Das Rektorat der Berufsschule Lenzburg (BSL) war für Ruedi Suter nicht einfach ein Brotjob. Die gewerblich-industrielle Berufsschule war eine Herzensangelegenheit für ihn. Am 1. Mai 1994 hat Suter die operative Führung des Berufsschulpflänzchen übernommen, dieses gehegt und zu einem prosperierenden Aus- und Weiterbildungszentrum entwickelt. Die BSL steht heute in prächtiger Blüte und wurde im Frühling zusätzlich gestärkt durch den Entscheid des Regierungsrats zu den zukünftigen Standorten der Aargauer Berufsfachschulen.
In wenigen Tagen geht Ruedi Suter in den Ruhestand. Tauscht den bequemen Bürosessel mit einem harten Velosattel. Zum Start in den neuen Lebensabschnitt will er zuerst einmal tüchtig in die Pedalen treten und den Kopf durchlüften. Ziel ist die französische Atlantikküste.

60 Millionen Franken investiert

Suter und die BSL sind im vergangenen Vierteljahrhundert zu einer Einheit zusammengewachsen; das eine ohne das andere mit der Zeit kaum mehr denkbar. Suter wurde zum Schirmherr für die Institution. So sieht man es offensichtlich auch beim Schulvorstand. Schulvorstandspräsident Markus Möhl verabschiedete den Rektor unter anderem mit einem Regenschirm als Präsent. Mit humorvollen Worten würdige Möhl den baldigen Jung-Pensionär. «Er gehört zu jener Sorte Rektor, welche die Schule gut zu positionieren wissen», sagte er am Freitagabend über Suters charismatische Art. Im «timeout», dem Berufsschulrestaurant, feierte Ruedi Suter mit Weggefährten aus verschiedenen Lebens- und Tätigkeitsbereichen, wie er es nannte, seinen Abschied. «Es war eine fantastische Zeit», sagte er zurückblickend. «Ich hatte das Glück und Privileg, in einem grossartigen Team arbeiten zu dürfen. Mit Unterstützung der Behörden von Lenzburg und des Kantons Aargau konnten wir verschiedene Bau- und Schulentwicklungsprojekte erfolgreich umsetzen.»

Tatsächlich: Der frühere Sportlehrer Suter war auch als Bauherr sportlich unterwegs: Rund 60 Millionen Franken hat er auf dem Neuhof-Campus innerhalb von 25 Jahren «verbaut». Die grössten Brocken sind das Weiterbildungszentrum (WBZ) und das Parkhaus. In diese Zeit fällt auch die komplette Neugestaltung des Areal. Zudem wurde es verkehrsfrei gemacht. «Du hast Ausserordentliches geleistet», beschied Möhl seinem Rektor. Hohe Ansprüche hatte der ehemalige Generalstabsoberst und Infanterieregimentskommandant ebenso, wenn es um die Qualität seines Schulbetriebs ging. So verwundert es kaum, wenn die BSL auch hier Spitzenplätze erreichte: 2013 gab es Silber beim schweizerischen Schulpreis und das Prädikat «Top Arbeitgeber» am Swiss Arbeitgeber Award vor einem Jahr.

Entwickeln, gestalten, bauen, nicht einfach verwalten, so habe Suter seine Aufgabe verstanden, sagte Möhl. Stets respektvoll im Umgang mit dem Gegenüber. Und mit einem Augenzwinkern ergänzte er: «Es war jedoch immer klar, wer der Chef ist im BSL.»
Das ist nun Vergangenheit. Am 1. Juli übernimmt der bisherige Konrektor Tobias Widmer das BSL-Rektorat (die AZ berichtete). Neuer Konrektor wird Marcel Müller. Er leitet bisher das WBZ.