Bezirksgericht Lenzburg

29-jähriger vorbestrafter Pädophiler zu Gefängnis verurteilt – aber mit Aufschub

Bezirksgericht Lenzburg: Angeklagter Wiederholungstäter erwies sich als therapieresistent und unbelehrbar.

Bezirksgericht Lenzburg: Angeklagter Wiederholungstäter erwies sich als therapieresistent und unbelehrbar.

Das Bezirksgericht Lenzburg verurteilte einen 29-jährigen, vorbestraften Pädophilen. Obwohl er vor Gericht keine Versprechungen machen wollte, wurde seine Haftstrafe wegen einer Therapie aufgeschoben.

Die Zahl der Tatverdächtigen ist unbekannt, die Dimensionen ungeahnt. Im Missbrauchsfall Bergisch-Gladbach sind deutsche Ermittlerinnen und Ermittler auf ein internationales pädokriminelles Netzwerk mit Schwerpunkt im deutschsprachigen Raum gestossen. Sie haben bereits über 30'000 Spuren entdeckt, wie die «Neue Zürcher Zeitung» diese Woche berichtete. Dabei geht es um den Besitz und die Verbreitung von Kinderpornografie, aber auch um schweren Kindesmissbrauch.

In Gruppenchats haben die Mitglieder Bilder und Videos ihrer Taten ausgetauscht und sich gegenseitig angefeuert, wie Nordrhein-Westfalen-Justizminister Peter Biesenbach mitteilte. Drei Personen, die in der deutschen Ermittlungsgruppe arbeiteten, sind dauerhaft krank geworden, schrieb NZZ. Andere hätten erst nach psychologischer Betreuung die Arbeit fortsetzen können.

Ein Verdächtiger konnte dank Hinweisen aus den USA und Kanada festgenommen werden. Durch seine Festnahme konnte der Missbrauchsring überhaupt erst aufgedeckt werden. Bereits seien mehr als 70 Tatverdächtige ermittelt worden, wie verschiedene deutsche Onlineportale berichten. Ein 27-jähriger Soldat ist in Nordrhein-Westfalen zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.

Kinderpornografie auch in der Schweiz

Der Mann, der gestern vor dem Bezirksgericht Lenzburg stand, ist 29 Jahre alt. Auf seinem Computer, seinem Tablet und seinem Smartphone hatte er kinderpornografisches Material gespeichert. An die Bilder zu kommen, dürfte kein allzu grosses Problem gewesen sein. In der Anklageschrift wird festgehalten, dass er sich mehrere Bilder beim Surfen im Darknet auf seinen Facebook-Account geladen habe. Insgesamt fanden die Behörden mehrere Dutzend Bilder von nackten Mädchen und sexuellen Handlungen mit Kindern und Minderjährigen. Die Staatsanwaltschaft forderte ein Jahr Gefängnis unbedingt.

Lokomotivführer sei sein Traumberuf, sagte der Beschuldigte vor Gericht in einem Nebensatz. Doch die Tür der SBB sei zu. Wegen seines Strafregisterauszugs. Die Verhandlung in Lenzburg ist nicht seine erste, wie während der Befragung durch Gerichtspräsident Daniel Aeschbach klar wird. Im Frühling 2018 wurde er vom Bezirksgericht Bremgarten verurteilt, weil er einem 8-jähriges Mädchen zwischen die Beine gegriffen hatte. Auch damals wurde auf seinen Smartphones pornografisches Material gefunden. Der Mann wurde zu einer aufgeschobenen Freiheitsstrafe und einer ambulanten Massnahme – einer Therapie – verurteilt. Nur wenige Monate später lud er erneut illegales pornografisches Material herunter.

Sein Chef hält trotz allem zu ihm

Vor Gericht wirkt der junge Mann, der heute im westlichen Aargau wohnt, selbstbewusst und gesprächig. Nur wenn man gut hinhört, kann man anhand der Qualität seiner Antworten seine Lernschwäche und seinen Hintergrund bei der Heilpädagogischen Sonderschule erahnen. Heute arbeitet er als Lastwagenchauffeur. Weil er keinen schriftlichen Arbeitsvertrag vorweisen konnte, rief Aeschbach kurzerhand den Chef des Beschuldigten an, der dann via Lautsprecher bestätigte, vom Verfahren zu wissen und ihn auch weiterhin beschäftigen zu wollen. Eine Aussage, die das Urteil massgeblich beeinflusste.

Die Therapie würde ihm helfen, sagte der Beschuldigte. Er entwickle Strategien, um mit seinen pädophilen Neigungen umzugehen. Heikle Situationen gibt es in seinem Leben zur Genüge. Schon mehrmals musste er bei Kitas etwas ausliefern. Dann spreche er nur mit Erwachsenen. In seiner Freizeit halte er sich von Kindern fern. In seiner Freizeit spielt er mit Freunden online Computerspiele, sexuelle Beziehungen habe er nur mit erwachsenen Frauen. Ein reumütiges letztes Wort gibt es von ihm nicht. «Ich habe mir vorgenommen, dass ich keine Versprechen mehr mache, die ich nicht halten kann», sagt er. Aber die Therapie, die wolle er auf keinen Fall abbrechen.

Daniel Aeschbach verurteilte den Mann zu zehn Monaten Freiheitsstrafe unbedingt – aber mit Aufschub. Das heisst, er muss nicht ins Gefängnis, sondern kann weiterarbeiten und seine Therapie fortführen.

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