Seengen

30 Jahre im Dienst: Die Rietenberger verabschieden ihren Förster

Zeichnete für tausend Hektar Wald verantwortlich: Förster Heinz Bruder (Mitte).

Zeichnete für tausend Hektar Wald verantwortlich: Förster Heinz Bruder (Mitte).

Nach über 30 Jahren beim Forstdienst Rietenberg übergibt Heinz Bruder die Leitung seinem Sohn.

Gemeindeammänner, Gemeindeschreiber, Kantonsvertreter, Förster, ein Catering und eine Kapelle: Alle waren sie da, um in einer Seenger Waldhütte die Unterzeichnung des neuen Betriebsplans für den Forstbetrieb Rietenberg zu feiern. Der Plan regelt den Forstbetrieb für die nächsten 15 Jahre.

Tatsächlich war der Betriebsplan nur ein Vorwand für das Zusammenkommen. «Den Betriebsplan hätten wir auch via Postweg unterschreiben können. Wir sind natürlich hier, um unseren Förster Heinz Bruder zu verabschieden», eröffnete Forstkommissionspräsident Daniel Lüem den Anlass. Der Noch-Gemeindeammann von Hendschiken leitete durch einen Abend, der einem Förster gewidmet war, der sich über 30 Jahre lang um den Wald am Rietenberg gekümmert hat: Heinz Bruder (65).

Seit 45 Jahren auf dem Beruf des Försters kann er sich noch an Zeiten erinnern, in denen das Holz mit Pferden ins Dorf gezogen wurde. «Die ersten Kettensägen nannten wir Vibrationstraktoren, weil sie einen so richtig durchschüttelten», sagt er. «Ein bisschen Wehmut ist da, aber jetzt ist es nun mal so, alles hat sein Ende. Jänu.»

Ganz verlassen wird Heinz Bruder den Wald aber nicht. Als Spaziergänger und Jagdleiter wird er weiter durch die Wälder am Rietenberg streifen. «Den einen oder andern Försterblick werde ich auch noch mit 80 in die Baumkronen werfen», lacht er. «Förster sein war schliesslich mein Leben. Jänu.» Die Gäste ehrten ihren langjährigen Förster mit kleinen und grossen Geschenken, unter anderem mit einer vom Forstbetrieb gezimmerten Sitzbank.

Generationenwechsel

Das Amt übernehmen wird sein Sohn Matthias Bruder, selber seit 20 Jahren Waldarbeiter. Vor zwei Jahren hat er sich erfolgreich als Stellvertreter seines Vaters beworben und war verantwortlich für die Erarbeitung des neuen Betriebsplans. «Ich habe mich dadurch schon gut eingelebt. Der Start mit dem Betriebsplan war ideal, weil man dafür den Wald komplett durchröntgen muss, um über seinen Zustand genau Bescheid zu wissen», sagt Matthias Bruder. «Ich hatte eine Riesenfreude, dass es mit der Nachfolge geklappt hat. Das war ein kleiner Bubentraum, der wahr wurde, denn schliesslich bin ich hier aufgewachsen.»

Neu sei für ihn die ganze Verantwortung, die er nun trage. «Jetzt bin ich gespannt. Bislang war es immer jemand anders, der den ‹Gring› herhalten musste. Jetzt bin ich das. Angst davor habe ich keine, aber sicher ein wenig Respekt.» Helfen wird Matthias Bruder seine vielseitige Erfahrung: Nach der Försterschule hat er während sechs Jahren in der Privatwirtschaft gearbeitet. «Dort war ich für alle in der Forstwirtschaft anfallenden kaufmännischen und organisatorischen Angelegenheiten verantwortlich. Diese Erfahrung kommt mir sicher zu Gute», sagt er.

Weniger Bürokratie

Zum ersten Mal hat der Forstbetrieb Rietenberg für die beteiligten Gemeinden Dintikon, Egliswil, Hendschiken, Seengen und Villmergen einen gemeinsamen Betriebsplan erstellt. «Weil dem Kanton pro Betriebsplan Rapport erstattet werden muss, bedeutet das eine erhebliche Reduktion des Aufwands», sagt Matthias Bruder. Am 1. Januar wird er die Leitung des Forstbetriebs offiziell von seinem Vater übernehmen. Dann ist er für tausend Hektar Wald verantwortlich. Das entspricht immerhin der Fläche des Hallwilersees. Besser hätte es der «Rietenberg» kaum treffen können: Zu den 65 Jahren Erfahrung von Vater und Sohn kommen in der Familie noch viele weitere: Matthias Bruder ist Förster in der sechsten Generation.

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