Dintikon
29 Eier landeten im Tuch, dann ging eins daneben

In Dintikon feierte die Dorfbevölkerung am Sonntag nicht nur Muttertag, Hunderte von Schaulustigen beklatschten die «Weissen» Stefan Schweizer und Carlo Bauer im Wettkampf des traditionellen «Eieraufleset».

Brigitte Widmer (Text und Fotos)
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Die Dorfmusik Dintikon spielte den «Polizist Wäckerli»-Marsch und teilweise gruselige Maskengestalten namens «Chines», «Hotsch» und «Hötscherech», «Jasschärtler» und «Chessler» knallten mit ihren «Soiblootere» auf den Boden. Der illustere Zug führte die beiden Weissen in die «Arena» beim Schulhausplatz.

Kurz vor zwei Uhr waren «Frühling» (Eieraufleser) und «Winter» (Läufer) mit Hölzchen ausgelost. Der etwas grössere Carlo Bauer machte sich auf den Weg Richtung Villmergen. Zwei Velofahrer eskortieren ihn und kontrollierten, ob er vor dem Rückweg in der Dorfwirtschaft sein Getränk zu sich nahm. Zeitgleich begann Stefan Schweizer mit grosser Konzentration die 101 Eier, welche in einer Reihe ausgelegt waren, unter den Augen der Zuschauer in ein Fangtuch zu werfen.

Läufer mit Stuhl abgeholt

Die ersten 29 Eier fanden ihr Ziel, dann ging eins daneben. So begann der sportliche Teil für Stefan Schweizer. In Intervallen von 6 Längen Sprint durfte er einige Eier in den Spreukorb legen, dann hiess es wieder Rennen. Die Laufstrecke verkürzte sich zunehmend doch liessen parallel die Kräfte nach. Je kürzer die Laufstrecke war, umso enger scharten sich die Zuschauer um den Weissen. Mit Anfeuerungsrufen motivierten sie den durchhaltewilligen Eieraufleser. In rund einer halben Stunde war das letzte Ei im Korb und vom Villmerger Läufer noch keine Spur zu sehen. Mit einem Stuhl marschierten Eieraufleser und die Maskengestalten in Richtung Villmergen. Kurz danach kehrten sie mit Läufer Carlo Bauer, welcher es sich auf dem Stuhl bequem gemacht hatte, zur kräftig applaudierenden Dorfgesellschaft zurück. Beide Kontrahenten wurden wie Superstars gefeiert!

Kai Meier, Brauchtumspfleger und Mitglied vom Verein Freunde des Eierauflesens Dintikon (F.D.E.A.), war sichtlich zufrieden mit dem Ergebnis. Üben könne man das Eierwerfen nicht, denn rohe Eier fliegen unterschiedlich, erklärte er. Ihn freut am meisten, dass Dintikon das Eieraufleset lebendig hält. Nur zwei weitere Aargauer Gemeinden (Auenstein und Effingen) führen die Tradition noch durch.

Mit der Einladung an alle 16-jährigen Männer zur Generalversammlung hofft die Vereinsleitung, dass auch künftig viele Junge mithelfen, den Anlass aufrechtzuerhalten. Mitmachen sei Ehre und zugleich Verpflichtung.

Für die Zuschauer war es fast egal, ob Winter oder Frühling siegte. Die gute Stimmung, das schöne Wetter und das leckere Angebot in der Festwirtschaft sorgten für Zusammenhalt und Spass.