geschäftsleitung ausgetauscht

Vinzenz Lauterburg hat die Leitung der Fretz Men Anfang 2020 von Daniel Omlin übernommen, der das Unternehmen über 12 Jahre lang geführt hat. Über 30 Jahre lang war der Aarauer Wirtschaftsanwalt Jürg Schärer Verwaltungsratspräsident der Fretz Men AG. Er übergab im Herbst 2018 an Kaspar Hemmeler.

Anfang Jahr stiess nicht nur Vinzenz Lauterburg als neuer Chef zum Unternehmen. Es wurde praktisch die gesamte Geschäftsleitung ausgewechselt. «Es ist uns gelungen, mit Steffen Fredslund als Verkaufsleiter und Torsten Kunz als Leiter Kollektion zwei sehr erfahrene Führungskräfte zu gewinnen», sagt Lauterburg. «Beide verfügen über einen starken Leistungsausweis in der Schuh- und Modebranche.» 

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Autor

Urs Helbling

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