Weinlese
3,5 Tonnen Trauben geben den Jubiläumswein

In Auenstein werden zurzeit die Trauben für den Festwein des Gemeindejubiläums 2012 gelesen.

Daniel Vizentini
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In diesen Tagen werden in den Rebbergen der Region die blauen Trauben gelesen. Für Auenstein ist die heurige Ernte eine besondere, denn aus den Trauben entstehen drei Festweine für das 800-Jahr-Jubiläum der Gemeinde im Jahr 2012: ein Weisswein, ein Rotwein und ein Premium-Wein.

Sieben Winzer des Auensteiner Weinbauvereins beteiligen sich daran. Einer von ihnen ist Paul Frei. Der Hobbywinzer hilft seit mehreren Jahren mit bei der Lese, inzwischen hat er ein paar Reben gekauft. Er steuert je rund 90 Kilogramm Trauben zum Weisswein Riesling×Sylvaner und zum Rotwein Pinot noir bei. Am vergangenen Freitag machten er und weitere Winzer des Labels Top of Auenstein sich ans Ernten. «Dafür habe ich einen Tag von der Arbeit freigenommen», sagt er. Ihm hilft ein Kollege, sonst ist es oft auch seine Familie, welche ihn bei der Lese und während des ganzen Jahres auch beim Pflegen der Reben unterstützt. «Im Sommer bin ich nach der Arbeit oft noch bis spät hier oben», erzählt er.

Manche Beeren geben nur Schnaps

Das Erntejahr 2010 ist gemäss Weinbau-Profi Jakob Hochstrasser nicht das beste, aber auf jeden Fall «guter Durchschnitt». 2009 war ein Ausnahmejahrgang: Dank optimaler Witterung seien die Beeren sehr gut gediehen, der Wein deshalb besonders gut gelungen. Auch Paul Frei merkt beim Betrachten seiner Reben, dass da im letzten Jahr wesentlich mehr einwandfreie Trauben hingen. «Wir konnten praktisch nur durchlaufen und pflücken, da waren wir ziemlich rasch fertig», erzählt er. Dieses Jahr ist der Aufwand hingegen etwas grösser. Kalte Perioden während der Blütezeit führten dazu, dass einige Trauben nicht gediehen und verwelkten. Nimmt man solche laschen Beeren in den Mund, merkt man gleich, wie sauer der Saft ist. Zum Weinmachen taugen sie nicht, höchstens zum Schnapsbrennen.

Viel Arbeit macht das Wegschneiden von faulen Beeren. Praktisch bei jeder Traube ist das Vorgehen dasselbe: Traube von der Rebe wegschneiden, genau betrachten, faule oder befallene Beeren entfernen und schliesslich den gesunden Rest in den Eimer legen. Wie Jakob Hochstrasser erklärt, würden nur reife Trauben von Fäulnis befallen. Einzelne faule Beeren an einer Traube seien also ein Zeichen dafür, dass die Traube reif ist. Trotzdem: Weist eine Traube schon Anzeichen für Fäulnis auf, muss sie sofort geerntet werden. Völlig einwandfreie Trauben lassen die Winzer hingegen an diesen kühlen Tagen noch ein paar Tagen an der Rebe dran, denn durch das kühle Wetter bleiben sie intakt. Zudem werden die Extraktstoffe zwischen Blüte und Erntezeit gebildet. Das heisst, umso länger man die Trauben hängen lässt, umso geschmacksintensiver werden sie. Als Beispiel dafür findet man einzelne verschrumpelte, rosinenartige Beeren. «Diese sind besonders süss», sagt Frei. Beim Probieren merkt man den klaren Unterschied zu gewöhnlichen Beeren. Ob auch Frei sich beim Ernten nicht ab und zu eine Beere gönnt? «Ja klar, das muss sein. Auch Leuten, die hier vorbeispazieren, sage ich, sie dürfen ein paar Beeren probieren.»

Fast dreieinhalb Tonnen Trauben

Am Ende des Tages muss Paul Frei neun Eimer à 10 Kilogramm voll haben. Gemeinsam mit den Trauben der Winzer Fritz Frey, Adolf Brugger und Hans Rudolf Brugger, liefert Top of Auenstein rund je 320 Kilogramm Trauben für die beiden Weine. Hinzu kommen die Trauben von Katharina Schatzmann und Walter Hochstrasser. Den mit Abstand grössten Anteil steuert aber Winzer Jakob Hochstrasser bei. Seine Reben liegen im Tal, in der Nähe der Aare. Ernten wird er in den nächsten Tagen.

Die Beeren aller Winzer werden gemeinsam gekeltert. Für den Weisswein wurden bereits eine Tonne Trauben in die Weinbaugenossenschaft Schinznach gebracht. Die fast 1,9 Tonnen Beeren für den Rotwein werden bei Peter Wehrli in Küttigen gekeltert. Für den Premium-Wein (etwa 500 Kilogramm weisse Beeren) ist Jakob Hochstrasser zuständig. Seine Familie ist die einzige in Auenstein, die vom Reb- und Weinbau lebt.

Insgesamt entstehen die Festweine aus fast dreieinhalb Tonnen Trauben. Da weisse Beeren früher reif sind, wurden diese bereits vor einer Woche geerntet. Aus den blauen Beeren könne man ebenfalls Weisswein herstellen, sagt Jakob Hochstrasser. Der Farbstoff für den Rotwein befände sich in der Haut der Blüten und werde erst beim Gären zusammen mit dem Geschmack freigesetzt.

Man kennt sich und hilft einander

Dass die verschiedenen Winzer des Weinbauvereins bei den Festweinen zusammenarbeiten, soll gemäss Jakob Hochstrasser zeigen, dass sie Kollegen sind und keine Konkurrenten. Das sei so auch im Sinne der Gemeinde. Zudem kenne man sich gut und helfe einander.

Die 80-jährige Inge Ott war eine der freiwilligen Helfer am vergangenen Freitag. Wie sie sagt, sei sie seit über 30 Jahren immer an den Ernten beteiligt. Auch sie muss an jeder Traube die befallenen Beeren jeweils wegschneiden. Anders als Paul Frei behält sie die anderen Beeren aber für die Herstellung von Hausschnaps.